Der Höhepunkt der Demokratie sind Wahlen. Demnach feiern wir diesen Monat das Hochamt der Demokratie – die Bundestagswahl. Als Bürger ist das schon aufregend genug. Die wahre Aufregung erfährt aber der, der sich professionell mit Kommunikation beschäftigt. Denkt man. Hofft man inständig. Und dann ereilt einen die Realität. Ereilen ist allerdings das falsche Wort. Man wird von der politischen Realität angeschlichen.

Wie immer wundert man sich als Werber, warum gerade da, wo es um Themen geht, um Inhalte, diese in Massen da sind, die Kommunikation sich im Themenlosen verliert. Alle reden von der klaren Kante, meiden diese aber, als wäre die Kante eine Klinge, an der man sich politisch zu sehr verletzen könnte.

Und dann beginnt die heiße Phase des Wahlkampfes und es gibt eine große Überraschung. Die FDP. Besser gesagt, die Christian Lindner Partei (CLP). Herr Westerwelle hat keine Chance ausgelassen, die FDP unfassbar schlecht finden zu können. Er hat mich persönlich dazu gezwungen, die FDP gar nicht mehr wahrnehmen zu wollen. Am Ende war es dann so, dass man sie auch nicht mehr wahrnehmen konnte. Was für ein Glück.

Christian Lindner und die Agentur Heimat überraschen mit wirklich guter Kommunikation. Zeitgemäß in Form und Inhalt und jenseits der Plattitüden und Populismen, mit denen andere meinen, Wähler faszinieren oder verängstigen zu können, um damit dann zu faszinieren.

Jede andere Partei hätte gesagt, „Wir denken neu“. Die neue FDP, also die Christian Lindner Partei (CLP) sagt „Denken wir neu.“ Ein gigantischer Unterschied, weil nicht der Selbstbezug im Fokus steht, sondern das, was es zu tun gibt – denken. Okay, das macht man dann zusammen, weil das auch viel besser zu einer Demokratie passt. Dazu die Themen der CLP und man möchte Christian Lindner die Freundschaft, das Du und die älteste Tochter anbieten. Sinnbildlich gesprochen.

Die CLP gibt vor das Leben zu kennen, es auch zu leben und zu wissen, was heute wirklich wichtige Themen sind. Bildung zum Beispiel. Bildung, die wir der ganzen Menschheit raten, damit sie überleben kann, sie selbst aber vernachlässigen. Freiheit ist auch ein CLP Thema, die allerdings auch nur sinnvoll genutzt wird, wenn ausreichend Bildung die Gesellschaft durchdrungen hat. Digitalisierung! Ein Unwort bei allen Parteien. Nur bei der CLP nicht. Um nur ein paar Themen zu nennen. Und das Dreisteste der CLP alias FDP ist, dass es zu diesen Themen auch verhältnismäßig lange Texte gibt und Bilder, die diese Texte auf den Punkt emotionalisieren. Keine andere Partei mutet den Wählern auf den großen Plakaten derartige Textmengen zu. Besser kann man das Thema Bildung gar nicht kommunizieren, als es die CLP damit macht.

Nein, ich bin kein FDP-Fan. Ich bin auch kein Influencer, der für diesen Text bezahlt wird. Ich bin zur Zeit ein CLP-Fan. Ob er daraus einen FDP-Fan machen kann, wird sich zeigen. Nach der Wahl. Denkt er wirklich neu? Können die anderen hinter ihm denken? Können sie neu denken? Handeln sie entsprechend? Nach der Wahl ist vor der Wahl. Ich werde aufmerksam sein.

Es hat sich aber gezeigt, was Werbung kann, wenn man Werbern Raum gibt. Wenn Werber Raum beanspruchen, um gute Werbung machen zu können. Aus einer absoluten Zumutung kann eine Option werden. Und mehr als das. Ein Gefühl kann entstehen und das trägt sogar die FDP hinter der CLP.

Das Gefühl entsteht aus vielen kleinen Gefühlen, den kleinen Geschichten, die Lindners Werbung erzählt, die sich dann bei jedem zu einem großen Gefühl entwickeln können. Individuell gewichtet. Individuell wirksam, weil man sich mit seinem selbst komponierten Gefühl natürlich viel besser identifizieren kann. Viel besser so, als immer nur große Gefühle zu kommunizieren, die, weil sie alle irgendwie erreichen sollen, nicht über eine diffuse Wirkung hinaus kommen.

Lindner wird als Selbstdarsteller angegriffen. Und zu Recht. Er hat gerade nur sich selbst. Doch vergleicht man seine Kampagne mit denen anderer Parteien, ist seine Abbildung fast immer kleiner, als die der Wettbewerber. Zu Gunsten von Text, von Inhalten und zu Gunsten einer Geschichte, in der Lindner agiert.

Ich höre mich innerlich bitten, dass er nicht dort stehen bleibt, wo er sich jetzt hinkommuniziert hat. Und ich hoffe, dass er die FDP in die CLP hineinentwickeln kann. Ich habe die Wahl. Ich werde Ihm eine Chance geben. Als Bürger und Werber.

 

 

Jörg Kremer ist Werber, Neuromarketer und Entwickler des Neuromarketingskonzepts biology first. Er startete früh mit einer Agentur für Corporate Design, entwickelte sich konsequent zum Corporate Advertiser, für den schon in den frühen Anfängen das Internet fest zur Kommunikation dazugehörte. Das alles bündelte er in einer Full Service Agentur. Zur Jahrtausendwende widmete sich Kremer dem neu entstehende Wissen in der Hirnforschung und der Evolutionspsychologie und entwickelte das Neuromarketingkonzept biology first. Heute gilt er unter dem Label Kremer und Konsorten als Spezialist für Neuromarketing mit einzigartig umfangreichem Umsetzungswissen in vielen Branchen und nahezu jeder Anwendungssituation. Kremer hat vier Kinder und lebt heute mit seiner Verlobten Carmen Bußmann im Ruhrgebiet.

2 Comment on “Wir haben die Wahl!


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