Kelly: “Es ist krank.” Kremer: “Ich will krank werden.”

Erinnern Sie sich noch an die Kelly Family? Man hat sie entweder geliebt oder gehasst. Die Familie war speziell, die Musik zuweilen auch. Die Outfits erinnerten an mittelalterliche Jahrmarktfeste und die Attitüde unterstrich das. “I wish I were an Angel” schien haarverlängernde Wirkung zu haben.

Vater Kelly hat, ganz der mutige Ire, als erster den großen Musik-Labels eine Absage erteilt und ein eigenes Label gegründet. Was heute normal ist, war damals unanständig. Der Geschäftsführer dieses unanständigen, rebellischen Familienunternehmens Kelly wurde Joey Kelly.

Dieser Joey Kelly hat gestern vor 500 Kunden einen Vortrag bei der Firma Bär in Bietigheim-Bissingen gehalten, bei deren Sommerfest Konsorte Kremer als Moderator aktiv war. Joey Kelly ist still, dezent und doch erscheint er hellwach. Er strahlt eine innere Bereitschaft aus, zuschlagen zu können, wenn Glück in fast greifbarer Nähe, doch für “normale” Menschen unerreichbar scheint. Eine sympathische Bereitschaft, die nicht Angst macht, sondern lockt.

Er lockt in seinem Vortragt mit der Magie der Grenzerfahrung auf dem Weg, der Ihn vor dem Glück auf und ab laufen lässt, um es nicht zu verpassen, wenn es wohlgestimmt ist und sich zeigt. Er lässt alle Zuhörer Schmerzen leiden, Verzweiflung fühlen und löst am Ende jede Geschichte aus den Randbereichen menschlicher Leidensfähigkeit, mit einem positiven Gefühl auf. Joey Kelly, der Zeit seines Lebens immer und überall an die Grenzen gegangen ist. Als Kind gehen musste und später, Grenzerfahrungen gewohnt, gehen wollte, schafft es, seine offenen, blutigen Fußsohlen von einem Rennen in über 50 Grad Hitze, in einen positiven Impuls umzuwandeln, der den Zuhörer rennen lässt, bis er blutet.

Als Moderator hat man nach einem derart explosiven Vortrag, der mit Geschichten durchtränkt ist, die Joey Kelly nach einer Stunde glänzend im Gesicht stehen, keine Möglichkeit, gut zu sein. Jedes Wort würde schwach und albern wirken. Konsorte Kremer hat sich nur bedankt. Danke Joey Kelly.

Immer ans Limit zu gehen, ist ebenso falsch, wie der Versuch, jeder Erfahrung konsequent auszuweichen. Ideologisierte man Kellys Botschaft, würde man sie schwächen, lässt man sie einfach immer wieder mal zu, hilft man sich selbst und wird Joey Kellys Absichten am ehesten gerecht.

Denn am Ende sagt er, nein er schreit es: “Macht es nicht nach. Es ist krank und kann krank machen.”

Man nickt schnell und gerne, um dann sofort die Hand wieder auszustrecken, sie mit großer Gelassenheit erneut auf die glühende Herdplatte der Idee “no limits” zu legen, die man nach dem Vortrag in sich trägt.

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