Make my Day. Die andere iPad-Betrachtung. Teil 5

Die großen Innovationen unserer Zeit, das sagt man so, obwohl keine Zeit nur uns gehört hat, waren zuerst nur einer begrenzten Anzahl von Menschen zugänglich. Denen, die davon erfuhren, denen, die sie verstanden haben und denen, die sie bezahlen konnten. Hatten diese Innovationen diese Hürden übersprungen, war der Weg in die Masse frei.

Es gab in unserer, aber auch lange vor unserer Zeit, immer schon die, die gegen sogar sinnvollste Innovationen Sturm liefen. Nehmen wir das Rad. Die Kräftigen, die davon lebten, den Schwachen tragen zu helfen und davon lebten, waren bestimmt nicht begeistert, denn sie verloren ihre feste Position in der Gesellschaft. So hatte das Rad sicher auch Feinde. Kräftige Feinde. Die Dampfmaschine, Autos, Flugzeuge und Schiffe, Radios und Fernseher, selbst die Elektrische Straßenbeleuchtung, sie alle hatten Feinde. Heute haben diese Errungenschaften auch noch Feinde, aber nur deshalb, weil sie zu viele Freunde haben.

Das iPad ist nicht das Rad. Aber es ist Dampfmaschine, Auto, Flugzeug, Schiff, Radio und Fernseher. Diese Errungenschaften haben allesamt nicht nur den einzelnen Nutzer des Produktes erfreut, sondern gesamtgesellschaftliche Veränderungen herbeigeführt. Das hat bei keinem dieser Innovationen das erste Produkt dieser Art geschafft. Die mussten alle die Hürden in Köpfen, Herzen und Portemonaies überspringen und sich dafür evolutionär weiterentwickeln.

Der erste „Volks-iPad-Clon“ wird uns bald ereilen.

Apple hat mit dem iPad ein Produkt in den Markt gebracht, das den Computer-, und Kommunikationsmarkt und dadurch die Gesellschaft in kürzester Zeit völlig verändern wird. Schon jetzt gibt es mindestens 10 Großkonzerne, die ihre iPad-Killer schon mit festen Terminen angekündigt haben. Diese Killer sollten sich besser Kuschler nennen, denn sie kuscheln sich an das iPad und dessen Attraktivität und mühen sich, jenseits des Sex Appeals des iPads, mit mehr Technik oder geringerem Preis um Masse. Und die wird folgen. Die Prognose: Nächstes Jahr gibt es ein Volks-Pad.

Der Chef vom Springer Verlag, der die Digitalisierung der Verlagsleistung liebt und forciert, liebt auch das iPad als Gerät und Gerätegattung. Was liegt da näher, als die Masse möglichst schnell mit dem bestmöglichen Kommunikationsgadget auszurüsten?Nichts! Mit BILD-mobil hat Springer es vorgemacht und kann kaum anders, als dies mit einer iPad-Idee zu wiederholen. Und Herr Döpfner wird damit sein Gehalt von 11 Millionen Euro nicht nur halten können, sondern sogar erhöhen. Es sei ihm gegönnt, denn er hat die Weitsicht, das Geld und das Herz, die Innovation iPad früh und schnell massenhaft zu verbreiten.

Es wird eine Elite geben und die wird den Apfel im Zeichen führen.

Apple hat Dank des eigenen Markenimages und des großen, frei verfügbaren Budgets die Vorreiterrolle übernommen, wird anderen den Massenmarkt überlassen und in einer über Image und Preis definierten Elite wirtschaftlich am erfolgreichsten sein. Um was daraus zu machen? Den nächsten Schritt in der Entwicklung. Es kommt der Tag, da wird der Papst Urbi et Orbi vom iPad ablesen, der amerikanische Präsident seinen Amtseid auf die iBook-Version der Bibel schwören und die Hure eine animierte und animierende Preistafel neben ihrem Barhocker in St. Pauli stehen haben. Die DAX Vorstände werden Unternehmen und Börsen per iPad lenken und damit durch den Verkehr der Zukunft geleitet werden.

Warum denn nicht mit dem iPhone? Damit auch, doch bedenkt man die Alterung der Gesellschaft, wird sich so mancher für mehr Sichtbarkeit entscheiden, wenn er sich sein mobiles Gadget auswählt. Eventuell ist dann das Mobiltelefon nur noch so ein kleines Minigerät, dem heutigen Bluetooth-Headset gleich, das mit dem iPad verbunden, ein geniale Telefonlösung sein könnte.

