Wir hatten um Gasttexte zum 400. Artikel im Kremer und Konsorten-Blog gebeten. Eva Ehrig, Wortfrau im professionellen Sinn, hat uns die Ehre gegeben.
Neulich oder bald, ein sonderbares Tete-a-tete im Café Rekord – was bitte machen die beiden denn da? Tischen alles wieder auf? Lassen sich selbst retrokulinarisch alles nochmals auf der Zunge zergehen? Kitzeln ihre Gaumen mit längst legendären Köstlichkeiten?
Ach, das sind ja die Konsorten – die machen doch in Worten: üppige meistens / manchmal geradezu sündhaft hochkalorische / selten nachsichtige Schonkost / Vollwert immer / süß bis sauer / auch hot and spicy / haute cuisine oder deftig, saftig, ausufernd vollmundig / richtig schwere Kost / wenn nicht leicht & lecker (schwimmt das auch in Milch?) / fast food mal so für zwischendurch / Konservierungs-, Bitter-, künstliche Farbstoffe ausgeschlossen / Rekordbodenhaltung garantiert / ebenso echte Aromen / handschriftverlesen / feinsäuberlich abgeschmeckt (die Variante mit a niemals, das ist dann ein Tippfehler, aber die kommen nicht vor, oder) / klassisch geht auch / manieriert und blumig, oh ja / experimentell erst recht / avantgardistisches mikro- oder makrodingsbums, wie heißt das noch, wenn alles so schön spektakulär raucht und schäumt und schwelt und staunt / don’t try this at home / so kunstvoll, so gewagt / so fein, so appetitlich provokant / zum Lutschen, Schlecken, jetzt zerbeiß ich’s / die Reste in die Doggybag, für später / vegetarisch – ja, auch / oder lieber was Substanzielles, medium oder blutig, zum Zähne Reinhauen auf eigene Gefahr / für die Pointe auf Wunsch auch mal ’nen Extrateller / Oh, das herrliche Gefühl, das ist extra für mich angerichtet, hübsch verziert, zum sofortigen Verzehr aufgetragen / so schön vertraut und immer neu und frisch, verführerisch / Verfallsdatum unbekannt / Risiken und Nebenwirkungen niemals ausgeschlossen / Haupt-, Zwischen-, Lieblingsmahlzeit / echt gepflegtes Wortgut to go, to eat or simply to read / ein Hoch auf Mutter und ihre Sprache / yummy yummy yummy usw. / wie gerne hätte man sich das selbst zubereitet und auf die verwöhnte Zunge gelegt, doch nein, I eat my words, das nehm’ ich zurück, denen kommt ja kaum etwas gleich, den erlesenen Worten vom Kremer und seinen Konsorten…
Und dann noch ganz exklusiv drei eben erst erfundene Konsorten-Witze:
Wie beschimpft ein Konsorte den anderen, wenn er richtig sauer ist: „Du blöder Idiom“
Besaufen sich zwei Konsorten im Café Rekord und rufen sich ein Syntaxi.
Was ruft ein Konsorte dem anderen zu, wenn er sich einsam fühlt: „Ej, komma!“
Herzlichen Dank für die Worte. Wir haben uns über den Gastkommentar sehr gefreut.