Jetztheit, das multidimensionale und multimediale Erleben jedes Einzelnen in jedem Moment, ist ein gesamtgesellschaftliches Ereignis, das auch Auswirkungen auf die Arbeitswelt und Arbeitsweise hat.
Hatte man früher seine Arbeitsutensilien im Büro und dort in und um den Schreibtisch herum drappiert, kann man heute fast alles Wissen in einem kleinen, handlichen Computer bei sich tragen. Will man heute noch mal schnell etwas nachschlagen, kann man das im besten Fall sogar vom Mobiltelefon aus erledigen. Das Arbeiten, Denken, Schaffen und Erschaffen löst sich damit immer mehr von der Arbeitsplatte, dem Arbeitsplatz, dem Büro, dem Firmengebäude und natürlich auch von der normalen Arbeitszeit.
Es verwundert demnach nicht, dass in einer aktuellen Studie festgestellt wurde, dass kreatives Arbeiten nur in den seltensten Fällen in lokalem Zusammenhang zum Arbeitsplatz stattfindet. Die Optionen, genau dort nicht kreativ sein zu müssen, sind einfach zu groß geworden. Zur Jetztheit unseres Lebens gehört auch, dass wir bei der Arbeit leben und im Leben arbeiten. Mancher mag das als Last verstehen, sucht wieder nach alten Strukturen, um das Leben einfach und gut strukturiert zu halten. Das wird aber immer weniger möglich sein.
Die Tage, in denen Firmen keine Firmengebäude mehr bauen, in denen möglichst viele Schreibtische auf möglichst kleinem Raum stehen, sind bald gezählt. Unternehmen werden Räume für Kunden schaffen und die Mitarbeiter aus dem Leben heraus arbeiten lassen. Wenn es gut gemacht ist, kann es eine win-win-win-Situation werden, bei der alle profitieren.
Unsere aktuelle Jetztheit steht, obwohl sie für viele schon eine Überforderung darstellt, noch in den Kinderschuhen. Die werden dann irgendwann mal als Erinnerung am Rückspiegel des Lebens baumeln und in jeder Kurve des Lebens erinnernd hin und her schaukeln.

Pingback: Mobbing am Arbeitsplatz: Literaturanalyse mit Fallstudie | bernd-kracht.info