Archiv für das Tag 'Inspiration'

Sinnlicher Vertrieb: Immobilien kann man an Ohren verkaufen

Jörg Kremer am 18. März 2010

Jeder kennt die Leere, die Immobilien ausstrahlen, die noch nicht oder nicht mehr belebt sind. Sie wirken mitunter nicht wirklich sehr einladend. Füllen Sie die Immobilie mit den Geräuschen, die man mit der Immobilie emotional verbinden soll.

Lebensgeräusche in Wohnungen, Bürogeräusche in Büros. Das muss gar nicht explizit eine reale Situation darstellen, sondern kann sich auf ganz einfache, kulturell verankerte Geräusche reduzieren. Je reduzierter diese sind, desto breiter ist die Interpretationsmöglichkeit und um so eher findet sich der Interessent mit seiner persönlichen Assoziation wieder. Diese subtile Wirkung nicht expliziter Geräusche wurde von Neurowissenschaftlern nachgewiesen. (”Cultural messages that get into your nervous system are very common and make you behave certain ways,” so neuroscientist Read Montague of Baylor College of Medicin.)

Stellen Sie sich vor, sie gehen an einer Immobilie vorbei, die man mieten oder kaufen kann und hören die Geräusche, die man schon als Kind womöglich geliebt hat. Geräusche, die man sich wünscht, wenn man arbeitet. Weit weg von der Realität. Geräusche aus einem Idyll. Würden Sie diese Immobilie vergessen? Nein! Das Schild vor der Tür oder am Fenster hätten Sie schnell vergessen oder gar nicht erst gesehen.

Man kann eine Immobilie nicht alleine den Ohren verkaufen. Beachten Sie die Ohren beim Verkauf, haben Sie aber einen Sinn mehr, der sich an Sie und Ihre Produkte erinnert. Nahezu unauslöschbar.

Welche Sounds wann, wo und wie am besten eingesetzt werden können, wenn Sie Ihre Immobilienprojekte vermarkten, steht in unseren Neuro-Immobilienmarketing-Konzepten.

Was Sie damit erreiche können, hören Sie jetzt hier:

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Konsortenwort zum Montag: Mobil kann jeder, wir können auch immobil!

Jörg Kremer am 14. März 2010

Guten Montag!

Die letzte Woche begann mit Dr. Marke, der darum bat, sich völlig frei zu machen, widmete sich dem Faustkampf und Massenvernichtungswaffen der Kommunikation, mobilen Hosentaschenwerten, Explosionen, die zum Consumer Insight führen und am Ende dem LSD, der Lebendigkeit statt Digitalität.

Für uns und Sie eine anstrengende Woche. Das hat geistige Mobilität verlangt und erschöpft. Diese Woche soll anders werden. Muss anders werden. Wir widmen uns in dieser Woche dem Banalen und Immobilen. In Zeiten, die ohne das Wort mobil nicht auszukommen scheinen, ist das Wort immobil fast mittelalterlich. So traten die Immobilienprojekte auch über Jahrzehnte auf. Wie klappernde Ritter – Klappern war man vom Handwerk gewohnt – klapperte man einfach etwas lauter und war der Meinung der Weisheit letzten Schluss in Stein und Mörtel verewigt zu haben.

Warum sich dies plötzlich änderte und mit welchem Ergebnis, darüber werden wir in dieser Woche schreiben. Auch wagen wir einen Blick in die Zukunft und auf das Potenzial, das noch ungenutzt ist, warum Schätze nicht gehoben werden, wenn die immobile Branche Projekt um Projekt ausschachtet. Natürlich wird der Konsortenansatz in der Immobilien-Kommunikation nicht fehlen – das Neuro-Immobilien-Marketing mit der einzigartigen Lizenz zum Werteschöpfen.

Mitdenkerin und Mitautorin zum Thema Immobilien-Marketing wird Sibel Naric sein, die für die Kommunikation bei Corpus Sireo verantwortlich ist. Es ist die erste Co-Autorenschaft und wir freuen uns sehr darauf. Könnte dies doch der Anfang sein für die Einbindung weiterer Gastautoren bei Kremer und Konsorten.

