Es ist Freitag, es wird Nacht. Sie möchten in diese eintauchen. Manche trinken Alkohol, andere nehmen Drogen, um einer solchen Nacht den richtigen Kick zu geben. Sie haben es da viel besser. Sie haben den Text des 5. Tages der “Konsorten-Klassiktage der Kommunikation”. Dieser Text ist Ihr LSD für diese Nacht. Drucken Sie den Text, schneiden Sie sich einen Trip von ca. 4 Quadratzentimetern aus dem Druck und lutschen sie diesen. Dazu um “viertelnachacht” den Trailer anschauen. Viel Spaß und eine gute Nacht…
Über facebook, xing und twitter hatten wir um Statements zu den Themen der “Konsorten-Klassiktagen der Kommunikation” gebeten. Ein paar davon möchten wir hier nutzen, um die Konsorten-Klassiktage anzumoderieren. Nach Ines Arntz, Markus Walter, Claudia Boss und Thomas Chiari, leiten wir den 5. Tag mit dem Fotografen Oliver Ackers ein:
“Heute bietet die digitale Werbefotografie nicht nur eine ökonomische Bereicherung sondern – und darum sollte es ja eigentlich auch bei der Wahl der Mittel im kreativen Bereich gehen – eine wirkliche Erweiterung der gestalterischen und technischen Möglichkeiten wie z.B. durch die heute möglichen hohen ISO Werte bei sehr guter Bildqualität sind die Grenzen der Fotografie neu gesteckt worden. In der digitalen Werbefotografie von heute steht wieder der kreative Umgang mit der Vielzahl an Möglichkeiten im Vordergrund.”
Oliver Ackers macht sich Gedanken um die Kreativität der Fotos und lässt uns auf gewaltige Ergebnisse hoffen. Welche Fotos brauchen wir denn in einer sich verändernden Kommunikationslandschaft? Als die Fotos den Weg vom Dia auf das Papier fanden, war der Druck schlecht. Bilder mussten sich nicht so anstrengen, gut auszusehen. Als Bilder dann den Weg vom Papier auf den Bildschirm antraten, waren Bildschirme so schlecht, dass Befürchtungen laut wurden, Bilder würden in der Masse schlechter werden, weil nur noch für Bildschirme produziert. Dann wurden die Bildschirme so gut, dass man sich in der Fotografie wieder strecken musste, um auf großen, sehr fein auflösenden Bildschirmen nicht völlig zu versagen. Gott Nikon, Canon, Sony, Hasselblad und anderen sei Dank, wurden Bilder digitaler, perfekter, man konnte der Fotogier auf hohem Niveau Befriedigung verschaffen. Die Fotowelt scheint zur Zeit, Oliver Ackers bestätigt das, eine hoffnungsvolle und heile zu sein.
In diesem Moment passiert in der Kommunikation etwas. Kommunikation versteckt sich mehr und mehr auf den Minibildschirmen der Mobiltelefone und schreit weniger nach der höchsten Qualität, sondern mehr nach höchster Aktualität. Fotos werden kleiner und schneller, um den Weg durch den Äther schneller und günstiger gehen zu können. Parallel wird das mögliche Aussterben, sagen wir eine extreme Reduzierung, der Holzmedien erwartet. Die Notwendigkeit, die Masse der Fotos hochwertigst zu schießen sinkt demnach rapide. In drei Jahren, sagt Google, werden mehr Smartphones, als Computer verkauft. Die Zeit, in der mobile Menschen mit immobilen 17 oder 19 Zoll Laptops sich quälten, sind den 13 Zoll Zeiten gewichen. Und es wird immer kleiner. In der Masse werden Fotos anspruchsloser werden.
Schon jetzt sind die Konsumenten daran gewöhnt, nicht ein großes, tolles Foto zu sehen, sondern eine Klickstrecke mit 30 Fotos. Die Ursache ist hierbei egal. Das Ergebnis ist verheerend. Für die Fotografen. Es könnte sich für die Fotomassen, die Masse als Fotograf durchsetzen. Man stellt die Kamera auf Brassai, Lindbergh, Mapplethorpe, Avedon, Newton oder Ackers und zack. Das Studio und die Lichtführung wird wie in 3D Programmen in der Kamera simuliert, ebenso die professionelle Bildbearbeitung. Einem Dienstleister im Internet werden die Bilder drahtlos übermittelt, dieser sichtet diese digital und spielt sie nach Themen sortiert den Medien zu. Schöne neue Bilderflut.
