Archiv für das Tag 'Verlage'

Die Konsorten-Klassiktage der Kommunikation

Jörg Kremer am 3. März 2010

Sie möchten auch mal wieder über Werbung nachdenken, die man zerknüllen oder einrahmen kann? Holzmedien ist für Sie kein Schimpfwort! Sie möchten über Kommunikation reden, die sie mit den Händen berühren können? Sie haben mal wieder Lust auf gute, alte Radio- oder TV-Werbung? Sie möchten analog sein? Sie haben Lust auf Live-Kommunikation, bei der man Kunden und Freunde anfassen kann?

Dann sind Sie hier richtig.

Vom 8. bis zum 12. März finden die Konsorten-Klassiktage der Kommunikation bei Kremer und Konsorten statt.

Es wird über die gute, “alte” Kommunikation nachgedacht. Wir werden darüber sinnieren, was sich in der analogen Kommunikation geändert hat und ändern muss – in den digitalen Zeiten. Ja, ganz ausklammern können wir die digitale Welt nicht. Wir werden uns an dieser reiben. Wir gehen der Frage nach, ob es auch einen Gegentrend zur Digitalisierung geben kann und wird.

Parallel hierzu findet eine Diskussion bei uns auf facebook statt. Hierzu laden wir Sie herzlich ein.

Während der Klassiktage beantwortet Jörg Kremer Ihre anonym gestellten Fragen rund um die aufkommenden Thema auch bei formspring.me.

Es wird Klasse!

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“Klickhure” – ein Satyrspiel

Jörg Kremer am 22. Februar 2010

Jede Klickhure ist ein Rausch für die Sinne. Jede Synapse in den willigen Hirnregionen berührt sie mit den wissenden, gepflegten Händen einer Professionellen, lässt die Berührung hungrig und apokalyptisch erscheinen. Jetzt oder nie! Jetzt!

Sie lesen Klickhure und denken an Pornographie im Internet! Das enttäuscht. Enttäuscht? Denken Sie bei Hurenkindern auch an Pornographie? Hurenkinder sind lediglich ein schwerer handwerklicher Fehler eines Typographen. Sie sind ein Versehen. Klickhuren sind purste und niederträchtigste Absicht. Sie denken, Sie kennen keine Klickhure, weil Sie sich in solchen Milieus nicht rumtreiben? In dieses Milieu muss man nicht gehen, es kommt zu Ihnen. Ständig. Sie sind umgeben von Klickhuren und Sie sind deren Liebling.

Klickhuren haben die Gabe, immer genau das zur Schau zu stellen, wonach Ihnen der Sinn und die Sinne stehen. Die richtige Farbe, die perfekten Formen, sie haben den richtigen Spruch, um Sie selbst im eiligen Vorbeifliegen zu fangen. Honigsüß an der Oberfläche, kleben ihre Vorbeifliegflügel daran fest. Fest!

Die Klickhuren haben nichts drunter. Man merkt das nicht bei der ersten Berührung, erst wenn der Kontakt intensiver wird. Sie ahnen es, dann ist es ein Fühlen, man meint es sogar riechen zu können. Und der Duft hat etwas Sirenenhaftes, das Sie leicht aus den Tauen des Willens reißt, Sie der Hingabe haltlos auszuliefern.

Manchmal lauern Klickhuren bei Ihren Freunden, biedern sich an, geben sich klebrig freundschaftlich. Oder sie räkeln sich direkt vor Ihnen auf dem Schreibtisch, wirken willig und zeigen Ihnen alles. Sie kaufen ein, denken Jacke und sehen eine Klickhure. Sie suchen und eine Klickhure haucht: “Gefunden!”

Wir widerstehen. Ein um das andere Mal. Wir wiederstehen.

Doch dann steht sie vor uns. Die einzig wahre, die ultimative, größter Traum und dessen mögliche Erfüllung genau in diesem Augenblick. Und wir wissen, Sie hat nichts drunter.

Klick!

Die Überschrift erregt uns noch, das Intro hält uns noch, der Text ernüchtert. Aus dem Hintergrund lächelt uns ihr Zuhälter an und spielt mit der rechten Hand geschickt mit dem Kleingeld in seiner Nadelstreifenhose. Kleingeld, das sie gerade für ihn verdient hat. Er hat tausende von diesen Klickhuren an den Bordsteinen des Internets stehen. Sirenen auf der Odyssee durch die Webmeere.

Ich möchte diese kleinen, billigen Dinger dennoch nicht missen. Für den klitzekleinen Moment des Klicks sind sie digitales Rauschgift, Illusion, Hoffnung und Phantasie zugleich. Man darf sich nur nicht hingeben. Man muss sie direkt fallen lassen. Kein Herz, keine Zeit, keine Gedanken. Es gibt genügend von diesen kleinen, billigen Dingern.

Jetzt sind wir wie Satyre halb menschlich, halb tierisch, durch den Wald geirrt, haben Versuchungen und Proben bestanden und am Ende zu einem dionysischen Moment zurück gefunden. Ein Satyrspiel.

