Das beste Zeichen dafür, dass man der Hirnforschung und den Ergebnissen für Marketing und Kommunikation Wirkung zumisst, ist die Tatsache, dass sich die Ethik des Themas angenommen hat. Die Disziplin der Neuroethik ist entstanden.

Mit was befasst sich die Neuroethik?

Die sehr junge wissenschaftliche Disziplin befasst sich mit den moralischen Problemen, die die Anwendung der Ergebnisse der Hirnforschung in der Praxis mit sich bringen können.

Neuroethik befasst sich auch mit der Frage, welchen Einfluss die neuen Einsichten der Hirnforschung auf unser Selbstverständnis hat. Hier geht es darum, welches Bild der Mensch vom Menschen bekommt.

Neuroethik fragt nach den kulturellen Aspekten der Hirnforschung. Was geschieht mit der Gesellschaft, wenn Menschen ihre psychologischen Dispositionen und die Inhalte des Bewusstseins immer stärker und genauer steuern können?

Neuroethik erforscht zudem neurobiologische Grundlagen und evolutionäre Ursprünge des moralischen Verhaltens des Menschen. Im Fokus stehen Fragen, wie die Fragen nach der Verankerung der Wahrnehmung von Ungerechtigkeit. Die moralische Dimension von Selbstaufopferung, Schuld und Mitleid wird erforscht. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Frage nach den Möglichkeiten, die Gehirne der Kinder gezielt fördern zu können.

Jede Erkenntnis zur Funktion des Gehirns gibt Antworten, stellt aber mindestens ebenso viele Fragen. Je transparenter das Gehirn wird, desto größer werden die Möglichkeiten, es zu heilen, zu unterstützen und auch es zu missbrauchen. Was ist Missbrauch?

Die ersten Cognitive Enhancer sind fertig entwickelt. Das sind Drogen, die unsere Intelligenz und Denkfähigkeit optimieren. Bald wird es viele Medikamente geben, die nicht nur Krankheiten heilen, sondern auch bei gesunden Menschen zum Beispiel die Wachheit, das Kurzzeitgedächtnis und die Konzentrationsfähigkeit steigern. Damit haben wir die Chance, das Bewusstsein auf eine neue Ebene zu heben. Zu definieren, welches Bewusstsein dann das allgemeingültige sein wird, wo Chancen sind und wo Missbrauch beginnt, ist dann Aufgabe der Neuroethik.

Die Folgen eines neuen Bewusstseins der Menschen werden zum Teil gravierend sein. Medizin, Strafrecht, Glaube, Gesellschaft – es wird kein Thema geben, das nicht massiv beeinflusst werden wird. Da sind Marketing und Kommunikation noch die geringsten Themen. Und dennoch wird es auch in dieser Profession ethische Fragen geben, die beantwortet werden müssen.

Kremer und Konsorten werden in der Kolumne Hirn am Montag die junge Disziplin der Neuroethik und ethische Fragestellungen im allgemeinen immer wieder kritisch diskutieren. Denn wer „biology first“ zum Credo erfolgreichen Marketings und erfolgreicher Kommunikation macht, darf sich der kritischen Diskussion um die Möglichkeiten und Grenzen nicht entziehen, sondern muss sie aktiv führen und mitgestalten.

 

Jörg Kremer ist Werber, Neuromarketer und Entwickler des Neuromarketingskonzepts biology first. Er startete früh mit einer Agentur für Corporate Design, entwickelte sich konsequent zum Corporate Advertiser, für den schon in den frühen Anfängen das Internet fest zur Kommunikation dazugehörte. Das alles bündelte er in einer Full Service Agentur. Zur Jahrtausendwende widmete sich Kremer dem neu entstehende Wissen in der Hirnforschung und der Evolutionspsychologie und entwickelte das Neuromarketingkonzept biology first. Heute gilt er unter dem Label Kremer und Konsorten als Spezialist für Neuromarketing, als Storyteller und Brander mit einzigartig umfangreichem Umsetzungswissen in vielen Branchen und nahezu jeder Anwendungssituation. Kremer hat vier Kinder und lebt heute mit seiner Partnerin und Muse Carmen Bußmann im Ruhrgebiet.

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