Guten Montag!
Männliche Leser zucken bei dem Wort Prokrastination instinktiv zusammen. Die phonetische Nähe zur Beendigung der Männlichkeit ist beim ersten Anschein einfach zu groß. Mann kann aber ganz locker bleiben. Es geht bei Prokrastination um das Phänomen des “Aufschiebens”. Selbst wenn dieses Wort Mann gefährlich werden könnte, käme es nicht dazu. Denn es würde ständig aufgeschoben.
Das Wort erfährt in gewissen Kreisen eine unglaubliche Beliebtheit, weil man mit einem intellektuell angehauchen Begriff, den zudem kaum einer direkt versteht, zum Ausdruck bringen kann, dass man eine Störung hat, die zu einem negativen Aufschiebeverhalten führt. Vulgo: Nix wird fertig!
Wer sind die gewissen Kreise? Alle, die viel reden und wenig handeln. Diejenigen, die nur Pläne, aber keine Taten kennen. Es sollen 20% der Bevölkerung sein! 20 Millionen Deutsche? Jeder Fünfte? Eins, zwei, drei, vier… ja, auch der, an den Sie gerade dachten. Und wie viele haben jetzt gezählt und sind bei Ihnen hängen geblieben? Sie müssen aber keine Furcht vor den Abzählreimen entwickeln. Denn es ist keine Prokrastination, wenn man mal schwächelt. Das macht jeder mal. Prokrastination nennt man ein Verhalten erst dann, wenn es komplett kontraproduktiv, überflüssig und verzögernd ist.
Wenn Sie in der nächsten Woche nach etwas gefragt werden, was noch nicht fertig ist, antworten Sie einfach damit, dass Sie gerade prokrastinieren. Der eine oder andere wird Ihnen kondolieren wollen, mancher nickt betroffen und sagt, dass man es sich leider nicht aussuchen kann. Alle, die das hier gelesen haben, lächeln Ihnen ins Gesicht und mahnen einfach zu größerer Eile.
Prokrastinieren Sie mal lustvoll. Setzen Sie das Wort mal ein. Sie werden an Ihren und den Aktivitäten Ihrer Umwelt größten Spaß haben.
Ihnen eine phantastische Woche.
Uns interessiert, wie Sie darüber denken!