Archiv für das Tag 'Markenwerte'

Die Konsorten-Klassiktage der Kommunikation

Jörg Kremer am 3. März 2010

Sie möchten auch mal wieder über Werbung nachdenken, die man zerknüllen oder einrahmen kann? Holzmedien ist für Sie kein Schimpfwort! Sie möchten über Kommunikation reden, die sie mit den Händen berühren können? Sie haben mal wieder Lust auf gute, alte Radio- oder TV-Werbung? Sie möchten analog sein? Sie haben Lust auf Live-Kommunikation, bei der man Kunden und Freunde anfassen kann?

Dann sind Sie hier richtig.

Vom 8. bis zum 12. März finden die Konsorten-Klassiktage der Kommunikation bei Kremer und Konsorten statt.

Es wird über die gute, “alte” Kommunikation nachgedacht. Wir werden darüber sinnieren, was sich in der analogen Kommunikation geändert hat und ändern muss – in den digitalen Zeiten. Ja, ganz ausklammern können wir die digitale Welt nicht. Wir werden uns an dieser reiben. Wir gehen der Frage nach, ob es auch einen Gegentrend zur Digitalisierung geben kann und wird.

Parallel hierzu findet eine Diskussion bei uns auf facebook statt. Hierzu laden wir Sie herzlich ein.

Während der Klassiktage beantwortet Jörg Kremer Ihre anonym gestellten Fragen rund um die aufkommenden Thema auch bei formspring.me.

Es wird Klasse!

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Wenn Datenspeicher für die Kunden kämpfen: Verbatim inszeniert die Marke neu!

Jörg Kremer am 18. Februar 2010

Eine eher langweilige Marke hat sich der Kreativität besonnen und eine Produktinszenierung geschaffen, die der großen Zielgruppe der Gamer starke Produkte als Eindruck hinterlassen, die sich für den Nutzer einsetzen. Großes Kompliment an die Macher.

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Seid dumm. Wenn Ihr schlau seid.

Jörg Kremer am 17. Februar 2010

copla

Dieser Bläser blies nicht nur uns auf die Speicherkarte, sondern auch schon in Wikipedias Datenbanken. Hätten wir ihn nicht schon gekannt, hätten wir ihn echt süß gefunden, wie er den katalanischen Tänzern allsonntäglich zum Reigen bläst.

Reist man heute nach Barcelona, kennt man neben der Ankunftszeit auch schon das Ankunftswetter, den Abfahrtsort des Transferbusses, dessen exakte Fahrtzeit, die Uniform der Busgesellschaft, die Rezeption des Hotels, das eigene Zimmer, das Zimmer, das man leider nicht mehr bekommen hat und alle, die man nie hätte buchen wollen, jeden Service, sei er noch so schlecht und man hat alle wichtigen Bilder der it-Places schon gesehen. Aus den Augen der Profis und von den Speicherkarten unzähliger Pixelexibitionisten.

Man fährt eigentlich nur noch nach Barcelona, um den Körpergeruch des Busfahrers und das schlechte Englisch des Rezeptionisten und die extrem hohen Eintrittsgelder schmerzhaft selbst und direkt spüren zu können. Das Wissen, auf das wir so stolz sind, nimmt uns sämtliche Vorfreude und auch die Hoffnung, etwas Neuem zu begegnen. Hätte man nicht so viel vorher gewusst, wären die wirklich wichtigen Dinge überraschender und eben wichtiger geworden und der Geruch eines arbeitenden Busfahrers ins Unwichtige abgerutscht. Zu Recht!

Dann der Gang über die Rambla, auf der man 50% der Strassenkünstler und die Musiker der Cobla Popular schon zu 100% kennt, die zur Santana auf dem Platz vor der Kathedrale La Seu aufspielen. Jetzt zur Passeig de Gràcia, einem Aufmarsch internationaler Markendomizile, die davon leben, dass wir viel von ihnen wissen, daraus Ihre Anziehungskraft und die hohen Preise ableiten. Man geht hinein, um sich das Wissen bestätigen zu lassen.

