Viertelnachacht! So, Ruhe jetzt. Klicken Sie auf das Video und nach der Tagessschau kommt direkt “Konsorten-Klassiktage der Kommunikation” Teil 1.
Was ist Klassik, wenn man von Werbung spricht? Genau, zuerst mal eine schicke Definition, damit wir alle wissen, worüber wir hier reden.
Für klassische Werber ist klassische Werbung “above the line”, kurz ATL. Es handelt sich um Werbung via Radio, TV, Kino, Print und Plakat. Alles andere ist “below the line”, kurz BTL. Und genau hier beginnt schon der Unterschied zwischen früher und heute. Denn in den Zeiten von 360 Grad-Werbung gibt es kein oben und unten. Faktisch. Gefühlt gibt es diese Unterscheidung auch heute noch. Wenn sich zwei Werber treffen und der eine textet gerade für einen TV-Spot, der andere für eine Image-Broschüre, entsteht abtrupt ein oben und ein unten.
Die Konsorten-Klassiktage beziehen sich aber nicht nur auf klasssiche Werbung als Definition einer bestimmten Werbeform, sondern auch auf die gute, “alte” Werbung insgesamt.
Es wäre noch zu klären, warum die Konsorten-Klassiktage überhaupt stattfinden. Damit die analoge Seite der Welt, des Menschen und des Lebens nicht im Strudel der Digitalisierung untergeht. Das das ausgerechnet dort stattfindet, wo man heute den digitalen Teufel oder Engel, je nach Sicht, vermutet, ist der gelebten Realität in der Kommunikation und dem Ursprungsmedium der “Konsorten-Klassiktage der Kommunikation” geschuldet.
Starten wir mit einem sehr kritischen Auszug aus einem Statement von Ines Arntz, das uns per facebook erreicht hat:
“…Das Resultat wäre, dass alte Werbung naiv war, lügen konnte und satt gemacht hat, insbesondere die Konten von allen großen Kürzeln dieser Zeit. Neue Werbung mag vielleicht mit Aufklärungsarbeit oder Sonderpädagogik vergleichbar sein. Dem Bauchgefühl zu Folge etwas Gutes, zumindest für alle diejenigen, die das Neue beherrschen.”
Sehen wir heute ältere Werbung, ATL und BTL, kommt nicht selten der Gedanke auf, das diese naiv war. Naive Sender haben mit naiven Empfängern kommuniziert. Aus heutiger Sicht fällt dann schnell das Urteil, man habe die Menschen früher schlicht und einfach im Sinne des Wortes über den Tisch gezogen. Schaut man sich Filme aus der Zeit an, hat man aber ein identisches Gefühl. Andere Zeitrn haben einfach andere “Sitten”. Der Markt wird immer mehr zum Verdrängungsmarkt und Werbung muss deshalb immer differenzierter werden. Kunden werden immer aufgeklärter und brauchen immer mehr Information, um den Absender als anbetungswürdig einzustufen. Und ist die Werbung archaisch, hat sie es heute auch deutlich schwerer, denn es gibt fast kein Sujet, mit dem man den Kunden noch total überraschen kann.
Der Gedanke, dass Werbung heute zur Sonderpädagogik und Aufklärungsarbeit mutiert, macht Spaß. Social Media klingt ja auch schon zart in diese Richtung. Lieber Kunde bitte zu Dr. Marke zum Einzelgespräch. Machen Sie sich schon mal ganz frei. Sie wollen nur reden? Egal, trotzdem ganz frei machen. Und vor dem Gespräch muss man irgendwo schon mal seine Kreditkarte durch einen Schlitz gezogen haben.
Das war in der guten, “alten” Werbung ganz anders. Da trafen sich zwei völlig Unbekannte über oder unter der Linie, aber selten direkt in der Intimsphäre des Kunden. Marken mussten buhlen. Heute müssen sie auf Augenhöhe plappern. Früher hatte man die Ehre von Sony angesprochen zu werden. Heute quatscht Sony mit uns. Einfach so. Marken wollen ja nicht mehr auf dem Podest stehen. Sie wollen gleich sein. Hey Marke, Du auch hier, cool. Erzähl mal. Ich habe mich vorher schon mal ausgezogen und mir die Kreditkartennummer mit rotem Lippenstift auf die Brüste geschrieben, LOL…
Nein, das ist kein Gesang auf die gute alte Zeit. Auch kein Lied für die Errungenschaften der Neuzeit. Es ist ein Kanon mit zwei Stimmen, die ein Lied singen: “Werbung ist immer ein Spiegel der Zustände, Befindlichkeiten, Wünsche. Träume und Ängste der Zeit.”.
Über den Text des Liedes werden wir morgen weiter philosophieren.
Gute Nacht!

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