Und was soll das Banale sein? Themen, die völlig ungeplant jeden Tag an die Oberfläche gespült werden. Hier bei uns, bei Ihnen, in der Nähe oder der Welt. Werbung, Gesellschaft, Märkte und Produkte. Jedes Thema für sich oder im konzertanten Zusammenspiel. Hier, auf facebook oder auch auf twitter.

Es wird eine wilde Woche…

Wenn Ihre Woche nicht wirklich wild zu werden droht, im Sinne guter, erfolgreicher, begeisternder Kommunikation, kennen Sie ja ein paar Konsorten, die das leicht für Sie erledigen.

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5. Tag der Konsorten-Klassiktage der Kommunikation: LSD macht Kommunikation schöner

Jörg Kremer am 12. März 2010

Es ist Freitag, es wird Nacht. Sie möchten in diese eintauchen. Manche trinken Alkohol, andere nehmen Drogen, um einer solchen Nacht den richtigen Kick zu geben. Sie haben es da viel besser. Sie haben den Text des 5. Tages der “Konsorten-Klassiktage der Kommunikation”. Dieser Text ist Ihr LSD für diese Nacht. Drucken Sie den Text, schneiden Sie sich einen Trip von ca. 4 Quadratzentimetern aus dem Druck und lutschen sie diesen. Dazu um “viertelnachacht” den Trailer anschauen. Viel Spaß und eine gute Nacht…

Über facebookxing und twitter hatten wir um Statements zu den Themen der “Konsorten-Klassiktagen der Kommunikation” gebeten. Ein paar davon möchten wir hier nutzen, um die Konsorten-Klassiktage anzumoderieren. Nach Ines ArntzMarkus Walter, Claudia Boss und Thomas Chiari, leiten wir den 5. Tag mit dem Fotografen Oliver Ackers ein:

“Heute bietet die digitale Werbefotografie nicht nur eine ökonomische Bereicherung sondern – und darum sollte es ja eigentlich auch bei der Wahl der Mittel im kreativen Bereich gehen – eine wirkliche Erweiterung der gestalterischen und technischen Möglichkeiten wie z.B. durch die heute möglichen hohen ISO Werte bei sehr guter Bildqualität sind die Grenzen der Fotografie neu gesteckt worden. In der digitalen Werbefotografie von heute steht  wieder der kreative Umgang mit der Vielzahl an Möglichkeiten im Vordergrund.”

Oliver Ackers macht sich Gedanken um die Kreativität der Fotos und lässt uns auf gewaltige Ergebnisse hoffen. Welche Fotos brauchen wir denn in einer sich verändernden Kommunikationslandschaft? Als die Fotos den Weg vom Dia auf das Papier fanden, war der Druck schlecht. Bilder mussten sich nicht so anstrengen, gut auszusehen. Als Bilder dann den Weg vom Papier auf den Bildschirm antraten, waren Bildschirme so schlecht, dass Befürchtungen laut wurden, Bilder würden in der Masse schlechter werden, weil nur noch für Bildschirme produziert. Dann wurden die Bildschirme so gut, dass man sich in der Fotografie wieder strecken musste, um auf großen, sehr fein auflösenden Bildschirmen nicht völlig zu versagen. Gott Nikon, Canon, Sony, Hasselblad und anderen sei Dank, wurden Bilder digitaler, perfekter, man konnte der Fotogier auf hohem Niveau Befriedigung verschaffen. Die Fotowelt scheint zur Zeit, Oliver Ackers bestätigt das, eine hoffnungsvolle und heile zu sein.

In diesem Moment passiert in der Kommunikation etwas. Kommunikation versteckt sich mehr und mehr auf den Minibildschirmen der Mobiltelefone und schreit weniger nach der höchsten Qualität, sondern mehr nach höchster Aktualität. Fotos werden kleiner und schneller, um den Weg durch den Äther schneller und günstiger gehen zu können. Parallel wird das mögliche Aussterben, sagen wir eine extreme Reduzierung, der Holzmedien erwartet. Die Notwendigkeit, die Masse der Fotos hochwertigst zu schießen sinkt demnach rapide. In drei Jahren, sagt Google, werden mehr Smartphones, als Computer verkauft. Die Zeit, in der mobile Menschen mit immobilen 17 oder 19 Zoll Laptops sich quälten, sind den 13 Zoll Zeiten gewichen. Und es wird immer kleiner. In der Masse werden Fotos anspruchsloser werden.

