Drei Tage freies Sinnieren über Klassisches. Klassische Werbung und Werbeklassiker, das Zusammen und Gegeneinander mit dem Digitalen und der Frageklassiker “wohin”, die Gründe und die Folgen. Wir Konsorten erheben dabei nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und Absolutheit. Wir wollen zum Nach- und Vordenken anregen, Originäres und Inspirierendes schaffen und mit Ihnen teilen. Um was zu erreichen? Konsorten im Denken und im Handeln zu suchen und zu finden. Das können Menschen und Unternehmen sein, mit denen oder für die wir arbeiten. Köpfe, Seelen und Herzen, mit denen wir uns stetig weiterentwickeln.
Laptop auf den Schoß (bald ist ja das iPad da), gemütlich auf Sofa oder Bett gesetzt, dazu ein wohliges Getränk und viel Spaß beim Lesen. Aber zuerst noch die Hymne.
Über facebook, xing und twitter hatten wir um Statements zu den “Konsorten-Klassiktagen der Kommunikation” gebeten. Ein paar davon möchten wir hier nutzen, um die Konsorten-Klassiktage anzumoderieren. Nach Ines Arntz, Markus Walter und Claudia Boss ist es heute Thomas Chiari, der uns ansouffliert.
“Der mit Einkaufstaschen beladene Konsument aus der guten alten Zeit, der sich noch vortrefflich in alte Zielgruppenmodelle sektionieren ließ und sich dabei nur zu gern schubladenkonform verhielt, ist ausgestorben. Sehr zum Leidwesen des klassischen Werbers. Zu Grabe getragen von der neuen Generation der google-bewaffneten User, dem Albtraum eines jeden klassischen Werbers alter Denkweise. Bestens informiert dank weltweiter Communities und Social Networks ist der Neuzeit-Consumer immer auf der Suche nach dem »Schnäppchen« in volkswirtschaftsvernichtender »Geiz-ist-geil«-Manie. Der dabei provozierte, gesellschaftliche Aufschrei nach Wiederentdeckung alter Werte bleibt nicht ungehört. Die klassischen Medien werden gezwungen, umzudenken. Aus Abgrenzung wird Integration, aus einbahnstraßenartiger Kommunikation wird Dialog. Markendenke ist out, Consumer Insight ist die neue Zauberformel für den Erfolg einer Marke. Der geradezu manische Individualisierungswunsch aller findet sein Heil in kundenspezifischen Produkten. Jeder will anders sein und doch sind alle gleich.”
Eigentlich könnte man hier den Artikel enden lassen. Danke für die Aufmerksamkeit. Gute Nacht.
Das war Flachs (Früher war das mal Spaß, bei Etro machen die aus Flachs heute Schals und sich dann daraus den Spaß, 160 Euro dafür zu nehmen. Heute ist Flachs ein teurer Spaß.). Es geht hier natürlich weiter. Thomas Chiari hat die Entwicklung mit wenigen Worten treffend zusammengefasst. Wir lieben es ja, komplexe Zusammenhänge mit einfachen Bildern zu illustrieren. Vergleichen wir Werbung doch mal mit dem, was an einer Schießbude passiert. Ganz früher konnten die Werbetreibenden sich in Ruhe eine Zielgruppe aussuchen, nennen wir sie mal “rote Rosen”, und auf diese Schießen. Die roten Rosen waren in einer bestimmten Reihe in einer festen Höhe. Da suchte man sich die angeschossenen Tonröhrchen aus und Peng!. Waren die angeschossenen abgeräumt, ging man auf die noch sicher im Tonröhrchen stehenden los. Und in der Reihe der roten Rosen traf man auch bei schlechter Motorik trotzdem noch eine rote Rose.
