Für uns und Sie eine anstrengende Woche. Das hat geistige Mobilität verlangt und erschöpft. Diese Woche soll anders werden. Muss anders werden. Wir widmen uns in dieser Woche dem Banalen und Immobilen. In Zeiten, die ohne das Wort mobil nicht auszukommen scheinen, ist das Wort immobil fast mittelalterlich. So traten die Immobilienprojekte auch über Jahrzehnte auf. Wie klappernde Ritter – Klappern war man vom Handwerk gewohnt – klapperte man einfach etwas lauter und war der Meinung der Weisheit letzten Schluss in Stein und Mörtel verewigt zu haben.
Warum sich dies plötzlich änderte und mit welchem Ergebnis, darüber werden wir in dieser Woche schreiben. Auch wagen wir einen Blick in die Zukunft und auf das Potenzial, das noch ungenutzt ist, warum Schätze nicht gehoben werden, wenn die immobile Branche Projekt um Projekt ausschachtet. Natürlich wird der Konsortenansatz in der Immobilien-Kommunikation nicht fehlen – das Neuro-Immobilien-Marketing mit der einzigartigen Lizenz zum Werteschöpfen.
Mitdenkerin und Mitautorin zum Thema Immobilien-Marketing wird Sibel Naric sein, die für die Kommunikation bei Corpus Sireo verantwortlich ist. Es ist die erste Co-Autorenschaft und wir freuen uns sehr darauf. Könnte dies doch der Anfang sein für die Einbindung weiterer Gastautoren bei Kremer und Konsorten.
Und was soll das Banale sein? Themen, die völlig ungeplant jeden Tag an die Oberfläche gespült werden. Hier bei uns, bei Ihnen, in der Nähe oder der Welt. Werbung, Gesellschaft, Märkte und Produkte. Jedes Thema für sich oder im konzertanten Zusammenspiel. Hier, auf facebook oder auch auf twitter.
Es wird eine wilde Woche…
Wenn Ihre Woche nicht wirklich wild zu werden droht, im Sinne guter, erfolgreicher, begeisternder Kommunikation, kennen Sie ja ein paar Konsorten, die das leicht für Sie erledigen.
Jetzt die Tagesschau und dann direkt der 3. Tag der Konsorten-Klassiktage der Kommunikation. Heute empfehlen wir ein etwas offizielleres Outfit und einen schweren, roten Wein zur Primetime bei Kremer und Konsorten.
facebook, xing und twitter waren die Plattformen, auf denen wir Statements zum Thema ”Konsorten-Klassiktage der Kommunikation” gesammelt haben. Nach den Statements von Ines Arntz und Markus Walter, ist es heute das Statement von Claudia Boss, mit dem wir uns in das Thema stürzen möchten.
“Könnte jetzt über die sinnliche Erfahrung berichten, über den lackgestrichenen Umschlag des neu produzierten Kataloges zu streicheln. Über das immer wieder faszinierende Erlebnis in der Druckerei vor der Maschine zu stehen und 100tausendfach die eigenen Ideen an sich vorbeifliegen zu sehen. Merkt man, dass ich mit Leib und Seele Versandhandels-Marketer bin?!
Doch genug der Schwärmerei über greifbare Werbung! Für uns gilt: Katalog, Mailing etc. sorgen für BedarfsWECKung – das Web für BedarfsDECKung. Eine äußerst geniale Verbindung! Weg von großen dicken Wälzern, hin zu kleinen schnellen Mailings. Und: Für alle Budgetgeplagten – man spart immense Portokosten. Freie Budgets, die man dann digitalisieren kann, aber nicht muss…”
Kurz: Digital ist praktisch, analog ist sinnlich. Aber es gibt eine friedliche, gar produktive Koexistenz. Und beide Welten machen den JOb, den sie am besten können. Oder ist das auch ein Generationsfrage? Werden wir in Zukunft ähnlich sinnlich empfinden, wenn wir nur noch digital kommunizieren? Betrachtet man die Generation nach uns, scheint sich das Blatt, chlorfrei gebleicht natürlich, vollends Richtung 1 und 0 zu wenden. In den Augen meiner Töchter scheint eine Form von Sinnlichkeit zu blitzen, wenn iPhone, MacBook und alle üblichen Verdächtigen ADressen darauf erreichbar und bedienbar sind. Gut, das iPHone kann man streicheln, wenn man es bedient. Ein Erklärungsansatz, nicht mehr.