Schon jetzt sind die Konsumenten daran gewöhnt, nicht ein großes, tolles Foto zu sehen, sondern eine Klickstrecke mit 30 Fotos. Die Ursache ist hierbei egal. Das Ergebnis ist verheerend. Für die Fotografen. Es könnte sich für die Fotomassen, die Masse als Fotograf durchsetzen. Man stellt die Kamera auf Brassai, Lindbergh, Mapplethorpe, Avedon, Newton oder Ackers und zack. Das Studio und die Lichtführung wird wie in 3D Programmen in der Kamera simuliert, ebenso die professionelle Bildbearbeitung. Einem Dienstleister im Internet werden die Bilder drahtlos übermittelt, dieser sichtet diese digital und spielt sie nach Themen sortiert den Medien zu. Schöne neue Bilderflut.

In diesem Orkan von Fotos halten wenige wacker die alten Positionen, um, wie jetzt gerade das Polaroidbild, den Gegentrend zu formieren.

Wofür Benicio del Torro und Johnny Depp in Fear and Loathing in Las Vegas noch jede Menge LSD nehmen mussten, verrückte Bilder im Überfluss erleben zu können, das erledigt in der Zukunft die digitale Kommunikation mit einem gewaltigen Foto-Tsunami, dem keine Menschen, aber Millionen Augen und Hirne zum Opfer fallen. Auf hunderten Bildschirmen, vom Mobiltelefon, über Displays an Kassen, in Zügen und Bussen, in Geldablagen in Kiosken, in Autos, am Kühlschrank, an Tanksäulen und tausend anderen Plätzen werden wir digital bis zur Atemlosigkeit bebildert.

Fotografen, ihr müsst Euch etwas einfallen lassen.

Das bewegte Bild könnte die Lösung sein. Aber auch da sieht man im Alltag nichts als Ödnis. Ausserhalb des HDTV-Heimaltars in Kinogröße werden die Konsumenten nicht mit Qualität verwöhnt. Von youtube und youporn geprägt, ist auch dort der Anspruch gering geworden. Erste Mobiltelefone mit HD-Kamera und Beamer erfüllen heute schon die Qualitätsansprüche der Masse. Wird die nächste Generation auch einen Menüpunkt Tarantino haben, der einen speziellen Schnitt, spezielle Musik und eine tarantinoeske Farbstimmung in den selbst gedrehten Bildern erzeugt? Der Film vom Kinderspielplatz als “Tarantino” auf youtube und die Freundin als “lalala” auf youporn.

Wenn es in Sachen Qualität dann mal richtig krachen soll, schleicht sich das Digitale immer mehr ins Reale. Avatar und Alice im Wunderland lassen die Grenzen zwischen Mensch und Animation fast verschwimmen. Fotografen finden ihr Heil demnach auch nicht im bewegten Bild, sondern als Bildprogrammierer 2D oder 3D.

Alles wird IT. Fotos, Filme, Musik, Kommunikation. Derartig auf null und eins reduziert, werden wir Stimulanzen benötigen, um uns Codezeilen und Drahtgittermodelle schon früh als digitale Realität vorstellen zu können – ein Bild von der neuen Welt machen zu können.

LSD,  Lebendigkeit statt Digitalität

Lassen Sie uns immer genug LSD als Stimulans im Haus haben, um bei aller Liebe zur Modernität und Veränderung, eines nicht zu vergessen. Wir Menschen lieben es einfach über alle Maßen, Mensch sein zu können und zu dürfen, Menschen erfreuen, erleben und erleiden zu können. Und da LSD nicht süchtig macht, gönnen wir uns doch den Luxus. Viel Spaß Oliver Ackers, wenn Sie am Montag wieder LSD bei Ihren Projekten einsetzen.

