Konsortenwort zum Montag: Individuelle Werbung führt zu Kulturverlusten

Guten Montag!

Was waren das noch für Zeiten, als Werbung zum größten Teil für alle sichtbar war? Gute Zeiten, denn Werbung ist auch ein ästhetischer Wert, der das gesellschaftliche Leben nicht unwesentlich durch ihre prominente Sichtbarkeit prägt. Mit der Zunahme und sicher zu erwartenden Verlagerung der Werbung auf individuelle, mobile Medien, wird Werbung an Öffentlichkeit verlieren. Kampagnengelder fließen in facebook, google, in die Mobiltelefone und andere mobilen Gadgets und die Kampagnen sind nur noch für den einen einzigen Empfänger sichtbar. Natürlich werden große Kampagnen immer mehrere Kommunikationskanäle nutzen und somit sichtbar bleiben. Aber diese Sichtbarkeit geht zurück. Man stelle sich vor, 70% der sichtbaren Werbespendings würden aus unserem Leben verschwinden. Eine in wenigen Jahren realistische Zahl. Ja, es gibt Stellen und Momente, wo das eine Erleichterung wäre. Die Gesellschaft würde aber auch eine nicht zu unterschätzende Form des gemeinsamen kulturellen Ausdrucks verlieren.

Natürlich ist dies nur ein Holzschnitt eines Szenarios, das unendlich viel komplizierter ist. Es ist aber ein schönes Thema für den Wochenstart, um Beobachtungen und eigene Taten daran zu reiben.

p.s.: Was ändert sich eigentlich für Marken und deren Wahrnehmung, wenn Werbung öffentlich unsichtbarer wird? Man stelle sich vor, der Nachbar ist ein “typischer” Mercedes-Kunde und wird individuell von dieser Marke massiv beworben. Man selbst ist ein “typischer” Skoda-Kunde und wird von Mercedes-Werbung gar nicht mehr erreicht. Weiß man dann überhaupt noch um die Magie der Marke des Nachbarn? Bleibt Mercedes dann eine starke Marke und begehrlich? Oder wird der Skoda für den Mercedes-Fahrer interessanter, weil es etwas ist, was er nicht kennt? Viel Spaß beim Weiterdenken…

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