Unsere Generation (Rand-Babyboomer) bekommt, nach langer Erarbeitungszeit, heute den aktuellen Katalog von Hermes zugeschickt, riecht daran, fühlt die Seiten, ergötzt sich an der Aufmachung und den wirklich überraschend kreativen Inszenierungen. Die Sinnlichkeit kann man am Lächeln messen, das uns für Stunden zeichnet.
Inspiriert durch die Kampagne der Handwerker Deutschlands, die ausnahmsweise mal in die Nähe des Wortes gefällt kommt, haben wir uns vorgestellt, alle analoge Werbung oberhalb und unterhalb des Werbeäquators sei weg! Zack!
In den Regalen und auf dem Schreibtisch fehlten die Beispiele herausragender Analogkommunikation, die zur Ästhetisierung des Rundblicks wesentlich beitragen. Auf der Straße fallen Wände und Mauern auf, die über zig Meter grau sind. Im besten Fall. Gerne auch schlicht dreckig. Hat uns von dort nicht gestern noch eine junge, schöne Frau angelächelt? Konnten wir daneben nicht einen Traum in Erfüllung sehen, der jetzt unerfüllt bleiben wird? Später stehen junge Frauen an unbeleuchteten Haltestellen, fürchten sich. Das Mobiltelefon in der Tasche macht sie sicherer, aber den Moment nicht schön! Im Kino beginnt direkt der Hauptfilm und man merkt, dass Werbung auch Kunst war. Am nächsten Tag sind 50% aller Museen geschlossen. Das fehlende, analoge Werbegeld hat die sonst weiten Flügeltüren geschlossen. Die Kinder kommen nach Hause, weil der Sportverein schließen musste. Es gäbe kaum Zeitschriften mehr, die einen von der Toilette, über Frühstückstisch, Buss, Bahn, Flugzeug und über das Sofa bis zum Bett begleiten könnten, dies alles bunter und ästhetischer zu gestalten. Die es gäbe, wären unendlich teuer oder unsäglich langweilig. Wer würde unsere TRäume bebildern, wer die Sehnsüchte für das Gemeinwissen formulieren? Wer würde sich der Zustände bedienen, sie benutzen, um sie uns vor Augen zu halten. In den ästhetischen Bildern der analogen Werbung?
Das alles gäbe es nur digital und würde nur unsere Hosen-, Jacken-, Manteltaschen, Hand- und Reisetaschen innen schöner machen. Dort, wo das Smartphone der Zukunft sein Zuhause hat. Digitale Werbung schafft eher innere Werte. Intime, die man an- und ausschalten kann.
Oder steht hier bei uns an der Grafenberger Allee demnächst ein Beamer, der Werbung auf das Haus presst, auf weiße Wolken, die zu Leinwänden der Wünsche werden, auf die vorbeifahrenden, unbedruckten Straßenbahnen und auf uns? Hängen wir Displays an die Wände und lassen uns mit “google home Ads” die Wohnung ästhetisieren? Irgendjemand registriert alles von uns und lässt überall wo wir sind, die Bedürfnisse befriedigen. Auf der Wand, der Straßenbahn und der Wolke über uns! Fragen Sie nicht nach der Technik. Geht alles und auch schon jetzt.
Man bekommt dann auswechselbare Oberflächen für die Displays. Haptisch und olfaktorisch variierend. Hallo Schatz, schaumal, unsere Wohnzimmerwand ist jetzt ganz rauh und duftet nach Bruchstein. Nein, wie romantisch Schatz. Und dann taucht eine Werbung für Fetischartikel auf dem Display auf. Eine Frau mit Handschellen an eine Bruchsteinmauer gefesselt. Langsam weicht die Angst vor der digitalen Werbewelt auch bei Ihnen? Wir haben uns das gedacht. War das Thema doch immer schon der Treiber für neue Kommunikationsformen. Hätten wir nicht Kriege und Sex, hätten wir nicht das Internet von heute.
Zurück zum Lack des Umschlages vom Katalog von Claudia Boss, den sie so gerne zu streicheln und zu riechen scheint. So wie sie das eine und das andere liebt und schätzt, das Digitale und das Analoge, schätzen auch wir es. Wir sollten nicht weiter zwei Lager pflegen, die Kommunikation wieder an Spezialisten aufteilen, um irgendwann zu erkennen, dass nur das Zusammenleben, kreativ und intelligent, der beiden Kommunikationswelten, der Weisheit letzter Schluss sein wird.
Schluss mit der Diskussion um die Pole und den Äquator der Kommunikation. Morgen widmen wir uns der “alten” Werbung und dem Phänomen der Erinnerung und Verinnerlichung dieser künstlich geschaffenen Welten, um uns am Freitag im Schlussbeitrag der “Konsorten-Klassiktage der Kommunikation” der völlig freien Assoziation hinzugeben. Final, fanal und fidel.