Oh, es ist spät geworden. Zeit für einen Italo Western, wie man ihn vor Zeiten gern in der TV-Nacht serviert bekam (hier eine deutsche Abart). Und dann ab ins Bett oder in die Nacht. Sie können dies auch beliebig kombinieren.

In dieser Woche standen alle Beiträge hier im Blog der Konsorten unter einem Thema. Zusammen mit Ihnen haben wir dies auf twitter, facebook, formspring und xing vorbereitet und gemeinsam durchlebt. Wir möchten uns bei allen bedanken, die sich eingebracht haben, die agiert und reagiert haben. Dank auch für jede kostbare Minute, die Sie unserm Blog geschenkt haben. Es wurden Gespräche angestoßen, die wir weit über diese Woche hinaus noch führen werden.

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4. Tag der Konsorten-Klassiktage der Kommunikation: Klassik, Technik, Explosionen

Jörg Kremer am 11. März 2010

Drei Tage freies Sinnieren über Klassisches. Klassische Werbung und Werbeklassiker, das Zusammen und Gegeneinander mit dem Digitalen und der Frageklassiker “wohin”, die Gründe und die Folgen. Wir Konsorten erheben dabei nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und Absolutheit. Wir wollen zum Nach- und Vordenken anregen, Originäres und Inspirierendes schaffen und mit Ihnen teilen. Um was zu erreichen? Konsorten im Denken und im Handeln zu suchen und zu finden. Das können Menschen und Unternehmen sein, mit denen oder für die wir arbeiten. Köpfe, Seelen und Herzen, mit denen wir uns stetig weiterentwickeln.

Laptop auf den Schoß (bald ist ja das iPad da), gemütlich auf Sofa oder Bett gesetzt, dazu ein wohliges Getränk und viel Spaß beim Lesen. Aber zuerst noch die Hymne.

Über facebookxing und twitter hatten wir um Statements zu den “Konsorten-Klassiktagen der Kommunikation” gebeten. Ein paar davon möchten wir hier nutzen, um die Konsorten-Klassiktage anzumoderieren. Nach Ines Arntz, Markus Walter und Claudia Boss ist es heute Thomas Chiari, der uns ansouffliert.

“Der mit Einkaufstaschen beladene Konsument aus der guten alten Zeit, der sich noch vortrefflich in alte Zielgruppenmodelle sektionieren ließ und sich dabei nur zu gern schubladenkonform verhielt, ist ausgestorben. Sehr zum Leidwesen des klassischen Werbers. Zu Grabe getragen von der neuen Generation der google-bewaffneten User, dem Albtraum eines jeden klassischen Werbers alter Denkweise. Bestens informiert dank weltweiter Communities und Social Networks ist der Neuzeit-Consumer immer auf der Suche nach dem »Schnäppchen« in volkswirtschaftsvernichtender »Geiz-ist-geil«-Manie. Der dabei provozierte, gesellschaftliche Aufschrei nach Wiederentdeckung alter Werte bleibt nicht ungehört. Die klassischen Medien werden gezwungen, umzudenken. Aus Abgrenzung wird Integration, aus einbahnstraßenartiger Kommunikation wird Dialog. Markendenke ist out, Consumer Insight ist die neue Zauberformel für den Erfolg einer Marke. Der geradezu manische Individualisierungswunsch aller findet sein Heil in kundenspezifischen Produkten. Jeder will anders sein und doch sind alle gleich.”

Eigentlich könnte man hier den Artikel enden lassen. Danke für die Aufmerksamkeit. Gute Nacht.

