Werber müssen vieles sein. Unternehmensberater – diese und alle folgenden auch -innen – Psychologen, Psychotherapeuten, Wunderheiler, Regentänzer, Wissenschaftler, Magier, Hexer, Hellseher, Dichter, Denker und Erzählonkel. All das in der wunderbarsten Bedeutung jeder Funktion, aber auch in der abscheulichsten. Nicht selten müssen Werber auch alles sein und nur etwas seltener sind sie es auch zugleich in beiden Extremen.

Der Liste der Bezeichnungen, die, wenn man sie vollständig haben wollte, deutlich länger wäre, möchte ich um eine Bezeichnung erweitern. Ein Werber muss, egal als was er gerade bezeichnet wird und tätig ist, immer eines sein: Philanthrop!

Werber müssen sich ständig und gütig mit dem Zustand der Menschen beschäftigen. Es gibt natürlich auch andere Berufsgruppen, die dies auch machen. Aber immer auf ein bestimmtes Thema fokussiert. Werber müssen sich mit dem gesamten Menschsein gemein machen, mit und in den Menschen leben und dies lieben. Alle Ängste und Wünsche, jede Begrenzung, das Unergründliche, das Normale und Abstruse – alles muss der Werber kennen und lieben. Denn wie sonst, sollte er wissen, was der Mensch will, den er begeistern soll.

In der klassischen Beschreibung des Philanthropen findet man immer das Bild dessen, der über denen steht, die er philanthropisch beglückt. Bei den Werbern ist das anders. Er steht heute mitten zwischen den Menschen, die er liebt. Das Gebende des Philanthropen ist dem Werber zutiefst inne. Nein, er spendet nicht sein überflüssiges und ungenutztes Vermögen, sondern er spendet Aufmerksamkeit. Und diese Aufmerksamkeit führt dazu dass die Menschen, an die er sich für seine Kunden werbend wendet, dieser Aufmerksamkeit mit Ihrer Reaktion einen Wert geben. Diese Werte über ein Werberleben hinweg kumuliert, ergeben Summen, an die nur wenige Philanthropen mit ihrer Gönnerschaft rankommen. Philanthropie ist natürlich mehr, als nur die Verteilung von materiellen Werten an die, die davon zu wenig haben. Der Philanthrop möchte auch Lebensverhältnisse verbessern und das über die Grundbedürfnisse hinaus. Aber auch da zieht der Werber mit den Philanthropen gleich und davon. Werbung verbessert Lebensverhältnisse. Werbung ist Kultur, macht Kultur und, wenn sie gut gemacht ist, orientiert sie, damit Menschen sich selbst ausdrücken und selbst leben können.

Bill Gates, Warren Buffett, Oprah Winfrey, um nur drei zu nennen, müssen auf nichts verzichten, um philanthropisch sein zu können. Muss der Werber auch nicht. Wenn es überhaupt eine Abgrenzung zu diesen drei Superphilanthropisten gibt, dann die, dass der Werber selbstlos philanthropiert. Er spart keine Steuern mit seinem Geben. Im Gegenteil, er selbst zahlt mit jedem Job mehr Steuern und provoziert einen Geldfluss, der in letzter Konsequenz zu mehr Steuern führt.

Werber sind die wahren Philanthropen.

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Der Sitz der 1780 gegründeten Société Philanthropique de Paris, der ältesten überkonfessionellen philanthropischen Gesellschaft. (Foto: Wikipedia)

Jörg Kremer ist Werber, Neuromarketer und Entwickler des Neuromarketingskonzepts biology first. Er startete früh mit einer Agentur für Corporate Design, entwickelte sich konsequent zum Corporate Advertiser, für den schon in den frühen Anfängen das Internet fest zur Kommunikation dazugehörte. Das alles bündelte er in einer Full Service Agentur. Zur Jahrtausendwende widmete sich Kremer dem neu entstehende Wissen in der Hirnforschung und der Evolutionspsychologie und entwickelte das Neuromarketingkonzept biology first. Heute gilt er unter dem Label Kremer und Konsorten als Spezialist für Neuromarketing, als Storyteller und Brander mit einzigartig umfangreichem Umsetzungswissen in vielen Branchen und nahezu jeder Anwendungssituation. Kremer hat vier Kinder und lebt heute im Ruhrgebiet.

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