Gute Nacht!
Heute mit einer sensationellen SpaceNight von 1997.
Nach der Tagesschau kommt noch schnell die Wetterkarte und dann direkt der 2. Tag der Konsorten-Klassiktage der Kommunikation. Wein, Bier, Schnittchen, Beine hoch und…viel Spaß.
Über facebook, xing und twitter hatten wir um Statements zu den Konsorten-Klassiktagen der Kommunikation gebeten. Neben vielen kurzen Statements erreichte uns auch das von Markus Walter, Geschäftsführender Gesellschafter der Walter Visuelle PR GmbH. Wir veröffentlichen seinen Beitrag als “Faustkampf” Mann gegen Mann.
Markus Walter: “Die „Alte Werbung“ gibt es nicht – klassische Werbung hat in der Gegenwart eine Lebensberechtigung. Der Mix macht’s – nämlich der Mix aus klassischen Maßnahmen und Social Networks… Wichtig ist es, für jedes Unternehmen zu analysieren, wo und wie man seine Zielgruppe erreichen kann. Die Antworten werden sehr individuell ausfallen, und daher müssen auch Marketingaktionen sehr individuell sein. Eine wichtige Empfehlung aus meiner Sicht ist es, auf keinem der Marketingkanäle mehr stumpfsinnige Werbeparolen abzuspulen oder Ideen 1:1 abzukupfern, wie es viele andere tun.
Kremer und Konsorten: Der klassischen Werbung eine Lebensberechtigung zuzusprechen, ist Wertung genug. Vor nicht langer Zeit hat man diese Lebensberechtigung noch dem Internet zugesprochen. Das ist ein handfester Paradigmenwechsel.
Dass Kommunikation sich im Stil dramatisch verändert hat, war Thema des 1. Tages der “Konsorten-Klassiktage der Kommunikation”. Konnte man früher einfach stumpfsinnige Werbeparolen senden? Oder haben wir das gar nicht so empfunden? Waren Erwartung und Anspruch bei Sender und Empfänger anders? Dass heute stumpfsinnige Werbeparolen nicht mehr funktionieren ist aristotelischer Common Sense. Ausser, man setzt dazu eine klare Gegenposition und kultiviert die stumpfsinnige Parole bis zum Exzess (Media Markt). Doch das erfordert Mut oder Potenz – am besten beides.
Markus Walter: “Woran man sich orientieren sollte, ist dass der persönliche Dialog und die Interaktion immer wichtiger werden - eine Folge der Social Networks, die man aber auch auf herkömmliches Marketing übertragen kann. Vorteil der digitalen Gegenwart ist für eine zielgerichtete Interessentenansprache, dass potenzielle Kunden sehr viel schneller identifiziert sind und man zahlreiche Informationen im Netz über sie finden kann.
Kremer und Konsorten: Drängen die neuen technischen Möglichkeiten so extrem in den persönlichen Dialog? Oder ist es der Wunsch der Menschen? Ist es ein Grundbedürfnis? Oder ist es eine Erscheinung? Werden wir uns nicht irgendwann verplappern? Ist es die Gier der Wirtschaft, alles wissen und haben zu wollen? Oder ist es die Lust des Menschen, alles geben zu können? Huhn oder Ei? Was war zuerst? Man muss das nicht beantworten und kann es einfach machen – exzessiv persönlich kommunizieren. Wenn man aber nach Antworten sucht, könnte man neue Wege erkennen, die in dem Geplapper des Mainstreams wieder unique sein können.
Markus Walter: “Dazu ein Beispiel: Ein Kunde (61 Jahre, Geschäftsführer eines IT-Unternehmens aber auch sehr guter Bekannter) hat kürzlich erzählt, wie er als Vertriebler früher - also so vor 30-40 Jahren - seine Kunden gewonnen hat. Nur kurz zur Erinnerung, damals gab es kein Internet… ;-) Tage lang hat er seine Zielperson „gescannt“ um Berufliches, wie auch Privates in Erfahrung zu bringen: Welche Systemlandschaft hat er, wann kommt und geht seine Sekretärin, was sind seine Hobbys, hat er Kinder, in welchen Vereinen ist er und so weiter… Sein Ziel war es, perfekt auf einen einzigen Anruf vorbereitet zu sein, um einen Gesprächstermin zu bekommen. Und diese Strategie ging damals wunderbar auf!”