Das war Flachs (Früher war das mal Spaß, bei Etro machen die aus Flachs heute Schals und sich dann daraus den Spaß, 160 Euro dafür zu nehmen. Heute ist Flachs ein teurer Spaß.). Es geht hier natürlich weiter. Thomas Chiari hat die Entwicklung mit wenigen Worten treffend zusammengefasst. Wir lieben es ja, komplexe Zusammenhänge mit einfachen Bildern zu illustrieren. Vergleichen wir Werbung doch mal mit dem, was an einer Schießbude passiert. Ganz früher konnten die Werbetreibenden sich in Ruhe eine Zielgruppe aussuchen, nennen wir sie mal “rote Rosen”, und auf diese schießen. Die roten Rosen waren in einer bestimmten Reihe in einer festen Höhe. Da suchte man sich die angeschossenen Tonröhrchen aus und Peng!. Waren die angeschossenen abgeräumt, ging man auf die noch sicher im Tonröhrchen stehenden los. Und in der Reihe der roten Rosen traf man auch bei schlechter Motorik trotzdem immer eine rote Rose.

Etwas später am Abend der Schießbuden-Werbegeschichte schoss man auf bewegte Ziele. Nein, nicht frei bewegte Ziele. Die Ziele liefen auf einem Laufband mit geregelter Geschwindigkeit und in klaren Abständen vor dem schießwütigen Werbungtreibenden her. Es waren meist Säue oder Hasen. Die Ziele gaben sich komplizierter, waren es aber in Wirklichkeit nicht. Anfangs zielte man hinter den Zielen her und traf etwas seltener. Später hielt man die Waffe ruhig und schoss immer ganz kurz bevor das Ziel vor Kimme und Korn war, denn man kannte den Weg des Ziels genau. Schoss dann auch zuverlässig Treffer um Treffer. Alle gaben sich freier, wilder, dynamischer und waren es doch nicht.

Am frühen Morgen der Schießbuden-Werbegeschichte wollte man schießen, doch alle Schießbuden waren weg. Keine roten, weißen, gelben Rosen mehr, keine Tonröhrchen und keine Laufbänder mehr, auf der man die Säue abschießen konnte. Kein Perserteppich, auf den man sich stützen konnte, kein Katzenbaum, auf dem man seine Waffe auflegen konnte. Weder die Ziele waren mehr an einem Ort zusammen, noch die Schießenden hatten einen gemeinsamen Platz. Die Schießbuden waren digital und auf tausende Orte verteilt, in Bildschirmen gefangen. Ziele hielten nicht mehr still, ließen sich nicht mehr berechnen. Wenn man jetzt tausend Ziele treffen wollte, musste man in tausend digitalen Schießbuden, mit unterschiedlichsten Waffen feuern und wusste nie, wer sich dort als Ziel anbot. Die Verzweiflung war entsprechend groß. Die Schützen waren verzweifelt, weil kaum ein Schuss planbar traf und selbst die Ziele fanden es unschön, nicht mehr getroffen zu werden. Wurde man getroffen, konnte man sich als Ziel nicht mal sicher sein, ob man wirklich gemeint war und blieb oft achtlos liegen.

Menschen, Technik, Sensationen

Die zu dieser Zeit noch amtierenden Schützen erinnerten sich an die Westernfilme der Jugend, in denen diese Probleme ganz einfach gelöst wurden. Man versprach sich zu treffen, ein Pfeifchchen zusammen zu rauchen und während man so dasaß und plauderte, zog einer eine Knarre und schoss alle ab. Also lud man die Ziele ein, sich auf ein Pfeifchen zu treffen. Plaudern am Lagerfeuer. Alle sind etwas aufgeregt, wenn man sich trifft, doch dann quatscht man das gegenüber in Trance und wenn sich alle ganz lieb haben und ganz nah sind, bumm. Schüsse, Explosionen und man hat einen ganz hervorragenden Consumer Insight.

Herr Chiari, sind Sie mit der Schiesserei einverstanden? Wir könnten das am Lagerfeuer…

Das Lagerfeuer ist die Marke, sie ruft klasssisch zum Gespräch, führt das Gespräch am vereinbarten digitalen Ort und schließt dann unmittelbar und mittelbar ein Geschäft ab. Danach sagt die Marke ganz klassisch, wie groß und toll sie ist. Ruft sie dann wider zu einem Gespräch, finden sich mehr und mehr zusammen. Klassik ist nicht mehr DIE Kommunikation, sondern nur noch ein Teil DER Kommunikation. Wie groß der Teil in Zukunft sein wird, ist völlige Spekulation. Denn wir gehen heute immer vom Wissen und vom Verhalten der Gesellschaft per heute aus. Dann wird klasssische Werbung immer einen gerüttet Anteil an der Kommunikation haben. Verändert sich die Gesellschaft und damit die Paradigmen, kann klassische Werbung im jetzigen Sinn auch komplett aus dem Leben verschwinden.