Etwas später am Abend der Schießbuden-Werbegeschichte schoss man auf bewegte Ziele. Nein, nicht frei bewegte Ziele. Die Ziele liefen auf einem Laufband mit geregelter Geschwindigkeit und in klaren Abständen vor dem schießwütigen Werbungtreibenden her. Es waren meist Säue oder Hasen. Die Ziele gaben sich komplizierter, waren es aber in Wirklichkeit nicht. Anfangs rannte man hinter den Zielen her und traf etwas seltener. Später hielt man die Waffe ruhig und schoss immer ganz kurz bevor das Ziel vor Kimme und Korn war, denn man kannte den Weg des Ziels genau. Schoss dann auch zuverlässig Treffer um Treffer. Alle gaben sich freier, wilder, dynamischer und waren es doch nicht.
Am frühen Morgen der Schießbuden-Werbegeschichte wollte man schießen, doch alle Schießbuden waren weg. Keine roten, weißen, gelben Rosen mehr, keine Tonröhrchen und keine Laufbänder mehr, auf der man die Säue abschießen konnte. Kein Perserteppich, auf den man sich stützen konnte, kein Katzenbaum, auf dem man seine Waffe auflegen konnte. Weder die Ziele waren mehr an einem Ort zusammen, noch die Schießenden hatten einen gemeinsamen Platz. Die Schießbuden waren digital und auf tausende Orte verteilt, in Bildschirmen gefangen. Ziele hielten nicht mehr still, ließen sich nicht mehr berechnen. Wenn man jetzt tausend Ziele treffen wollte, musste man in tausend digitalen Schießbuden, mit unterschiedlichsten Waffen feuern und wusste nie, wer sich dort als Ziel anbot. Die Verzweiflung war entsprechend groß. Die Schützen waren verzweifelt, weil kaum ein Schuss planbar traf und selbst die Ziele fanden es unschön, nicht mehr getroffen zu werden. Wurde man getroffen, konnte man sich als Ziel nicht mal sicher sein, ob man wirklich gemeint war und blieb oft achtlos liegen.
Menschen, Technik, Explosionen
Die zu dieser Zeit noch amtierenden Schützen erinnerten sich an die Westernfilme der Jugend, in denen diese Probleme ganz einfach gelöst wurden. Man versprach sich zu treffen, ein Pfeifchchen zusammen zu rauchen und während man so dasaß und plauderte, zog einer eine Knarre und schoss alle ab. Also lud man die Ziele ein, sich auf ein Pfeifchen zu treffen. Plaudern am Lagerfeuer. Alle sind etwas aufgeregt, wenn man sich trifft, doch dann quatscht man das gegenüber in Trance und wenn sich alle ganz lieb haben und ganz nah sind, bumm. Schüsse, Explosionen und man hat einen ganz hervorragenden Consumer Insight.
Herr Chiari, sind Sie mit der Schiesserei einverstanden? Wir könnten das am Lagerfeuer…
Das Lagerfeuer ist die Marke, sie ruft klasssisch zum Gespräch, führt das Gespräch am vereinbarten digitalen Ort und schließt dann unmittelbar und mittelbar ein Geschäft ab. Danach sagt die Marke ganz klassisch, wie groß und toll sie ist. Ruft sie dann wider zu einem Gespräch, finden sich mehr und mehr zusammen. Klassik ist nicht mehr DIE Kommunikation, sondern nur noch ein Teil DER Kommunikation. Wie groß der Teil in Zukunft sein wird, ist völlige Spekulation. Denn wir gehen heute immer vom Wissen und vom Verhalten der Gesellschaft per heute aus. Dann wird klasssische Werbung immer einen gerüttet Anteil an der Kommunikation haben. Verändert sich die Gesellschaft und damit die Paradigmen, kann klassische Werbung im jetzigen Sinn auch komplett aus dem Leben verschwinden.
Die Jüngsten unter Ihnen können uns das Ergebnis irgendwann mal auf die Wand des Zimmers im betreuten Wohnen twittern. Oder ist das auch schon wieder so eine beschränkte Vision von Baby Boomern?
Cut. Wenn zu Beginn des privaten Fernsehens RTL nicht genug Programm hatte, den Tag zu füllen, kam Salvatore zum Einsatz. Er wurde zum Kult. Für heute ist unser Programm auch zu Ende – pronto Salvatore…