Kremer und Konsorten: Das ist der “Kampf” Mann gegen Mann (gerne auch Frau gegen Frau). Da sieht man sich ins Gesicht, sieht das Leid oder die Freude. Erfolg und Niederlage sind anfassbar. Die Kommunikation heute, wenn man an das Mann gegen Mann-Bild anschließen möchte, ist eher eine Massenvernichtungswaffe. Freund und Feind kennen alles von einander, kennen sich aber nicht. Der “Kampf” wird anonym und erfährt zahlreiche Auswüchse.
Markus Walter: “Auch heute kann man Interessenten noch durch ein cleveres Vorgehen verblüffen. Gerne empfehle ich beispielsweise eine sogenannte „Edel-Akquise“. Hierfür wählt man z.B. 30 Unternehmen als Wunschkunden aus. Für die Recherche lassen sich zum Beispiel Xing, Foren, Blogs, Facebook etc. hervorragend nutzen. Ansprechpartner in den relevanten Positionen werden mit etwas Besonderem (vielleicht einem hochwertigem Giveaway) gezielt kontaktiert. Parallel kann man Aktionen über Printmedien mit Pressearbeit und Anzeigen und auch über Social Media gezielt begleiten.”
Kremer und Konsorten: Mann gegen Mann geht immer. Der Königsweg scheint es zu sein, das persönliche Kennen digital auf höchstem Niveau zu imitieren. Warum denken wir jetzt an Avatar? Warum war Avatar so erfolgreich? Das ist ein anderes Thema.
Markus Walter: „Richtig oder Falsch“, „1 oder 0“, „klassische oder digitale Medien“ oder ähnliche Kontrastprogramme gibt es im Marketing heute nicht. Scannt eure Zielgruppe (oder die Eurer Kunden), werdet kreativ und Ihr werdet Erfolge ernten…”
Kremer und Konsorten: Ja, so einfach ist das! Und jetzt ab aufs Feld. Ernten!
Welche Auswirkungen veränderte Werbeformen, so auch ein möglicher Rückgang klassischer Werbung, auf unsere Umwelt haben, diskutieren wir morgen.
Viertelnachacht! So, Ruhe jetzt. Klicken Sie auf das Video und nach der Tagessschau kommt direkt “Konsorten-Klassiktage der Kommunikation” Teil 1.
Was ist Klassik, wenn man von Werbung spricht? Genau, zuerst mal eine schicke Definition, damit wir alle wissen, worüber wir hier reden.
Für klassische Werber ist klassische Werbung “above the line”, kurz ATL. Es handelt sich um Werbung via Radio, TV, Kino, Print und Plakat. Alles andere ist “below the line”, kurz BTL. Und genau hier beginnt schon der Unterschied zwischen früher und heute. Denn in den Zeiten von 360 Grad-Werbung gibt es kein oben und unten. Faktisch. Gefühlt gibt es diese Unterscheidung auch heute noch. Wenn sich zwei Werber treffen und der eine textet gerade für einen TV-Spot, der andere für eine Image-Broschüre, entsteht abtrupt ein oben und ein unten.
Die Konsorten-Klassiktage beziehen sich aber nicht nur auf klasssiche Werbung als Definition einer bestimmten Werbeform, sondern auch auf die gute, “alte” Werbung insgesamt.
Es wäre noch zu klären, warum die Konsorten-Klassiktage überhaupt stattfinden. Damit die analoge Seite der Welt, des Menschen und des Lebens nicht im Strudel der Digitalisierung untergeht. Das das ausgerechnet dort stattfindet, wo man heute den digitalen Teufel oder Engel, je nach Sicht, vermutet, ist der gelebten Realität in der Kommunikation und dem Ursprungsmedium der “Konsorten-Klassiktage der Kommunikation” geschuldet.
Starten wir mit einem sehr kritischen Auszug aus einem Statement von Ines Arntz, das uns per facebook erreicht hat:
“…Das Resultat wäre, dass alte Werbung naiv war, lügen konnte und satt gemacht hat, insbesondere die Konten von allen großen Kürzeln dieser Zeit. Neue Werbung mag vielleicht mit Aufklärungsarbeit oder Sonderpädagogik vergleichbar sein. Dem Bauchgefühl zu Folge etwas Gutes, zumindest für alle diejenigen, die das Neue beherrschen.”
