Sie denken bei dem Wort Oxymoron bei uns sicher an ein neues Wunderhormon, das wir zu nutzen wissen, um Ihre Kunden zu erreichen. Das ist es nicht. Ein Oxymoron ist ein Widerspruch in sich. Das Wort Kreativitätstechniken ist so ein Widerspruch – ein Oxymoron. Warum?

Viele haben versucht, der Kreativität auf die Schliche zu kommen. Sie zu überraschen, wenn Sie plötzlich auftaucht. Denn die Begehrlichkeit nach Kreativität ist groß und wird immer größer. Brauchten Gesellschaft und Wirtschaft früher alle paar Jahre mal etwas Kreativität, um sie dann möglichst lange managen zu können, benötigen sie heute ständig Kreativität, um überleben zu können. Alle suchen überall und für alles nach Kreativität. Kreativität ist aber etwas, das man als nicht kreativer Mensch selbst durch größten Fleiß nicht erreichen kann.

In Momenten tiefer Erkenntnis dieses Umstands tauchen dann gerne Angebote diverser Anbieter von Kreativitätstechniken auf. Man muss es sich vorstellen und sanft im Hirn zergehen lassen. Da soll mit Hilfe einer Technik gelernt werden, eine Technik für etwas zu entwickeln, die sich gegen eines vehement richtet – eine Technik, eine Struktur. Wenn Kreativität eines hat, sicher hat, dann keine Technik. Kreativität ist auch nicht in fünf Schritte strukturierbar (siehe Holm-Hadulla). Kreativität ist deshalb Kreativität, weil sie, wann immer man meint, ein System gefunden zu haben, genau damit bricht.

Jetzt müsste man Kreativität erstmal definierten, um weiter darüber reden zu können. Da fängt das Drama schon an. Wie will man das Unbeschreibliche definieren, um sich mit einem minimalen Grundverständnis weiter darüber austauschen zu können? Versuchen wir es mal so einfach wie möglich:

Kreativität bedarf einer unbegrenzten Neugier und dem Drang, alles Wissen in seinen kleinsten Einheiten ständig aufnehmen zu wollen, um es irgendwann in Kombinationen zu nutzen, die keiner Logik und keiner bekannten Struktur folgen. Dafür braucht man eine Kultur und Ausdrucksmittel, die das Ergebniss vermittelbar machen.

Wer es komplexer liebt, dem sei Holm-Hadulla empfohlen, dessen Abhandlungen zur Kreativität zu den ambitioniertesten gehören: Rainer M. Holm-Hadulla: The dialectic of creativity: A synthesis of neurobiological, psychological, cultural and practical aspects of the creative process.In Creativity Research Journal, 2013, 25 (3), 293-299. Holm-Hadulla sagt, Kreativität braucht klare Strukturen, damit sich der Kreative in den labilen, Kreativphasen angstfrei fallen lassen kann, weil er von seiner klaren Struktur wieder aufgefangen wird. Das impliziert, dass Kreativität einen instabilen Zustand erzeugt.

Wir wissen aber, dass der einzelne Mensch und der Mensch in Gruppen, genau diese Instabilität als Katalysator für Veränderung liebt, sie braucht, um sich leichter von bestehenden Strukturen lösen zu können. Diese dann sogar gänzlich aufzulösen bereit ist. Bestehendes Wissen wird erst in Unsicherheit völlig neu kombiniert, um am Ende eines kreativen Prozesses etwas Neues zu haben, das sich dem Grund für Unsicherheit entgegen stellt. Ihm neuen Halt gibt. Es ist gerade das Neue, das dem Kreativen Halt gibt, wo jeder andere Unsicherheit bis hin zu Angst empfindet.

Jeder kennt den Effekt, den man besonders Kreativen gerne zuschreibt. Das Arbeiten auf den letzten Drücker. Das ist nicht Ausdruck von Faulheit, sondern die unbewusste Provokation einer Unsicherheit, um die Kräfte freizusetzen, die keine Kreativitätstechnik freisetzen kann (Siehe unvollständige Liste unten.).

Holm-Hadulla warnt vor dem völligen Fehlen von Struktur, weil der Kreative sich dann komplett verlieren und untergehen kann. Die Chance besteht. Die Gefahr ist aber nicht größer, als bei allen anderen ausgeprägten Charakteren, die, wenn sie über ein gesundes Maß hinaus ausgeprägt sind, nahezu immer zu kritischen Zuständen führen.

Wer sind wir, dass wir uns so selbstbewusst gegen Holm-Hadulla stellen? Selbst Kreative, die sich über Jahre selbst beobachten und für viele Kreative verantwortlich, mit denen wir gearbeitet haben, schauen wir von innen nach außen. Erleben ständig, was andere theoretisieren. Natürlich ist es verlockend, aus dem Insight eine Kreativitätstechnik zu entwickeln. Doch zeigt die Beobachtung der Prozesse, dass sich, wann immer ein System vermeintlich erkennbar wird, genau dies im nächsten Moment absolut keine Gültigkeit mehr hat. Denn auch das ist das Wesen von Kreativität. Sie ist kreativ in ihren unzähligen Formen, in denen sie entsteht.

