Digitalisierung wird allgemein als der Killer der analogen Welt gesehen. Sie ist der Phönix, der aus der Asche der ausgereizten Vergangenheit aufsteigt und diese mit allen Errungenschaften im Dunklen zurücklässt. Mit jeder neuen Technologie wird Phönix größer, das Licht strahlender und das analoge Dunkel fürchterlicher.

Print wird auf den Bereich Körperhygiene reduziert. TV wird zur Gängelung der Tage, die zunehmend mobiler werden und on demand lieben. Geschäfte, gestern noch so genannt, wurden zu Shops und die von online-Versionen abgelöst. Man trifft sich nicht mehr auf ein Bier, was die Brauereien austrocknet und die sozialenmedialen Sümpfe füllt. Persönlichkeit schwindet und Profile werden der zumeist schlüpfrige Grund, auf dem die Gesellschaft digital der Zukunft entgegen schlittert. Die größte Digitalisierung der Gesellschaft besteht aber aus den Beratern, auch als digital Evangelists bekannt, um sich nicht digital God zu nennen, die die Digitalisierung verstehen und sie allen einflüstern wollen, die sich noch zögerlich zeigen. Das alles muss man lieben, das Gute darin sehen und groß machen, wenn man damit spielen, den Status Quo verändern und gewinnen möchte.

Ich liebe die Digitalisierung. Sie fordert mich ständig heraus, schockiert mich, fasziniert mich, lacht mich aus und an. Sie sagt, sie braucht mich nicht mehr. Und dann schreit sie nach mir, wenn das Digitale nach Inhalten dürstet. Nach Stories.

Ich liebe die Digitalisierung auch, weil sie sehr vieles demokratisiert hat, was früher exklusiv war und so mit Macht Ohnmacht hat erzeugen können. Der Machtverlust der alten Medien und Industrien wirkt noch lange nach. Wirtschaftlich und gesellschaftlich. Wissen selbst und der Zugang zum Wissen stehen dieser Entwicklung eindrucksvoll voran. Geschichten, sie zu entwickeln, die von dieser Demokratisierung erzählen und ihre Geschäftsmodelle erfolgreich machen, sind meine Welt.

Ich liebe die Digitalisierung auch, weil Kommunikation so vielseitig geworden ist, dass die Kommunikationskanäle die guten alten Brand Stories ermüdet links liegen lassen. Heute brauchen Unternehmen nicht mehr nur eine Brand Story, sondern viele Stories, die sich insgesamt über alle Kanäle und in allen medialen Ausdrucksformen zu einer großen Brand Story vereinen. Das zu erzählen und zu konzertieren ist meine Welt.

Ich liebe die Digitalisierung auch, weil Marken nicht mehr nur eine Geschichte mit dem Markt teilen können, denn die Redundanz würde den Markt nach kürzester Zeit unfassbar langweilen. Also gilt es zig und hunderte kleine Stories zu erzählen, diese zu vielen Core Stories zu konzertieren und die dann zu einer verdichten zu können, zur Brand Story. Um sie direkt danach wieder erzählerisch in zig Stories aufzulösen. Dazu muss man nicht nur eine gute Geschichte erzählen können, sondern einen Sturm von Geschichten entfesseln, domptieren und spielerisch in der Luft halten. Das ist meine Welt.

Die Digitalisierung liebt mich.

Denn ich erzähle genau die Geschichten, die die Digitalisierung braucht. Ich erzähle alle Geschichten, die zu einer werden. Eine, die man komplett dekonstruieren und wieder im Canon der Kommunikation zusammenführen kann. Ich erzähle hunderte Geschichten, die eine große Brand Story sind und ich erzähle die Brand Story, die ich zu hunderten Geschichten auflöse.

Sie werden die Digitalisierung auch uneingeschränkt lieben, wenn Sie die richtigen Geschichten haben und sie endlich erfolgreich nutzen zu können – die Digitalisierung.

Der Artikel ist zuerst auf LinkedIn erschienen.

 

Jörg Kremer ist Werber, Neuromarketer und Entwickler des Neuromarketingskonzepts biology first. Er startete früh mit einer Agentur für Corporate Design, entwickelte sich konsequent zum Corporate Advertiser, für den schon in den frühen Anfängen das Internet fest zur Kommunikation dazugehörte. Das alles bündelte er in einer Full Service Agentur. Zur Jahrtausendwende widmete sich Kremer dem neu entstehende Wissen in der Hirnforschung und der Evolutionspsychologie und entwickelte das Neuromarketingkonzept biology first. Heute gilt er unter dem Label Kremer und Konsorten als Spezialist für Neuromarketing, als Storyteller und Brander mit einzigartig umfangreichem Umsetzungswissen in vielen Branchen und nahezu jeder Anwendungssituation. Kremer hat vier Kinder und lebt heute im Ruhrgebiet.

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