Archiv für die Kategorie 'Konsorten denken DIN A4 Gedanken'

DIN A4 Gedanken: Religion

Jörg Kremer am 18. Februar 2010

Achtung, dieser DIN A4 Gedanke überquert wirren Gedankens und mutigen Wortes die Grenzen des guten Geschmacks. Wenn Sie diesen für sich wahren wollen, lesen Sie bitte  nicht weiter.

Sie soll Opium für das Volk sein. Wäre sie es mal. Millionen von Menschen könnten sich an diesem Opiat wirklich berauschen. Der Dealer heißt dann nicht Gott, Jesus, Mohammed, Buddha oder Shiva. Er heißt dann Gerd, Ali, Nguyen, trägt viele Namen. Er trägt Waffen, dicke Ketten, kleine Plastiktütchen und an der Last eines hohen automobilen Status Quo. Erträgt man das?

Ja, denn das ist nur ein Insignientausch. Der weltliche Religionsrepräsentant und seine Horden bemühen sich auch weithin sichtbar zu sein und tragen die Waffen ihrer Religion demonstrativ. Sie schleppen auch dicke Ketten, güldenes Geschmeide, um der leichten Botschaft Gewicht zu geben. Der automobile Status Quo ist ebenso schwer, weil weltlich gepanzert, da Gottes Omnipotenz gegen allzu weltliche Kräfte impotent ist.

Leichte Botschaft, weil gewichtige Hilfe zur Bewältigung gesellschaftlicher Notwendigkeiten liefern heute viele und viele besser! So manche religiöse Hinwendung hat an Wert verloren, weil es das zu lösende Problem nicht mehr gibt, dies nur noch künstlich mit flachem Atem mit Kukidentgeruch beatmet wird. Das Problem dem Löser nicht mehr nah ist. Gott ist tot, es lebe Gott.

Das für manchen Gott heute Gucci heißt, mag blasphemisch klingen. Doch gibt es Fälle, in denen Gucci vorteilhafter wäre. Als Allah zum Beispiel, weil Gucci Luxus und Lebensfreude postuliert, was allemal besser ist als Sharia, ideologisierter Hass, religiös asketische Armut, paradiesisch endende Selbstzerstörungen und Gottes Kriege. Religion durch Freudenspender scheint da schon faszinierender.

Der Freundenspender könnte auch, um dem Opium nahe zu bleiben, Koks sein. Koks wird die Religion für das Volk. Mit einem Atemzug und vielen weiteren, wäre Religion szenig, wäre der Gang von der Mittelschifftür zum Altar ein hyperaktiv durchmessener Catwalk, wäre die Kanzel mit Bunte gelabelt, den neoreligiösen Sound lieferte Apple per iTunes in die Orgel-App, der Wein würde von der Winzermarketinggesellschaft Nordwürttemberg-Nordbaden gesponsert und man schnupfte die Weisheit in Reihen von Vitra. Die letzte Ölung würde unterstützt von Bertolli. Zur Kirche ginge man mit einem Röhrchen, das bei einem Kommunionsäquivalent vergeben würde. Die “Kommunionsgeschenke” mäße man in Gramm.

Gläubige könnte man leicht an trockenen Schleimhäuten erkennen, an Agilität, sie wären chemisch nachweisbar. Nicht mehr an den weichen Faktoren des geistigen, körperlichen oder seelischen Siechtums, oder dem religiös abgefederten Baumeln im Lebensraum.

Sie hielten das ebenso für den Untergang des Abendlandes? Ich auch. Wir müssen uns entscheiden, wie wir untergehen wollen? In einem Sumpf aus weißem Staub, oder in den Tränen der Opfer der klebrigen Vertretern der “Onkel hat hier was Süßes für den Jungen”-Fraktion. Purple Rain. Amen? Ja, amen!

(DIN A4 Gedanken sind Wortübungen rund um ein Wort, eine Beobachtung, einen flüchtigen Gedanken, eine erlebte Zumutung oder ein überragendes Ereigniss. Manchmal auch nur Ventil für ein zu reges Gehirn. Nie real. Und wenn doch, dann dramatisch überhöht. Bei 12 Punkt Schriftgröße und einem 1.5-fachen Zeilenabstand maximal eine DIN A4 Seite lang. Sinnlos. Und das ist der Sinn.)

Post to Twitter Tweet This Post

Abgelegt unter Konsorten denken DIN A4 Gedanken | Keine Kommentare

DIN A4 Gedanken: Gott

Jörg Kremer am 13. Februar 2010

(Der DIN A4 Gedanke “Gott” enthält Formulierungen, die religiösen Menschen nicht zusagen könnten. Überlegen Sie es sich deshalb gut, ob Sie diesen DIN A4 Gedanken wirklich zu Ende lesen möchten.)