Die Trilogie, der dieses Satyrspiel folgt, finden Sie hier. Aber Achtung, die hat etwas drunter. Was auch verführerisch sein kann.

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Teil drei der Trilogie “Kommunikationsphantasie in drei Sätzen”

Jörg Kremer am 8. Februar 2010

Sie haben Teil eins und zwei der Trilogie verpasst? Kein Problem. Lesen Sie hier Teil eins!

Technisch getriebene, menschliche Hochgeschwindigkeitsevolution wird die Langsamen zu Rückwärtsläufern machen!

Reichte es den Marken früher, Träume zu inszenieren, werden es in Zukunft immer öfter Räume sein, die Marken für Menschen errichten müssen, um ihnen das Andocken an die Marke zu ermöglichen, mit der die Menschen nur noch mobil kommunizieren.

Was wir heute als Monolabelstores schon haben, wird in der Zukunft nicht mehr ausreichen. Markenräume werden das zweite Zuhause werden. Und die Marken werden dem archaisch reagierenden, mobilen Menschen überall intelligente Zückerchen auslegen, damit seine Wege die richtige Richtung nehmen.

Wie diese Markenräume aussehen werden, definieren die Menschen in ihren sozialen Gruppen. Die Kunst der Marken wird es sein, das richtige Thema für die Räume zu finden, damit überhaupt jemand kommt und die Wünsche der Menschen um Markenbotschaften anzureichern, um immer wieder zu überraschen.

Mobil werden Versprechen gegeben, die im direkten Kontakt der Marke übertroffen werden müssen. Dieses Erlebnis muss so einzigartig sein, dass man die Produkte der Marken kauft, bis man sich den nächsten Aufenthalt in einem Markenraum leisten kann. Produkte werden zu Devotionalien, die neben einer spirituellen (nicht religiösen) Dimension, die möglichst kreativ inspirierend sein sollte, auch eine körperliche Dimension haben müssen, indem sie Gesundheit erzeugen oder diese zur Schau stellen, bis hin zur Gesundheitssimulation.

Wie findet die Kommunikation rund um diese Markenräume und Wohnwelten der Menschen statt? Am Menschen. Für den Menschen. Mit dem Menschen.

Mit immer mehr verfügbarer Information, war es schon vor Jahren klar, dass die das Internet, damit die Kommunikation und somit die Wirtschaft der Zukunft dominieren werden, die Information leicht und mobil zugänglich und beherrschbar machen.

Es entstehen virtuelle Markenräume, die den Menschen zuhause aufnehmen und durch die Markenräume begleiten, sie lenken und orientieren, um sie wieder sicher und glücklich zuhause abzusetzen. So kann der Mensch sich auf das Leben und erleben konzentrieren, kann sich hingeben, ohne alles andere zu vergessen und den Versuchungen und Notwendigkeiten einer sehr mobilen Welt in jeder Sekunde gerecht werden.

Genau in dieser Sekunde, historisch gesehen, kommt das iPad.

Man hat mit der nächsten Generation iPad, leider muss auch Apple seine Investitionen mit Gerätegenerationen refinanzieren, nur noch ein Gadget, das den Menschen komplett mit allen Informationen, allen Freunden und auch Geschäftspartnern vernetzt, über den Tag begleitet. Der Mensch muss noch nicht mal mehr wissen, wie man einen Computer aus oder einschaltet – das ist nur noch ein Streicheln. Der Mensch muss keine Informationen mehr suchen und vernetzen, das machen die Apps. Der Mensch hat nur noch einen Wunsch, eine Anforderung und eine Adresse, bei der er alle Antworten, Lösungen und Erleichterungen findet.

Und die Marken finden die Menschen. Ebenfalls auf einem verlässlichen Standard, der es erlaubt, großzügig inszenieren zu können. Sound, Vibration, Film, Bild, Farbe, Form. Wort, Musik. Alles vom Menschen mit den Fingern berührbar, erstreichelbar, anfassbar.

Der Mensch wird den “Computer” nicht mehr als Maschine, sondern als Begleiter verstehen lernen. Der Computer wird nicht mehr komplexe Technik, sondern leichte Hilfe sein. Der Computer wird kein Computer mehr sein. Er ist das Vorkino zum Kino, er ist Kino selbst. Er wird Stereoanlage sein, wo sonst nie eine war. Er ist die Buchhandlung, wo nie Platz war für Bücher. So oder so! Er organisiert den Tag, stimmt diesen, wenn man möchte, mit Wetter, Strassenbedingungen, einer persönlichen Stimmung, oder mit den Terminen der Familie oder Freunde ab. Er bringt die Mensch hin oder weg. Er ist Museum, wo sonst nur Betonwände waren. Er wird das Denken und Handeln weiter verändern.

Und “er” ist das iPad. Das iPad an und für sich, oder ein Substitut dieses Meilensteines menschlicher Kurzzeitevolution.