Die Jüngsten unter Ihnen können uns das Ergebnis irgendwann mal auf die Wand des Zimmers im betreuten Wohnen twittern. Oder ist das auch schon wieder so eine beschränkte Vision von Baby Boomern?

Cut. Wenn zu Beginn des privaten Fernsehens RTL nicht genug Programm hatte, den Tag zu füllen, kam Salvatore zum Einsatz. Er wurde zum Kult. Für heute ist unser Programm auch zu Ende – pronto Salvatore…

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3. Tag der Konsorten-Klassiktage der Kommunikation: Digitale Werbung schafft Hosentaschenwerte

Jörg Kremer am 10. März 2010

Jetzt die Tagesschau und dann direkt der 3. Tag der Konsorten-Klassiktage der Kommunikation. Heute empfehlen wir ein etwas offizielleres Outfit und einen schweren, roten Wein zur Primetime bei Kremer und Konsorten.

facebook, xing und twitter waren die Plattformen, auf denen wir Statements zum Thema  ”Konsorten-Klassiktage der Kommunikation” gesammelt haben. Nach den Statements von Ines Arntz und Markus Walter, ist es heute das Statement von Claudia Boss, mit dem wir uns in das Thema stürzen möchten.

“Könnte jetzt über die sinnliche Erfahrung berichten, über den lackgestrichenen Umschlag des neu produzierten Kataloges zu streicheln. Über das immer wieder faszinierende Erlebnis in der Druckerei vor der Maschine zu stehen und 100tausendfach die eigenen Ideen an sich vorbeifliegen zu sehen. Merkt man, dass ich mit Leib und Seele Versandhandels-Marketer bin?!
Doch genug der Schwärmerei über greifbare Werbung! Für uns gilt: Katalog, Mailing etc. sorgen für BedarfsWECKung – das Web für BedarfsDECKung. Eine äußerst geniale Verbindung! Weg von großen dicken Wälzern, hin zu kleinen schnellen Mailings. Und: Für alle Budgetgeplagten – man spart immense Portokosten. Freie Budgets, die man dann digitalisieren kann, aber nicht muss…”

Kurz: Digital ist praktisch, analog ist sinnlich. Aber es gibt eine friedliche, gar produktive Koexistenz. Und beide Welten machen den JOb, den sie am besten können. Oder ist das auch ein Generationsfrage? Werden wir in Zukunft ähnlich sinnlich empfinden, wenn wir nur noch digital kommunizieren? Betrachtet man die Generation nach uns, scheint sich das Blatt, chlorfrei gebleicht natürlich, vollends Richtung 1 und 0 zu wenden. In den Augen meiner Töchter scheint eine Form von Sinnlichkeit zu blitzen, wenn iPhone, MacBook und alle üblichen Verdächtigen ADressen darauf erreichbar und bedienbar sind. Gut, das iPHone kann man streicheln, wenn man es bedient. Ein Erklärungsansatz, nicht mehr.

Unsere Generation (Rand-Babyboomer) bekommt, nach langer Erarbeitungszeit, heute den aktuellen Katalog von Hermes zugeschickt, riecht daran, fühlt die Seiten, ergötzt sich an der Aufmachung und den wirklich überraschend kreativen Inszenierungen. Die Sinnlichkeit kann man am Lächeln messen, das uns für Stunden zeichnet.

Inspiriert durch die Kampagne der Handwerker Deutschlands, die ausnahmsweise mal in die Nähe des Wortes gefällt kommt, haben wir uns vorgestellt, alle analoge Werbung oberhalb und unterhalb des Werbeäquators sei weg! Zack!