Gott ist eine Frau. Blasphemie? Nein, Huldigung. Wollen Männer Gott schauen, klaffen zwei Möglichkeiten verführerisch vor ihnen auf. Auf der einen Seite der mühevolle Weg Woche für Woche in Gottes irdische Dependancen und an lourdeske Orte zu pilgern, es zu spüren, ihn zu sehen. Es ist ein Gang in die Hölle schlechter Rhetorik, flacher Inszenierung und von Staubschichten der Einfallslosigkeit beschädigter Metaphern. Stunden gefüllt mit Kukidentgeruch, leisem Knistern zahlloser Inkontinenzwindeln und dünner Stimmen, die simpelste Weisheit mit veralteten Idiomen intonieren.

Gott kann ein wildes Weib sein, aber dieser Preis, sie zu erreichen, scheint zu hoch und ist im Ausgang auch nicht sicher. Auf der anderen Seite lockt ein Weg, der Göttliches als Vehikel zu Gott nutzt. Das Weib. Sie zieht uns, sie zu lieben, bis wir drängen, sie zu lieben. Sie trägt uns Mal um Mal dem Licht entgegen, das von Gott Heimgesuchte gerne als sein Erscheinen deuten. Das Licht ist die Sekunde zwischen konvulsivischen Spannungen am Rande fast unerträglicher Begierde und der Eruption, die aus jedem Jäger für kurze Zeit einen Sammler macht. Ein gleißend helles Licht, absolute Leere, die Abwesenheit aller Gedanken, still wie der Tod, ein Zustand der absoluten Reinheit und Moment übermenschlicher Energie. Gott. Gott, wenn man allen kolportierten Schilderungen seiner Visiten des Menschlichen Seins Glauben schenkt.

Wer mit diesem Weg zu Gott hadert, sollte bedenken, warum die Kirche alles Weibliche, die Lust, verteufelt. Sie will den einzigen Weg zu Gott besitzen und zu hohen Preisen nur für einfältigen Glauben vergeben. Gott ist eine Frau. Nur Sie kann geben, ihn zu erkennen. Sie wollen einen Beweis.

Sie benötigen dafür ein ganzes Leben oder eine Nacht. Wählen Sie.

(DIN A4 Gedanken sind Wortübungen rund um ein Wort, eine Beobachtung, einen flüchtigen Gedanken, eine erlebte Zumutung oder ein überragendes Ereigniss. Manchmal auch nur Ventil für ein zu reges Gehirn. Nie real. Und wenn doch, dann dramatisch überhöht. Bei 12 Punkt Schriftgröße und einem 1.5-fachen Zeilenabstand maximal eine DIN A4 Seite lang. Sinnlos. Und das ist der Sinn.)

Post to Twitter Tweet This Post

Abgelegt unter Konsorten denken DIN A4 Gedanken | 3 Kommentare

DIN A4 Gedanken: Neues Denken

Jörg Kremer am 12. Februar 2010

Denken ist stummes Reden in potenzierter Geschwindigkeit. Nichts muss den komplizierten Weg aus der stürmischen Enge des Hirns in die Leere des Mundes nehmen. Kein Wort muss für andere mechanisch wohl geformt werden. Jedes kann als Gedanke allein, als Bruchteil einer Millisekunde, auf Inhalt reduziert, sich rasend an andere reihen, Sätze zu vollenden. Sätze, nicht im grammatikalischen, sondern in des Sinnes Sinn. Nur dem Ziel des Gedankens und nichts sonst verpflichtet. Ja, es existiert ein Ziel, dem alles entgegen zu denken hat. Präzise oder vage, es existiert. Bekanntes wird bedacht, um dem bekannten Ziel nahe zu kommen, es bestenfalls zu erreichen. Es wundert nicht, dass Viele wünschen anders denken zu können. Anders denken heißt, mit Bekanntem Neues zu erdenken, oder mit Neuem sich bekanntem Ziel zu nähern. Auch hier ist ein Ende schnell in Sicht. Beschränkung. Grenze.