In diesem Orkan von Fotos halten wenige wacker die alten Positionen, um, wie jetzt gerade das Polaroidbild, den Gegentrend zu formieren.
Wofür Benicio del Torro und Johnny Depp in Fear and Loathing in Las Vegas noch jede Menge LSD nehmen mussten, verrückte Bilder im Überfluss erleben zu können, das erledigt in der Zukunft die digitale Kommunikation mit einem gewaltigen Foto-Tsunami, dem keine Menschen, aber Millionen Augen und Hirne zum Opfer fallen. Auf hunderten Bildschirmen, vom Mobiltelefon, über Displays an Kassen, in Zügen und Bussen, in Geldablagen in Kiosken, in Autos, am Kühlschrank, an Tanksäulen und tausend anderen Plätzen werden wir digital bis zur Atemlosigkeit bebildert.
Fotografen, ihr müsst Euch etwas einfallen lassen.
Das bewegte Bild könnte die Lösung sein. Aber auch da sieht man im Alltag nichts als Ödnis. Ausserhalb des HDTV-Heimaltars in Kinogröße werden die Konsumenten nicht mit Qualität verwöhnt. Von youtube und youporn geprägt, ist auch dort der Anspruch gering geworden. Erste Mobiltelefone mit HD-Kamera und Beamer erfüllen heute schon die Qualitätsansprüche der Masse. Wird die nächste Generation auch einen Menüpunkt Tarantino haben, der einen speziellen Schnitt, spezielle Musik und eine tarantinoeske Farbstimmung in den selbst gedrehten Bildern erzeugt? Der Film vom Kinderspielplatz als “Tarantino” auf youtube und die Freundin als “lalala” auf youporn.
Wenn es in Sachen Qualität dann mal richtig krachen soll, schleicht sich das Digitale immer mehr ins Reale. Avatar und Alice im Wunderland lassen die Grenzen zwischen Mensch und Animation fast verschwimmen. Fotografen finden ihr Heil demnach auch nicht im bewegten Bild, sondern als Bildprogrammierer 2D oder 3D.
Alles wird IT. Fotos, Filme, Musik, Kommunikation. Derartig auf null und eins reduziert, werden wir Stimulanzen benötigen, um uns Codezeilen und Drahtgittermodelle schon früh als digitale Realität vorstellen zu können – ein Bild von der neuen Welt machen zu können.
LSD, Lebendigkeit statt Digitalität
Lassen Sie uns immer genug LSD als Stimulans im Haus haben, um bei aller Liebe zur Modernität und Veränderung, eines nicht zu vergessen. Wir Menschen lieben es einfach über alle Maßen, Mensch sein zu können und zu dürfen, Menschen erfreuen, erleben und erleiden zu können. Und da LSD nicht süchtig macht, gönnen wir uns doch den Luxus. Viel Spaß Oliver Ackers, wenn Sie am Montag wieder LSD bei Ihren Projekten einsetzen.
Oh, es ist spät geworden. Zeit für einen Italo Western, wie man ihn vor Zeiten gern in der TV-Nacht serviert bekam (hier eine deutsche Abart). Und dann ab ins Bett oder in die Nacht. Sie können dies auch beliebig kombinieren.
In dieser Woche standen alle Beiträge hier im Blog der Konsorten unter einem Thema. Zusammen mit Ihnen haben wir dies auf twitter, facebook, formspring und xing vorbereitet und gemeinsam durchlebt. Wir möchten uns bei allen bedanken, die sich eingebracht haben, die agiert und reagiert haben. Dank auch für jede kostbare Minute, die Sie unserm Blog geschenkt haben. Es wurden Gespräche angestoßen, die wir weit über diese Woche hinaus noch führen werden.