In Seniorenheimen werden die ipads von alten Händen liebevoll in die Vergangenheit gestreichelt, um darin schwelgen zu können. In Kindergärten kitzeln kleine Händchen die große Welt vor große Kinderaugen. In Schulen fallen Lehrer aber keine Stunden aus, weil die von iPad-Lehrern zentral ersetzt werden. Man liest auf dem Sofa die Zeitung, die man lesen möchte und nicht die, die man gerade hat und zum 4. mal lesen muss. Leser werden über Bücher entscheiden, nicht Verlage. Produkte werden per iPad gekauft, die erst dann produziert werden. Markenräume warten, manchmal als Vereinsheime der Neuzeit verkleidet, manchmal ehrliches Vereinsheim, oft Traumwelten, öfter reale Räume, in denen Menschen Leben, Glück, Gesundheit und Kreativität suchen und finden, auf die menschen, wissen schon von Ihrem kommen, sind vorbereitet, besser als jeder Freund.

Das ist ja alles Zukunftsmusik. Genau. Und im Swiss Bordmagazin wird letzte Woche das Mobiltelefon in einer ganz normalen Uhr integriert, für 150 Euro angeboten. In Google Earth drehe ich das iPhone ins Querfromat, sehe in realen Bildern die Straßen und Häuser vor mir und wer oder was mich wo in seinen Markenräumen erwartet. Alles Zukunftsmusik, wenn in 18 Monaten 3 Milliarden Apps geladen werden, Tendenz deutlich steigend. Alles Zukunftsmusik ohne jeden Realitätsbezug. Medien, vornehmlich die Holzmedien, warten auf das iPad wie auf den Messias. Es soll einer ganzen Branche beim Überleben helfen. Alles Zukunftsmusik. Werbung wird im iPad beginnen und enden, zwischendurch nur noch noch Markenräume schmücken. Alles Zukunftsmusik.

Sie können sich das nicht vorstellen? So ist das mit wirklich neuen Dingen. Man kann sie sich nicht gut vorstellen. Sie brauchen das auch nicht! Wie wollen Sie das wissen, wenn Sie es sich nicht vorstellen können. Dafür haben Sie ja uns. Die Konsorten. Ihre Konsorten.

Lassen Sie das Thema mit reichlich Pathos in Ihrer Erinnerung an diesen Text überleben. Mit dem dritten Satz zur Kommunikationsphantasie:

Technisch getriebene, menschliche Hochgeschwindigkeitsevolution wird die Langsamen zu Rückwärtsläufern machen!

Hier geht es zu den Teilen eins und zwei der Trilogie:

-> Teil 1

-> Teil 2

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Trend: Gegentrend

Jörg Kremer am 7. Februar 2010

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Medien sind in der Regel extrem neugierig und messen sich zu Tode, um zu erfahren, wer sie nutzt. Nicht aus eigenem Antrieb. Die Werbewirtschaft will bedient werden. Die Holzmedien standen, um den digitalen Medien Datenparoli bieten zu können, unter ganz besonderem Datendruck.

Es war naheliegend, dass ein Holzmedium auf die Idee kommen könnte, mit einer offen vorgetragenen Gegenhaltung punkten zu wollen. faces hat dies nun getan. Inmitten von Datendebatten und Datennutzungkriegen sagt faces, sie seien das erste Magazin, dem es egal sei, wer seine Leser sind und was diese machen. Solange sie Klasse haben.

Dass das Model politisch unkorrekt raucht, macht das Cover zur perfekten Inszenierung urbaner Revolution. Man kann nur hoffen, dass faces diese Haltung konsequent durchzieht. Dann wäre faces ein gutes Beispiel für den Gegentrend zum Digitalisierungstrend, den wir in Teil zwei der Trilogie “Kommunikationsphantasie in drei Sätzen” formuliert haben.

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“Wir sind nicht Brigitte”

Jörg Kremer am 5. Januar 2010

Die Brigitte, unser aller Lieblingsbrigitte, die Mutter aller Diäten in der Midlife-Krise, hatte angekündigt, ab 2010 ohne Profimodells zu arbeiten. Macht sie jetzt auch. Toll. Volker Schlöndorff wurde als Regisseur der TV-Spots angekündigt, die die neue Brigitte in die weibliche Welt tragen sollen. Meine Erwartungshaltung war bei diesem grandiosen Thema und einem Oscar-Preisträger in der filmischen Verantwortung, der große Bilder beherrscht, riesig. Das Ergebnis ernüchtert sehr. Das Thema “Ich bin Brigitte” ist so einfach wie es gut ist. Die Bilder dazu einfach schlecht. Machen Sie sich selbst ein Bild und wenn Ihnen bessere Bilder dazu einfallen, zeigen Sie uns diese.

In der neuen “unprofessionellen” Brigitte findet man redaktionell wirklich keine Profi-Modells. Aber fast alle könnten eines sein. Die angekündigte Revolution bleibt im Ergebnis aus. Auch sehr schade. Wir wünschen dennoch alles Gute.

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