Um den ersten Druck abzubauen, der bei dem Wort Seniorenmarketing aufkommt, muss ich dies loswerden: Seniorenmarketing darf nicht Marketing über Defizite sein, sondern Marketing über Möglichkeiten. Oder gibt es irgendeine andere Zielgruppe, bei der man über die Huldigung von Defiziten versucht attraktiv zu sein? Ich glaube nicht. Falls doch, freue ich mich auf das Wissen meiner Leser.

Brauchen wir überhaupt Seniorenmarketing? Eigentlich nicht. Warum nicht? Weil der Begriff für Menschen von 55+ bis 100+ verwendet wird. Das ist ungefähr so, als würde man Jugendmarketing von 5+ bis 55+ verstehen. Bei dieser Definition würde jeder entsetzt aufschreien. Also schreien wir jetzt mal zusammen in gleicher Lautstärke und mit entsetztem Gesicht bei der üblichen Definition von Seniorenmarketing auf.

Ahhhhhhh……

Jetzt kann ich sachlich weiterdenken und weiterschreiben. Als Neuromarketer nähern wir uns allen Zielgruppen zuerst konsequent über das Gehirn, über die physiologische Disposition. Das bedeutet, wir teilen Menschen in Gruppen ein, die in halbwegs ähnlicher Weise typisch auf bestimmte Reize reagieren. Beispiel: Das Wort Fortschritt löst bei verschieden physiologisch disponierten Menschen völlig unterschiedliche Emotionen aus. Der Performer reagiert positiv, weil Fortschritt „vorne sein“ bedeutet. Der Disziplinierte findet Fortschritt nur gut, wenn er ihm hilft, besser kontrollieren zu können. Er ist eher skeptisch. Der Bewahrer bekommt erstmal Angst. Er hasst Veränderungen, weil sie den Status Quo gefährden können. Der Genießer ist skeptisch, weil Fortschritt zu oft mit Entmenschlichung einher geht und Genuss zu reduzieren droht. Der Hedonist fiebert dem Impuls einer Veränderung entgegen und wird das Beste daraus machen. Der Abenteurer wittert eine Chance, die er sicher als erster greifen wird. Egal wie. Ich erinnere kurz: Alle haben ein und den selben Reiz bekommen. Das Wort Fortschritt.

Ohhhhhh……

Diese biologische Disposition, die jedem Menschen anhaftet, begleitet ihn durch sein ganzes Leben hindurch. In jedem Alter mit einer altersgerechten Ausprägung. Mit zunehmendem Alter wird die Balance-Kraft in jedem Menschen größer. Er bleibt, was er war, doch der Pegel schlägt nicht mehr so hart aus. Ein Abenteurer ist auch mit 75 noch ein Abenteurer. Aber smarter. Denn jede physiologische Disposition wird von der Balance-Kraft gemildert. Das bedeutet, Werte wie Heimat, Familie, Gesundheit und Spiritualität bekommen eine größere Gewichtung. Kein Mensch verliert dadurch das, was für ihn typisch ist, sondern es wird nur um weitere Werte ergänzt.

Seniorenmarketing ist deshalb kein anderes Marketing. Es gilt, wenn man ältere Bevölkerungsschichten emotional berühren und begeistern möchte und diese Effekte langfristig absichern möchte, die persönlichen Dispositionen zu adressieren und lediglich die dem Älterwerden geschuldeten Werte ergänzend zu berücksichtigen. Ist das jetzt doch ein spezielles Seniorenmarketing? Nein. Denn Seniorenmarketing darf als solches nicht erkannt werden, um diese Menschen nicht zu stigmatisieren

Ein Beispiel: Auf einer Speisekarte sollte es keine Seniorenteller geben. Ein typischer Auswuchs falsch verstandenen Seniorenmarketings. Wer möchte schon über Defizite angesprochen werden? Die können nicht mehr so viel essen, die vertragen das nicht mehr so, die haben dieses oder jenes Problem. Sinnvoll wären leichtere Gerichte und kleinere Gerichte anzubieten. Solche Gerichte finden in jedem Alter Anklang, automatisch auch bei älteren Menschen.

Ein anderes Beispiel: Warum brauchen wir Seniorentickets für Bus und Bahn? Es reichte doch, günstigere Tickets für eingeschränkte Nutzungszeiten einzuführen. Ja, da würden dann auch ein paar Menschen von partizipieren, die nicht alt sind. So what. Dafür gibt es sicher auch Senioren, die keine Lust auf Einschränkungen haben und normale Tickets kaufen. Senioren nutzten dann ein Ticket, wie andere es auch nutzen, die den Tag freier gestalten können. Das ist Marketing über Möglichkeiten. Das erfordert ein neues Denken in der Tarifstruktur. Und das wird bald notwendig sein, wenn man den sich dramatisch ändernden Märkten langfristig noch gerecht werden möchte – um bessere Geschäfte machen zu können.

Es führte jetzt zu weit, alle typischen Seniorenmarketing-Themen hier abzuarbeiten. Ich bin mir aber sehr sicher, dass es für jedes dieser Themen auch eine Lösung geben kann, die nicht über Defizite konstruiert wird.

Die Senioren als Zielgruppe werden in den nächsten Jahren zahlenmäßig immer größer. Damit schwindet deren Randzielgruppendasein neben der Lieblingszielgruppe der 14 bis 49ährigen mit zunehmender Geschwindigkeit.

Wer sich für diesen Markt sicher und erfolgreich aufstellen möchte, findet in Kremer und Konsorten einen erfahrenen Partner. Bitte sprechen Sie mich doch gleich persönlich an. Meine persönliche Disposition liegt irgendwo zwischen Genießer und Hedonist und ich habe erste, ganz leichte Tendenzen zu einer leicht erhöhten Balancekraft. Jetzt wissen Sie ja, wie Sie mich für Ihre Aufgabe begeistern können.

Jörg Kremer ist Werber, Neuromarketer und Entwickler des Neuromarketingskonzepts biology first. Er startete früh mit einer Agentur für Corporate Design, entwickelte sich konsequent zum Corporate Advertiser, für den schon in den frühen Anfängen das Internet fest zur Kommunikation dazugehörte. Das alles bündelte er in einer Full Service Agentur. Zur Jahrtausendwende widmete sich Kremer dem neu entstehende Wissen in der Hirnforschung und der Evolutionspsychologie und entwickelte das Neuromarketingkonzept biology first. Heute gilt er unter dem Label Kremer und Konsorten als Spezialist für Neuromarketing mit einzigartig umfangreichem Umsetzungswissen in vielen Branchen und nahezu jeder Anwendungssituation. Kremer hat vier Kinder und lebt heute mit seiner Verlobten Carmen Bußmann im Ruhrgebiet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.