Kurz bevor man die Hoffnung auf Überraschung völlig aufgibt, die Überraschung durch ausbleibende Hoffnung völlig unter Wissen verschüttet, kommt ein üblicher Hoffnungsterstörer, ein Marke, und schlägt einem die ganze Erbärmlichkeit unseres Wissenwollens ins Gesicht.

Be stupid. Sei dumm. Punkt.

Kurz irritiert, liest man direkt daneben “SMART CRITIQUES. STUPID CREATES” und “SMART LISTENS TO THE HEAD STUPID LISTENS TO THE HEART.” Man möchte gerade seine Scherze darüber machen, wird dann aber schnell an wesentliche Fehlinterpretationen seines Lebens erinnert. Erwähnt sei hier nur, die Konfirmationsausgabe von “Seelig sind, die da geistlich arm sind, denn das Himmelreich ist ihr.” Pubertär hieß das, die Dummen kommen in den Himmel. Später klärte sich dies auf. (Wobei die offizielle Interpretation, das man sich auf das Himmelreich freuen kann, wenn man erkennt, daß man auf die Gnade Gottes angewiesen ist und Vergebung von Gott annimmt, sich dann doch wieder auf “dumm” reduzieren ließe.) Was heißt denn “Be stupid.”, wenn es auf einer Prachtstraße an einer Markenburg klebt?

Ist es die entwaffnende Ehrlichkeit, die fasziniert? Denk nicht nach, höre auf Dein Herz, vergiss Dein Wissen das Dich nörgeln macht und lass dich gehen. Jetzt und hier! Es ist genau das, aber auch noch viel mehr. Es ist das Versprechen, dass man dann auf der kreativen, emotionalen Seite des Lebens mitgestalten und mitfühlen wird. Und das ist die Seite, die man uns in allen anderen Markentempeln verklausuliert irgendwann mal in Aussicht stellt. Was aber immer mit einem Prozess verbunden ist, der an unsere Intelligenz und Mitarbeit appelliert, immer Engagement impliziert. Tu dies, dann geschieht das. Denk dies, dann erfüllt sich das. Mach was, tu was, jetzt! Kauf uns jetzt, sonst kommst Du nicht in Deinen Wunschhimmel und musst weiter hier Deine Kohle ausgeben.

Diesel kommt nicht mit der Attitüde eines alten Vertrauten, der jovial auf die Schulter klopft, sie treten einem auch nicht als allwissende Übermarke entgegen, sie bemühen sich auch nicht als Wunscherfüller, Lebens- und Weltverbesserer, Diesel ist dumm normal und dadurch einfach super.

Was kan  man daraus lernen? Für das Tagesgeschäft.

1. Man muss nicht der beste der Stadt sein, nicht der Beste der Welt. Es reicht, der beste in der Straße zu sein.

2. Man darf die Markenversprechen nicht zu sehr inflationieren lassen, sonst wird man bei aller gewünschten Emotionalität und Intimität am Ende doch zu intellektuell.

3. Trends zu kennen und zu beherrschen, heißt auch, sie bewusst ausser Acht lassen zu können.

4. Man muss wissen, wann ein Trend so weit ist, dass man ein klares Gegenstatement formulieren kann und dies so wahrgenommen wird.

Jetzt kommt stereotyp der Einwand, dass dieses Denken und Handeln ja nur etwas für die großen Marken ist. Ein entschiedenes nein. Die sind nur selbstbewusst genug, es zu tun und wissen, dass man es konsequent tun muss.

“Bitte seien Sie doch mal weniger intelligent und kaufen Sie bei uns!” So sieht das in der Umsetzung aus, wenn man nicht genug Cojones hat und das Wort Konsequenz im Bücherregal im Wörterbuch bei K ruht.

Sie vermissen jetzt viele Marketinganglizismen, die bei solchen Themen sonst zum Familientreffen rufen. Wir wollten es mal einfach halten, damit Sie es sich mal leisten können, dumm zu sein.

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Sei dumm!

Jörg Kremer am 16. Februar 2010

Smart critiques.