Sehen wir heute ältere Werbung, ATL und BTL, kommt nicht selten der Gedanke auf, das diese naiv war. Naive Sender haben mit naiven Empfängern kommuniziert. Aus heutiger Sicht fällt dann schnell das Urteil, man habe die Menschen früher schlicht und einfach im Sinne des Wortes über den Tisch gezogen. Schaut man sich Filme aus der Zeit an, hat man aber ein identisches Gefühl. Andere Zeitrn haben einfach andere “Sitten”. Der Markt wird immer mehr zum Verdrängungsmarkt und Werbung muss deshalb immer differenzierter werden. Kunden werden immer aufgeklärter und brauchen immer mehr Information, um den Absender als anbetungswürdig einzustufen. Und ist die Werbung archaisch, hat sie es heute auch deutlich schwerer, denn es gibt fast kein Sujet, mit dem man den Kunden noch total überraschen kann.
Der Gedanke, dass Werbung heute zur Sonderpädagogik und Aufklärungsarbeit mutiert, macht Spaß. Social Media klingt ja auch schon zart in diese Richtung. Lieber Kunde bitte zu Dr. Marke zum Einzelgespräch. Machen Sie sich schon mal ganz frei. Sie wollen nur reden? Egal, trotzdem ganz frei machen. Und vor dem Gespräch muss man irgendwo schon mal seine Kreditkarte durch einen Schlitz gezogen haben.
Das war in der guten, “alten” Werbung ganz anders. Da trafen sich zwei völlig Unbekannte über oder unter der Linie, aber selten direkt in der Intimsphäre des Kunden. Marken mussten buhlen. Heute müssen sie auf Augenhöhe plappern. Früher hatte man die Ehre von Sony angesprochen zu werden. Heute quatscht Sony mit uns. Einfach so. Marken wollen ja nicht mehr auf dem Podest stehen. Sie wollen gleich sein. Hey Marke, Du auch hier, cool. Erzähl mal. Ich habe mich vorher schon mal ausgezogen und mir die Kreditkartennummer mit rotem Lippenstift auf die Brüste geschrieben, LOL…
Nein, das ist kein Gesang auf die gute alte Zeit. Auch kein Lied für die Errungenschaften der Neuzeit. Es ist ein Kanon mit zwei Stimmen, die ein Lied singen: “Werbung ist immer ein Spiegel der Zustände, Befindlichkeiten, Wünsche. Träume und Ängste der Zeit.”.
Über den Text des Liedes werden wir morgen weiter philosophieren.
Liest man von den angeblich unglaublichen Erfolge der aktuellen cebit, erinnert einen das an die extrem gute gemeinte Berichterstattung zur letzten cpd. Alle merken, dass diese Messen keine wirkliche Bedeutung und Berechtigung mehr haben, aber man möchte das nicht so offen eingestehen.
Die digitale Welt tickt aber nicht mehr nach Messeterminen und auch die Modewelt ist schneller als jede Messe sein kann. Für die cpd in Düsseldorf sucht man schon das Leichenhemd und die passende Sargausstattung aus – denn auch das Aus soll modisch chick sein. Die cebit sträubt sich noch, doch folgt man den Echtzeiteindrücken auf twitter, gibt es wenig glorioses zu entdecken. Man darf gespannt sein, welche digitale Beerdigungszeremonie sich diese Messe gönnt.
Webciety ist der anspruchsvolle Versuch, der Zeit und veränderten Gewohnheiten gerecht zu werden. Eventuell sind es viele solcher Idee, die irgendwann das cebit-Monster ablösen. Sterben diese beiden Messen, stirbt eine titanische Messegeneration, die man über Jahrzehnte für unsinkbar hielt.
Außer man gönnt dem Messe-Siechtum wirklich neue Energie und gänzlich neue Impulse und nicht die abgegriffenen Anschubversuche einer etwas asthmatisch wirkenden Beraterriege, die schon bei zig anderen Messen Sargträger waren.
Auf den Turnierplätzen des Marketings erkennt man Kremer und Konsorten an diesem ritterlichen Wappen. Für den Erfolg der Kunden kämpfend. Mit den Werkzeugen für die Schaffung der schärfsten Waffen der Welt – Wort und Bild. Flügel besitzend, die die nötige Höhe für einen immer neuen und generalistischen Blick ermöglichen, um zu sehen, was andere noch lange nicht sehen. Den Apfel der Verführung kunstvoll führend. Bereit für kraftvolle Angriffe und kunstvoll vorgetragene Verteidigungen.
Die Konsorten laden Sie freundlich ein, sich einzumischen. Kommentieren Sie, diskutieren Sie, provozieren Sie. Aber bitte wahren Sie einen Stil, der unter unserem Wappen Platz hat und Ihnen nur zur Ehre gereichen kann.
Jörg Kremer ist Mitglied der Association for NeuroPsychoEconomics, Mitglied der American Marketing Association (AMA) New York Chapter und Mitglied im Marketingclub Düsseldorf