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Als Marketer schlüpfe ich ständig in die unterschiedlichsten Rollen, um den Markt aus einem jeweils ganz bestimmten Blickwinkel beobachten zu können. Neulich war ich auf dem platten Land. In der gar nicht platten Eifel. Ich habe mich in meinem Markenhersteller-Kostüm rumgetrieben. Die Erkenntnisse waren niederschmetternd.

In den besuchten Städten in der Eifel habe ich nicht einen Händler gesehen, dem ich meine Marken hätte anvertrauen wollen. Nicht einen. Egal, welche Marke ich war. Wenn man sich die Situation in kleinen Städten anschaut, versteht man den Boom des Internets noch viel mehr. Die Warenpräsentation ist mitunter markenschädigend und die Auswahl ist sehr gering. Man könnte fast denken, Marken haben den Handel in kleineren Städten schon aufgegeben.

Ein Gedanke, der aufkommt: Wollen die Kunden dort nicht mehr sehen und haben? Mit solchen Argumenten werfen manche Markenverantwortliche um sich. Ich denke, diese Haltung ist nicht nur falsch, sondern auch gefährlich. Wer mit der „Dummheit“ der Kunden argumentiert – und das sind nicht wenige – sollte dringend den Job wechseln. Denn diese Haltung, zusammen mit der leider oft geringen Professionalität des Handels, könnte dazu führen, dass Marken jenseits der großen Städte das Terrain komplett an schlecht geführte Marken und Billigmarken abgeben. Das führt zu einem Preisvergleich und Preisdruck, der die guten Marken indirekt einem Preisverfall aussetzt.

Wenn der Online-Handel, wie jetzt schon in Amerika zu sehen, sich emotionalisiert, und emotionalisierte Markenräume schafft, hat ein von der Industrie schlecht bedienter und schlecht geführter Handel jenseits der großen Metropolen bald überhaupt keine Chance mehr. Dann stirbt der Handel in diesen Innenstädten komplett und die kleinen Städte veröden ganz.

Es sind ganz neue Handelskonzepte gefragt, die diese besonderen Bedürfnisse aufgreifen und den stationären und den Internet-Handel intelligent verknüpfen. Am Ende sind es womöglich eBay-, Amazon- und google-shops, die diese Aufgabe übernehmen, wie einst der Quelle-Shop um die Ecke, in dem stationärer Handel und Kataloggeschäft vereint wurden. Der etablierte Handel hat auch noch eine Chance. Eine noch und die nicht mehr lange.

Es ist eine spannende Zeit, wenn man sie als Herausforderung begreift. Oder die Endzeit des Handels und vieler Marken…

Jörg Kremer ist Werber, Neuromarketer und Entwickler des Neuromarketingskonzepts biology first. Er startete früh mit einer Agentur für Corporate Design, entwickelte sich konsequent zum Corporate Advertiser, für den schon in den frühen Anfängen das Internet fest zur Kommunikation dazugehörte. Das alles bündelte er in einer Full Service Agentur. Zur Jahrtausendwende widmete sich Kremer dem neu entstehende Wissen in der Hirnforschung und der Evolutionspsychologie und entwickelte das Neuromarketingkonzept biology first. Heute gilt er unter dem Label Kremer und Konsorten als Spezialist für Neuromarketing, als Storyteller und Brander mit einzigartig umfangreichem Umsetzungswissen in vielen Branchen und nahezu jeder Anwendungssituation. Kremer hat vier Kinder und lebt heute im Ruhrgebiet.

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