“Klickhure” – ein Satyrspiel

Jede Klickhure ist ein Rausch für die Sinne. Jede Synapse in den willigen Hirnregionen berührt sie mit den wissenden, gepflegten Händen einer Professionellen, lässt die Berührung hungrig und apokalyptisch erscheinen. Jetzt oder nie! Jetzt!

Sie lesen Klickhure und denken an Pornographie im Internet! Das enttäuscht. Enttäuscht? Denken Sie bei Hurenkindern auch an Pornographie? Hurenkinder sind lediglich ein schwerer handwerklicher Fehler eines Typographen. Sie sind ein Versehen. Klickhuren sind purste und niederträchtigste Absicht. Sie denken, Sie kennen keine Klickhure, weil Sie sich in solchen Milieus nicht rumtreiben? In dieses Milieu muss man nicht gehen, es kommt zu Ihnen. Ständig. Sie sind umgeben von Klickhuren und Sie sind deren Liebling.

Klickhuren haben die Gabe, immer genau das zur Schau zu stellen, wonach Ihnen der Sinn und die Sinne stehen. Die richtige Farbe, die perfekten Formen, sie haben den richtigen Spruch, um Sie selbst im eiligen Vorbeifliegen zu fangen. Honigsüß an der Oberfläche, kleben ihre Vorbeifliegflügel daran fest. Fest!

Die Klickhuren haben nichts drunter. Man merkt das nicht bei der ersten Berührung, erst wenn der Kontakt intensiver wird. Sie ahnen es, dann ist es ein Fühlen, man meint es sogar riechen zu können. Und der Duft hat etwas Sirenenhaftes, das Sie leicht aus den Tauen des Willens reißt, Sie der Hingabe haltlos auszuliefern.

Manchmal lauern Klickhuren bei Ihren Freunden, biedern sich an, geben sich klebrig freundschaftlich. Oder sie räkeln sich direkt vor Ihnen auf dem Schreibtisch, wirken willig und zeigen Ihnen alles. Sie kaufen ein, denken Jacke und sehen eine Klickhure. Sie suchen und eine Klickhure haucht: “Gefunden!”

Wir widerstehen. Ein um das andere Mal. Wir wiederstehen.

Doch dann steht sie vor uns. Die einzig wahre, die ultimative, größter Traum und dessen mögliche Erfüllung genau in diesem Augenblick. Und wir wissen, Sie hat nichts drunter.

Klick!

Die Überschrift erregt uns noch, das Intro hält uns noch, der Text ernüchtert. Aus dem Hintergrund lächelt uns ihr Zuhälter an und spielt mit der rechten Hand geschickt mit dem Kleingeld in seiner Nadelstreifenhose. Kleingeld, das sie gerade für ihn verdient hat. Er hat tausende von diesen Klickhuren an den Bordsteinen des Internets stehen. Sirenen auf der Odyssee durch die Webmeere.

Ich möchte diese kleinen, billigen Dinger dennoch nicht missen. Für den klitzekleinen Moment des Klicks sind sie digitales Rauschgift, Illusion, Hoffnung und Phantasie zugleich. Man darf sich nur nicht hingeben. Man muss sie direkt fallen lassen. Kein Herz, keine Zeit, keine Gedanken. Es gibt genügend von diesen kleinen, billigen Dingern.

Jetzt sind wir wie Satyre halb menschlich, halb tierisch, durch den Wald geirrt, haben Versuchungen und Proben bestanden und am Ende zu einem dionysischen Moment zurück gefunden. Ein Satyrspiel.

Die Trilogie, der dieses Satyrspiel folgt, finden Sie hier. Aber Achtung, die hat etwas drunter. Was auch verführerisch sein kann.

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