Stupid creates.

Smart listens to the head.

Stupid listens to the heart.

Be stupid.

Diese Schaufenstergestaltung gönnt sich Diesel in Barcelona. Ist das Marken-Selbstmord oder der letzte Sprung auf das Siegertreppchen im Ringen um die Aufmerksamkeit der Kunden auf der Prachtstraße Passeig de Gràcia? Ist es platte Effekthascherei oder ein von Strategie durchtränktes Beispiel hoher Marketingkunst – oder doch Marketingintelligenz? Oder ist es nur so dumm, wie wir alle dumm sein sollen? Oder was…?

Morgen erfahren Sie hier mehr dazu!
diesel

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Teil drei der Trilogie “Kommunikationsphantasie in drei Sätzen”

Jörg Kremer am 8. Februar 2010

Sie haben Teil eins und zwei der Trilogie verpasst? Kein Problem. Lesen Sie hier Teil eins!

Technisch getriebene, menschliche Hochgeschwindigkeitsevolution wird die Langsamen zu Rückwärtsläufern machen!

Reichte es den Marken früher, Träume zu inszenieren, werden es in Zukunft immer öfter Räume sein, die Marken für Menschen errichten müssen, um ihnen das Andocken an die Marke zu ermöglichen, mit der die Menschen nur noch mobil kommunizieren.

Was wir heute als Monolabelstores schon haben, wird in der Zukunft nicht mehr ausreichen. Markenräume werden das zweite Zuhause werden. Und die Marken werden dem archaisch reagierenden, mobilen Menschen überall intelligente Zückerchen auslegen, damit seine Wege die richtige Richtung nehmen.

Wie diese Markenräume aussehen werden, definieren die Menschen in ihren sozialen Gruppen. Die Kunst der Marken wird es sein, das richtige Thema für die Räume zu finden, damit überhaupt jemand kommt und die Wünsche der Menschen um Markenbotschaften anzureichern, um immer wieder zu überraschen.

Mobil werden Versprechen gegeben, die im direkten Kontakt der Marke übertroffen werden müssen. Dieses Erlebnis muss so einzigartig sein, dass man die Produkte der Marken kauft, bis man sich den nächsten Aufenthalt in einem Markenraum leisten kann. Produkte werden zu Devotionalien, die neben einer spirituellen (nicht religiösen) Dimension, die möglichst kreativ inspirierend sein sollte, auch eine körperliche Dimension haben müssen, indem sie Gesundheit erzeugen oder diese zur Schau stellen, bis hin zur Gesundheitssimulation.

Wie findet die Kommunikation rund um diese Markenräume und Wohnwelten der Menschen statt? Am Menschen. Für den Menschen. Mit dem Menschen.

Mit immer mehr verfügbarer Information, war es schon vor Jahren klar, dass die das Internet, damit die Kommunikation und somit die Wirtschaft der Zukunft dominieren werden, die Information leicht und mobil zugänglich und beherrschbar machen.

Es entstehen virtuelle Markenräume, die den Menschen zuhause aufnehmen und durch die Markenräume begleiten, sie lenken und orientieren, um sie wieder sicher und glücklich zuhause abzusetzen. So kann der Mensch sich auf das Leben und erleben konzentrieren, kann sich hingeben, ohne alles andere zu vergessen und den Versuchungen und Notwendigkeiten einer sehr mobilen Welt in jeder Sekunde gerecht werden.

Genau in dieser Sekunde, historisch gesehen, kommt das iPad.

Man hat mit der nächsten Generation iPad, leider muss auch Apple seine Investitionen mit Gerätegenerationen refinanzieren, nur noch ein Gadget, das den Menschen komplett mit allen Informationen, allen Freunden und auch Geschäftspartnern vernetzt, über den Tag begleitet. Der Mensch muss noch nicht mal mehr wissen, wie man einen Computer aus oder einschaltet – das ist nur noch ein Streicheln. Der Mensch muss keine Informationen mehr suchen und vernetzen, das machen die Apps. Der Mensch hat nur noch einen Wunsch, eine Anforderung und eine Adresse, bei der er alle Antworten, Lösungen und Erleichterungen findet.