In den Regalen und auf dem Schreibtisch fehlten die Beispiele herausragender Analogkommunikation, die zur Ästhetisierung des Rundblicks wesentlich beitragen. Auf der Straße fallen Wände und Mauern auf, die über zig Meter grau sind. Im besten Fall. Gerne auch schlicht dreckig. Hat uns von dort nicht gestern noch eine junge, schöne Frau angelächelt? Konnten wir daneben nicht einen Traum in Erfüllung sehen, der jetzt unerfüllt bleiben wird? Später stehen junge Frauen an unbeleuchteten Haltestellen, fürchten sich. Das Mobiltelefon in der Tasche macht sie sicherer, aber den Moment nicht schön! Im Kino beginnt direkt der Hauptfilm und man merkt, dass Werbung auch Kunst war. Am nächsten Tag sind 50% aller Museen geschlossen. Das fehlende, analoge Werbegeld hat die sonst weiten Flügeltüren geschlossen. Die Kinder kommen nach Hause, weil der Sportverein schließen musste. Es gäbe kaum Zeitschriften mehr, die einen von der Toilette, über Frühstückstisch, Buss, Bahn, Flugzeug und über das Sofa bis zum Bett begleiten könnten, dies alles bunter und ästhetischer zu gestalten. Die es gäbe, wären unendlich teuer oder unsäglich langweilig. Wer würde unsere TRäume bebildern, wer die Sehnsüchte für das Gemeinwissen formulieren? Wer würde sich der Zustände bedienen, sie benutzen, um sie uns vor Augen zu halten. In den ästhetischen Bildern der analogen Werbung?

Das alles gäbe es nur digital und würde nur unsere Hosen-, Jacken-, Manteltaschen, Hand- und Reisetaschen innen schöner machen. Dort, wo das Smartphone der Zukunft sein Zuhause hat. Digitale Werbung schafft eher innere Werte. Intime, die man an- und ausschalten kann.

Oder steht hier bei uns an der Grafenberger Allee demnächst ein Beamer, der Werbung auf das Haus presst, auf weiße Wolken, die zu Leinwänden der Wünsche werden, auf die vorbeifahrenden, unbedruckten Straßenbahnen und auf uns? Hängen wir Displays an die Wände und lassen uns mit “google home Ads” die Wohnung ästhetisieren? Irgendjemand registriert alles von uns und lässt überall wo wir sind, die Bedürfnisse befriedigen. Auf der Wand, der Straßenbahn und der Wolke über uns! Fragen Sie nicht nach der Technik. Geht alles und auch schon jetzt.

Man bekommt dann auswechselbare Oberflächen für die Displays. Haptisch und olfaktorisch variierend. Hallo Schatz, schaumal, unsere Wohnzimmerwand ist jetzt ganz rauh und duftet nach Bruchstein. Nein, wie romantisch Schatz. Und dann taucht eine Werbung für Fetischartikel auf dem Display auf. Eine Frau mit Handschellen an eine Bruchsteinmauer gefesselt. Langsam weicht die Angst vor der digitalen Werbewelt auch bei Ihnen? Wir haben uns das gedacht. War das Thema doch immer schon der Treiber für neue Kommunikationsformen. Hätten wir nicht Kriege und Sex, hätten wir nicht das Internet von heute.

Zurück zum Lack des Umschlages vom Katalog von Claudia Boss, den sie so gerne zu streicheln und zu riechen scheint. So wie sie das eine und das andere liebt und schätzt, das Digitale und das Analoge, schätzen auch wir es. Wir sollten nicht weiter zwei Lager pflegen, die Kommunikation wieder an Spezialisten aufteilen, um irgendwann zu erkennen, dass nur das Zusammenleben, kreativ und intelligent, der beiden Kommunikationswelten, der Weisheit letzter Schluss sein wird.

Schluss mit der Diskussion um die Pole und den Äquator der Kommunikation. Morgen widmen wir uns der “alten” Werbung und dem Phänomen der Erinnerung und Verinnerlichung dieser künstlich geschaffenen Welten, um uns am Freitag im Schlussbeitrag der “Konsorten-Klassiktage der Kommunikation” der völlig freien Assoziation hinzugeben. Final, fanal und fidel.

Gute Nacht!

Heute mit einer sensationellen SpaceNight von 1997.

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