Neues Denken ist die hohe Schule synaptischer Artistik. Nicht zu kennen, womit man denkt, nicht zu wissen, wohin man denkt. Den Gedanken allen Raum zu geben, zu beobachten, wie sie sich in ästhetischen Bewegungen hart treffen, verfehlen, zart berühren und daraus neue Muster, Zusammengehörigkeit, Zuneigung, Ablehnung, Rhythmus entstehen. Die Kunst des freien, des neuen Denkens liegt in der Fähigkeit Raum zu geben und der Begabung in diesem Raum zu sehen, zu spüren, zu ahnen, was die Gedanken für potenziale im Zusammenspiel entwickeln. Wer ein Muster meint erkannt zu haben, der darf es nicht halten. Es ist nicht das Ziel. Man muss es markieren und wieder in den Raum schicken, sich zu bewegen und sich mit Anderen weiter zu komponieren. Kompositionen treffen auf einzelne Gedanken, treffen auf Kompositionen und erheben sich von mal zu mal.

Der ständige Abgleich mit dem, was einen beschäftigt, mit dem was man real erlebt und an ruhendem Denken in sich trägt, bestimmt den Zeitpunkt, an dem man den Status neuen Denkens erstarren lassen muss. Zu früh und man erreicht keine Größe. Zu spät und man erreicht den Wahnsinn. Genau auf den Punkt beschleunigen und bremsen zu können. Zu erkennen, wann beide Welten sich berühren, um die eine phantasievoller und die andere realistischer werden zu lassen, das macht den Neudenker aus.

Sie kennen keinen Neudenker? Doch!

(DIN A4 Gedanken sind Wortübungen rund um ein Wort, eine Beobachtung, einen flüchtigen Gedanken, eine erlebte Zumutung oder ein überragendes Ereigniss. Manchmal auch nur Ventil für ein zu reges Gehirn. Nie real. Und wenn doch, dann dramatisch überhöht. Bei 12 Punkt Schriftgröße und einem 1.5-fachen Zeilenabstand maximal eine DIN A4 Seite lang. Sinnlos. Und das ist der Sinn.)

Post to Twitter Tweet This Post

Abgelegt unter Konsorten denken DIN A4 Gedanken | Keine Kommentare

DIN A4 Gedanken: Stress

Jörg Kremer am 1. Februar 2010

Stress ist Ergebnis und Grund zugleich.

Stress ist körperliches und geistiges Ventil einer fremd- und selbstverantworteten Überlastung auf monoton hohem Niveau. Aber auch das Ergebnis einer Angst des Versagens, die die Differenz zwischen Eigenanspruch, Fremderwartung und von der Natur gnädig bewilligten Fähigkeiten abbildet.

Monotoner kann der Stress nicht sein, als im Lebenskonzept fest verankert. Punktuelle Belastungen kann jedes menschliche Biotop ausgleichen. Die dauernde Verschmutzung an den Ufern Leistungsfähigkeit und Anspruch führen aber dazu, dass das Biotop Mensch nachhaltig leidet. Irgendwann wird das Leid zur definierenden Eigenschaft des individuellen Lebensraumes. Die Schraube des Stresses bohrt sich wie eine Zecke in das Blut dieses Irrweges und nährt sich. Wird größer und praller. Wenn der See der Stimmung gekippt ist, finden die siechenden Wasser über tausende tentakelnde Wege ihre kapilarischen Abwege. So manche Belastung sickert dabei in den umgebenden Grund und taucht als Quellwasser wieder auf. Doch mehr und mehr läuft der kloake Sud über den schwammvollen Boden, macht Strecke und erreicht den nächsten menschlichen See.

Der Dreck wird zum Ebola einer ganzen Region. Und inmitten von Dreck gibt es keine biotopen Selbstreinigungseffekte mehr, die wirkungsvoll Einfluss nehmen können. Doch die Systeme geben sich gelassen. An der Oberfläche. Was kann man gegen den Verschmutzer Stress unternehmen? Seine Existenz versuchen zu minimieren, wo immer er sich fliessend zeigt? Sysiphos! Denn schon der Quell ist kontaminiert.

Die Schleusen schließen, durch die er seuchenartig Einfluss nimmt? Phönix! Denn wie er aus der Asche Dunkelheit und Staub emporsteigt, wird nur der Schleusenschluss mit hellem Duft den Gestank der Verseuchung eindämmen. Das Menschen auf den Schleusen stehen und die Spindel drehen, an der Schleusenschließung arbeiten, muss zuerst als Hilfe verstanden werden. Nicht als kontraenergetisches Drehen, das Energiefluss verhindert. Geduld, im Stress natürlich ein viel zu ruhiges Gefühl, wird abverlangt, weil Schleusenverschluss großer Ausdauer bei so feinen Gewinden bedarf, deren Effektivität nicht in der Geschwindigkeit, sondern in der Kraft liegt.

