Als ich als Kind die ersten Nachbarn sah, die Raketen zu Silvester abschossen, war ich schwer beeindruckt. Man konnte mich kaum mehr beeindrucken, als mit einer solchen Rakete, wie ich sie sonst nur von Feuerwerken kannte. Jede einzelne Rakete wurde gefeiert. Vom Aufbau, über die Zündung bis hin zum Flug und natürlich staunte ich angemessen über jede Explosion.

Ich beobachtete genau, wer welche Techniken für den Abschuss, das Entzünden und das bewundernde Stöhnen anwendete. Jahr für Jahr wurden es mehr Rakentenabschießer und irgendwann zündete ich selbst Raketen. Genau in diesem Moment begannen die Raketen billiger zu werden und die Raketenpackungen wurden immer größer. Raketen und das ganze Drumherum verkamen zum Massenerlebnis. Das Aufstellen, Anzünden und selbst das Bewundern musste rationalisiert werden, um in annehmbarer Zeit die steigende Anzahl an Raketen abfeuern zu können. Zack, zisch, bumm, wow und weiter. Schneller. Manchmal konnte ich selbst die Explosion meiner Raketen nicht mehr beobachten, weil ich mit dem Blick nach unten zur nächsten Rakete greifen musste.

Dann kam die Erlösung. Batterien. In den sogenannten Batterien befanden sich raketenartige Effekte, die in Massen automatisch abgefeuert wurden und durch Knaller und Funkenflug unterschiedlichster Art ergänzt wurden. Ich verfiel der Versuchung. Meine erste und einzige Batterie zündete ich an und langweilte mich dann mit gespieltem Erstaunen während des Automatikfeuerwerks. In der Straße hatten fast alle diese Feuerwerksbatterien. Alle langweilten sich. Die einen weniger lange, die mit den Megamaxigiga-Batterien, die schon einen halben Meter lang waren und länger, langweilten sich länger. Feiern konnte man keinen der einzelnen Effekte, weil der nächste Effekt dazu keine Zeit ließ. Die Straßen waren voller Effekte, die Stadt war voller Effekte, das Land war voller Effekte. Aber die Effekte waren alleine. Es gab keinen mehr, der sie auslöste, niemanden mehr, der sie sah.

Was mich einst so fasziniert hatte, war banal geworden.

Der Ausweg war die absichtliche Bescheidung auf ein mehr auf Wirkung durch weniger Effekte. Eine Rakete pro Kind. Also nur noch vier würdige Raketen. Und dazu ein paar ganz gezielt gezündete, würdige Detonationen. Und das alles gezündet, wenn die Batterien ihre Langeweile verströmt hatten. Der nächste Schritt zurück zur ehemals geehrten Rakete war der, diese nicht irgendwo zu zünden, sondern an besonderen Orten.

Ich selbst war mir wieder jeder Rakete und jedes Donners bewusst. Sie zu platzieren, zu zünden und zischend starten zu sehen, war ein würdiges Vorspiel für ein viel beachtetes Explodieren. Mit jedem Effekt, den ich wegließ, stieg die Wirkung.

Wenn auch Sie es Leid sind, Batterien unter Batterien zu zünden, die Lust daran und den Effekt verloren haben, könnten wir das Jahr zusammen verbringen. Damit, wirklich gute Raketen richtig gut zu inszenieren, um mit weniger viel mehr zu erreichen.

In diesem Sinne: Ihnen ein erfolgreiches Jahr. Was Erfolg für Sie ist, definieren Sie. Ich helfe Ihnen nur dabei, diesen mit Kommunikationsraketen möglichst sicher zu erreichen.

Jörg Kremer ist Werber, Neuromarketer und Entwickler des Neuromarketingskonzepts biology first. Er startete früh mit einer Agentur für Corporate Design, entwickelte sich konsequent zum Corporate Advertiser, für den schon in den frühen Anfängen das Internet fest zur Kommunikation dazugehörte. Das alles bündelte er in einer Full Service Agentur. Zur Jahrtausendwende widmete sich Kremer dem neu entstehende Wissen in der Hirnforschung und der Evolutionspsychologie und entwickelte das Neuromarketingkonzept biology first. Heute gilt er unter dem Label Kremer und Konsorten als Spezialist für Neuromarketing, als Storyteller und Brander mit einzigartig umfangreichem Umsetzungswissen in vielen Branchen und nahezu jeder Anwendungssituation. Kremer hat vier Kinder und lebt heute im Ruhrgebiet.

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