Das Schwierigste ist das Einfache.

In einer Welt, in der ein Überangebot an Information und Technik unser Leben beherrscht, werden die gewinnen, die Informationen am intelligentesten individualiseren und filtern können und es werden die erfolgreich sein, die dafür die besten Endgeräte herstellen. Das sind nicht die Geräte, die in den Computerfachzeitschriften im Leistungsvergleich in Laborumgebungen punkten. Es werden die Geräte sein, die sich diesem Labor durch eine völlig andere Konzeption komplett entziehen. Was hat man vom schnellsten Computer, wenn man erst 3 Minuten braucht, bis dieser seinen Job machen kann. Was hat die Masse von Geräten, die alles können, dies aber nur 10% der Nutzer beherrschen? Im Gegensatz zu den klassischen Markteintritten, die neue Technik immer für wenige zugänglich machen und diese dann in die Masse sickern lassen, geht das iPad den umgekehrten Weg. Es beginnt auf einem Level einer für die Masse absolut beherrschbaren Technik und wird die Technik-Elite nach und nach mit dem versorgen, was diese braucht. Sich den Bits und Bytes zählenden Labor-”Mäusen” und -”Ratten” mit breiter Brust auf diese Weise zu stellen, Ihnen ihre geringe Wichtigkeit für die Zukunft zu zeigen, macht diese natürlich nicht glücklich und stimmt die Horde nicht positiv dem iPad gegenüber ein. Aber so und nicht anders ist das mit diskontinuierlichen Innovationen.

Größe braucht einen feinen Charakter.

Die besondere Aufgabe, der Apple sich stellen muss, ist die, dass man es der Marke nicht anmerken darf, dass sie zur Massenmarke wird. Man darf der Marke Apple auch die Macht nicht anmerken, die sie zweifelsohne haben wird. Hier wird der Charakter der Denker und Lenker von Apple bis auf das Äußerste gefordert sein. Mr. Jobs muss Substanz aufbauen, die auch für eine Zeit nach Jobs noch lange reichen wird. Es wird spannend sein, dies zu verfolgen. Besonders dann, wenn man Apple schon aus den Anfangsjahren der Marke kennt und über Jahrzehnte jedes Jahr zu David gehalten hat, wenn wieder irgendein Goliath Apple hat schlucken wollen.

Nur wer vorne ist, wird gejagt.

Der Buchmarkt, der Verlagsmarkt, der Musikmarkt, der Werbemarkt, der Spielemarkt und der Mobilmarkt werden von Apple mehr oder weniger starkt beeinflusst und sogar beherrscht. Jetzt schon, oder sehr bald. Allen, denen das erst zu spät aufgefallen ist, ist dies eine ganze Dornensammlung im Auge. Dabei hatten mehrere Big Player die Chance in diesen Märkten groß zu werden, haben diese aber nicht genutzt. Ich persönlich bin darum sehr froh, denn man muss sich mal vorstellen, Microsoft wäre jetzt in der Position von Apple, oder jeder beliebige andere Großkonzern aus diesem Umfeld. Wir könnten nicht so sorglos unsere Computer ans WWW hängen, hätten keine so gut auf einander abgestimmte Soft- und Hardware, müssten uns mit unsäglichem Design und sicher sehr kryptischen Produktbezeichnungen quälen. Da sind wir bei Apple in den zur Zeit sicher besten Händen.

Jeden Tag wird eine Jagd gegen Apple eröffnet und eine schon eröffnete wieder abgebrochen. Wir, die wir um das große Denken und das Handeln von Apple mit der Sicherheit wissen, die uns die Vergangenheit gelehrt hat, genießen dies mit einem milden Lächeln. Gibt uns das doch die Sicherheit, mit dem richtigen Brand in Verbindung zu sein. Mit denen die vorne sind, denn nur die werden gejagt.

Sie können mental mit uns vorne weg laufen und von Zeit zu Zeit einen Kläffer mit dem iPad vom Hosenbein scheuchen, oder Sie gehen mental in die Reihen der Kläffer zurück, die uns atemlos folgen.

Hier geht es zu Teil 1,  Teil 2Teil 3Teil 4 und Teil 6.

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