Und drehen!

(DIN A4 Gedanken sind Wortübungen rund um ein Wort, eine Beobachtung, einen flüchtigen Gedanken, eine erlebte Zumutung oder ein überragendes Ereigniss. Manchmal auch nur Ventil für ein zu reges Gehirn. Nie real. Und wenn doch, dann dramatisch überhöht. Bei 12 Punkt Schriftgröße und einem 1.5-fachen Zeilenabstand maximal eine DIN A4 Seite lang. Sinnlos. Und das ist der Sinn.)

Post to Twitter Tweet This Post

Abgelegt unter Konsorten denken DIN A4 Gedanken | Keine Kommentare

DIN A4 Gedanken: Spieß

Jörg Kremer am 26. Januar 2010

Der Spieß durchdringt Fleisch, Frucht und Leben.

Geradlinig und spitz im Falle der Fleischdurchdringung. Meist als Achse des Geschehens. Waagerecht als Seele des Schaschlik oder als finaler Stoß durch ein lebloses Geflügel. Waagerecht auch für den Einsatz auf dem Rummel im Schokoladisierten, gern auch in rot gesüßten, in kleinen Kicker-Mittelfeldreihen aufgereihten, Trauben und Bananenstücken.

Der Spieß liebt das spießige, ordnende Leben im unbeachteten Mittelpunkt kulinarischer Kleinode. Wie sonst ließe sich erklären, dass ein jeder sich so ungern von seiner umgebenden Last befreien lässt. Die Versuche enden meist in Flugvorführungen von Dingen, die niemals zum Flug geeignet sind, zumindest nicht in diesem zerkleinerten, spießgerechten Zustand.

Der spießige Höhenflug ist nur eine semantische Ebene vom spießigen Bodensatz entfernt, den wir als Lifestyle gerne belächeln. Der hohe Flug endet immer dort, wo der Spieß sich am wohlsten fühlt. Unten. Am Boden. Klein denkend wird sich der Spießer gegen das Wort Boden verwahren. Boden ist für ihn nicht die Basis des Wohnens, des Lebens und einer Tasse. Boden ist ein unreiner Zustand. Boden muss deshalb immer kaschiert werden.

Eine Brücke leicht diagonal und gerne auch mal an der Schwelle zwischen zwei Zimmern. Der Läufer als Aufmerksamkeitsstartbahn zu den Stollen der Schrankwand mit eingelassener, beleuchteter, oben spitz endenden Vitrine. Teppich auf Fliesen. Schlingenware auf PVC auf Estrich. Und plötzlich ist alles Boden. Spitzendeckchen drauf, Tagesdecke drauf, Emailledeckel auf die Herdplatten, Hüllen auf wetterfeste PVC-Stapelstühle, den Mantel der Verschwiegenheit über das Leben.

Als wenn dieses abgedeckte Leben Begehrlichkeit wecken könnte. Spieß ist nicht ein Ziel. Spieß ist eine unvermutete, nicht ausgeschilderte Sackgasse, die jedes Ziel unerreichbar macht. Sie rückt das Anfassbare, dann das Denkbare, in unerreichbare Ferne. Mit dem Wissen um diese Entfernung zu allen Alternativen beginnt die Ablehnung eben dieser im Sein und im Denken. Irgendwann ist die Welt so klein, dass man sie überblicken und ordnen kann. Nur in dieser kleinen Welt ist Ordnung beherrschbar. Und so wird sie zur Großleistung stilisiert.

Achtung. Stramm gestanden. Ach ja, dieser Spieß durchdringt Körper und Geist – körperliche Ablehnung.

(DIN A4 Gedanken sind Wortübungen rund um ein Wort, eine Beobachtung, einen flüchtigen Gedanken, eine erlebte Zumutung oder ein überragendes Ereigniss. Manchmal auch nur Ventil für ein zu reges Gehirn. Nie real. Und wenn doch, dann dramatisch überhöht. Bei 12 Punkt Schriftgröße und einem 1.5-fachen Zeilenabstand maximal eine DIN A4 Seite lang. Sinnlos. Und das ist der Sinn.)

spanferkel-spiess-spiesser

Erweiterter Spieß: Ein spießiges Bild von der Grill-WM in Pirmasens. Wie sieht Spießiges dann bitte unterhalb des WM-Niveaus aus. Ich möchte es nicht wissen!

Post to Twitter Tweet This Post

Abgelegt unter Konsorten denken DIN A4 Gedanken | 2 Kommentare

Nächste Einträge »