Und die Marken finden die Menschen. Ebenfalls auf einem verlässlichen Standard, der es erlaubt, großzügig inszenieren zu können. Sound, Vibration, Film, Bild, Farbe, Form. Wort, Musik. Alles vom Menschen mit den Fingern berührbar, erstreichelbar, anfassbar.

Der Mensch wird den “Computer” nicht mehr als Maschine, sondern als Begleiter verstehen lernen. Der Computer wird nicht mehr komplexe Technik, sondern leichte Hilfe sein. Der Computer wird kein Computer mehr sein. Er ist das Vorkino zum Kino, er ist Kino selbst. Er wird Stereoanlage sein, wo sonst nie eine war. Er ist die Buchhandlung, wo nie Platz war für Bücher. So oder so! Er organisiert den Tag, stimmt diesen, wenn man möchte, mit Wetter, Strassenbedingungen, einer persönlichen Stimmung, oder mit den Terminen der Familie oder Freunde ab. Er bringt die Mensch hin oder weg. Er ist Museum, wo sonst nur Betonwände waren. Er wird das Denken und Handeln weiter verändern.

Und “er” ist das iPad. Das iPad an und für sich, oder ein Substitut dieses Meilensteines menschlicher Kurzzeitevolution.

In Seniorenheimen werden die ipads von alten Händen liebevoll in die Vergangenheit gestreichelt, um darin schwelgen zu können. In Kindergärten kitzeln kleine Händchen die große Welt vor große Kinderaugen. In Schulen fallen Lehrer aber keine Stunden aus, weil die von iPad-Lehrern zentral ersetzt werden. Man liest auf dem Sofa die Zeitung, die man lesen möchte und nicht die, die man gerade hat und zum 4. mal lesen muss. Leser werden über Bücher entscheiden, nicht Verlage. Produkte werden per iPad gekauft, die erst dann produziert werden. Markenräume warten, manchmal als Vereinsheime der Neuzeit verkleidet, manchmal ehrliches Vereinsheim, oft Traumwelten, öfter reale Räume, in denen Menschen Leben, Glück, Gesundheit und Kreativität suchen und finden, auf die menschen, wissen schon von Ihrem kommen, sind vorbereitet, besser als jeder Freund.

Das ist ja alles Zukunftsmusik. Genau. Und im Swiss Bordmagazin wird letzte Woche das Mobiltelefon in einer ganz normalen Uhr integriert, für 150 Euro angeboten. In Google Earth drehe ich das iPhone ins Querfromat, sehe in realen Bildern die Straßen und Häuser vor mir und wer oder was mich wo in seinen Markenräumen erwartet. Alles Zukunftsmusik, wenn in 18 Monaten 3 Milliarden Apps geladen werden, Tendenz deutlich steigend. Alles Zukunftsmusik ohne jeden Realitätsbezug. Medien, vornehmlich die Holzmedien, warten auf das iPad wie auf den Messias. Es soll einer ganzen Branche beim Überleben helfen. Alles Zukunftsmusik. Werbung wird im iPad beginnen und enden, zwischendurch nur noch noch Markenräume schmücken. Alles Zukunftsmusik.

Sie können sich das nicht vorstellen? So ist das mit wirklich neuen Dingen. Man kann sie sich nicht gut vorstellen. Sie brauchen das auch nicht! Wie wollen Sie das wissen, wenn Sie es sich nicht vorstellen können. Dafür haben Sie ja uns. Die Konsorten. Ihre Konsorten.

Lassen Sie das Thema mit reichlich Pathos in Ihrer Erinnerung an diesen Text überleben. Mit dem dritten Satz zur Kommunikationsphantasie:

Technisch getriebene, menschliche Hochgeschwindigkeitsevolution wird die Langsamen zu Rückwärtsläufern machen!

Hier geht es zu den Teilen eins und zwei der Trilogie:

-> Teil 1

-> Teil 2

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