(Diesmal geht es nicht um das Hirn, sondern um ein Hirn.)

Kaum einer weiß es. Wir haben Frank Schirrmacher über viele Jahre bei der Frage gecoacht, wen er in den letzten Jahren sporadisch mal per Telefon, Mail und Tweet  kontaktieren sollte, damit, im Fall seines Todes, möglichst viele von der Magie berichten können, die es hat, wenn man FS in seinem Neuland treffen durfte. Dem Neuland, von dem er gelebt hat, aus dem er sich alle Energie gezogen hat und alle Energie wieder hineingepumpt hat. Was sollen wir sagen? Unser Coaching war ein voller Erfolg.

Bevor Sie jetzt zum Telefon oder zur Tastatur greifen – nein, wir haben nie eine Mail von ihm bekommen, er hat uns auch nicht einmal unerwartet angerufen, wir haben ihn nicht im Flugzeug oder am Urinal getroffen und per Twitter hat er uns auch nie angesprochen. Von solchen Geschichten hört man aber hunderte, seit der Nachricht. Der unaussprechlichen Nachricht. Man könnte glauben, er hat mit der einen Hälfte der Deutschen gearbeitet und mit der anderen Hälfte, nein, nicht von uns gecoacht, spontane Kontakte entstehen lassen. Ganz altruistisch, um seinen Kollegen und denen , die es zu gerne sein wollen, Gelegenheit zu geben, dies ganz journalistisch mit einer Geschichte dokumentieren zu können.

Einhundert Prozent der Deutschen kannten ihn demnach analog und digital auf irgendeine Weise persönlich. Und dann gab es noch uns Konsorten. Die einzigen Menschen, die ihn nur aus der Ferne als Journalist, Schriftsteller und FAZ-Herausgeber kannten. Ein hartes Schicksal, aber wie man sieht, kann man selbst dann über Frank Schirrmacher schreiben.

Selbst weit vom Journalismus entfernte Menschen zuckten zusammen, als die Nachricht von Schirrmachers Tod durchs Neuland donnerte. Es gibt Menschen, denen haftet eine gewisse Unsterblichkeit an. Man möchte sie einfach da wissen, um gewappnet zu sein. Der Gedanke, sie denken nicht mehr für uns alle in die Bereiche, die nicht viele beim Denken erreichen, will nicht gedacht werden. Also leben diese Menschen selbstverständlich. Schirrmacher war so ein Mensch. Er war selbstverständlich und konnte demnach mit seinem Tod nur überraschen.

Herzinfarkt! Wer heute nicht an Krebs krepiert oder dement wegdämmert, hat im Infarkt auf jedem Fall schon mal den besseren Tod getroffen. Von den besseren ist Herzinfarkt dann aber doch der schlechtere, weil man nicht eine Sekunde Zeit hat, sich neben dem brutalen, finalen Schmerz, noch vom Leben verabschieden zu können. Mit einem letzten Gedanken, einer Zusammenfassung über und für das Neuland. Für jenes Neuland. Das hätten wir ihm gewünscht.

Jemand, der geniale Gedanken für jedes Neuland hat, geht in das letzte Neuland ohne sich letzte Gedanken machen zu können. Das macht sein Sterben so banal und sein Sterben damit auch so wenig würdig. Natürlich ist all das nur eine Sicht aus unsicherer Entfernung. Aus der Mitte seines Menschseins, seines Journalistseins, seines Herausgeberseins, gab es schon so viele Beschreibungen, dass die Entfernung aber eine Intimität der Besonderheit bekommt.

Jetzt sitzen wir alle vor dem übergroß erscheinenden Loch, starren in die Leere. Eine Leere, die sich, wie die Löcher am Strand von den Seiten fließend füllen wird. Nicht auf einmal, nicht von einem, aber von vielen, die einen Teil des Geistes von Frank Schirrmacher weiter strömen lassen. Ins Neuland.

Jörg Kremer ist Werber, Neuromarketer und Entwickler des Neuromarketingskonzepts biology first. Er startete früh mit einer Agentur für Corporate Design, entwickelte sich konsequent zum Corporate Advertiser, für den schon in den frühen Anfängen das Internet fest zur Kommunikation dazugehörte. Das alles bündelte er in einer Full Service Agentur. Zur Jahrtausendwende widmete sich Kremer dem neu entstehende Wissen in der Hirnforschung und der Evolutionspsychologie und entwickelte das Neuromarketingkonzept biology first. Heute gilt er unter dem Label Kremer und Konsorten als Spezialist für Neuromarketing, als Storyteller und Brander mit einzigartig umfangreichem Umsetzungswissen in vielen Branchen und nahezu jeder Anwendungssituation. Kremer hat vier Kinder und lebt heute im Ruhrgebiet.

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