Alleine der Umstand, dass eine fast beliebige Form der Unsicherheit ein verlässlicher Katalysator für Kreativität  ist, lässt sich formulieren. Ist das dann schon eine Technik, wenn man diese Unsicherheit künstlich herstellt? Wenn man sie provoziert! Oder einfach nur zulässt. Es ist eher ein Instinkt, dem Kreative lustvoll folgen. Wissend, dass eine Belohnung folgt, die satisfaktierender kaum sein kann.

Dopamin in Verbindung mit Noradrenalin und β-Endorphin – aber auch Serotonin belohnen dann, dass man sich in Unsicherheit begeben hatte. Das Oxymoron ist vergessen…

Eine Liste von Kreativitätstechniken für die, die lieber an Technik glauben:

Analogien-Methode
Anonymes Brainstorming
ARIZ
Assoziogramm
Attribute Listing
Basic Synectics
BBB-Methode
Bionik
Biosoziation
Brainstorming
Brainwriting
Brainwriting-Pool
Brain-Walking
Buffalo-Methode
CATWOE
Clustering
CNB-Technik
Collective Notebook
Creative Writing
Delphi-Methode
Destruktiv-konstruktives Brainstorming
Didaktisches Brainstorming
Die 6 Denkhüte
Diskussion 66
Divergentes Denken
Edison-Prinzip
Elektronisches Brainstorming
Entscheidungsbaum
Fehlerbaumanalyse
Fehlerbaum-Diagramm
Fishbone Diagram
Fischgrät-Diagramm
Forced Relationship
Freewriting
Funktionsanalyse
Galerie-Methode
Gordon-Methode
Heuristische Prinzipien
Hypothesen-Matrix
Ideen-Delphi
Imaginäres Brainstorming
Ishikawa-Diagramm
Kartenabfrage
Katalog-Technik
KJ-Methode
Kognitive Karte
Konzeptionelle Gedankenkarte
Kopfstandtechnik
Kreatives Problemlösen
Kreatives Schreiben
Laterales Denken
Lexikon-Technik
Megi-Methode
Metaplan-Technik
Methode 635
Methode der gerichteten Intuition
Mind Mapping
Mini-Delphi
Morphologische Analyse
Morphologische Matrix
Morphologischer Kasten
Morphologisches T ableau
Nicht-lineares Denken
Osborn-Checkliste
Paralleles Denken
PATTERN
Pinnwandmoderation
Problemkreisanalyse
Problemlösungsbaum
Progressive Abstraktion
Prüflistenverfahren
Querdenken
Reizbilder
Reizsituationen
Reizwortanalyse
Relevanzbaum
SCAMMPERR
SCAMPER-Technik
Scenario-writing
Schreibwerkstatt
Science-creation
Science-fiction
SEER-Technik
Semantische Intuition
Semantische Netze
Sequentielle Morphologie
SIL-Methode
Suchfeld-Auflockerung
Szenario
Synektik
Synektische Konferenz
Synektischer Trichter
Synoptische Methode
Systematische Feldüberdeckung
Tannenbaum-Diagramm
Tilmag-Methode
Trigger-Technik
TRIZ
Umkehrtechnik
Ursache-Wirkungs-Diagramm
Utopia-Beschreibungen
Visuelle Synektik
Walt-Disney-Methode
Zielumkehr
Zufallsanregung
Zufallstechnik
Zukunftswerkstatt
Zwicky-Box

Kremer und Konsorten ist ein einzigartiger Marketing- und Kommunikationsdienstleister mit Kunden in Deutschland und der Schweiz. Die Einzigartigkeit besteht in über 16 Jahren Erfahrung mit den Themen Neuromarketing und Neurokommunikation und dem darauf basierenden, eigenen Marketing- und Kommunikationskonzept – "biology first". "biology first" setzt auf die Annahme auf, dass man den Menschen in der Biologie seines Denkens und Handelns sehr gut kennen muss, um ihn schnell erreichen, nachhaltig faszinieren und aktivieren zu können. "biology first" ist die Essenz aus aktuellem Wissen in den Bereichen Neurophysiologie, Neuroökonomie, Evolutionspsychologie und Psychologie sowie der langjährigen Anwendungserfahrung in sehr vielen Branchen, Unternehmens-, Marken- und Marktsituationen. Als "atmende" Struktur passt sich Kremer und Konsorten mit individuell zusammengestellten Teams den Inhalten und der Größe der jeweiligen Aufgaben an. Das Ergebnis ist höchste Einzelfallkompetenz bei minimalen Overheads.

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