DIN A4 Gedanken: Religion

Achtung, dieser DIN A4 Gedanke überquert wirren Gedankens und mutigen Wortes die Grenzen des guten Geschmacks. Wenn Sie diesen für sich wahren wollen, lesen Sie bitte  nicht weiter.

Sie soll Opium für das Volk sein. Wäre sie es mal. Millionen von Menschen könnten sich an diesem Opiat wirklich berauschen. Der Dealer heißt dann nicht Gott, Jesus, Mohammed, Buddha oder Shiva. Er heißt dann Gerd, Ali, Nguyen, trägt viele Namen. Er trägt Waffen, dicke Ketten, kleine Plastiktütchen und an der Last eines hohen automobilen Status Quo. Erträgt man das?

Ja, denn das ist nur ein Insignientausch. Der weltliche Religionsrepräsentant und seine Horden bemühen sich auch weithin sichtbar zu sein und tragen die Waffen ihrer Religion demonstrativ. Sie schleppen auch dicke Ketten, güldenes Geschmeide, um der leichten Botschaft Gewicht zu geben. Der automobile Status Quo ist ebenso schwer, weil weltlich gepanzert, da Gottes Omnipotenz gegen allzu weltliche Kräfte impotent ist.

Leichte Botschaft, weil gewichtige Hilfe zur Bewältigung gesellschaftlicher Notwendigkeiten liefern heute viele und viele besser! So manche religiöse Hinwendung hat an Wert verloren, weil es das zu lösende Problem nicht mehr gibt, dies nur noch künstlich mit flachem Atem mit Kukidentgeruch beatmet wird. Das Problem dem Löser nicht mehr nah ist. Gott ist tot, es lebe Gott.

Das für manchen Gott heute Gucci heißt, mag blasphemisch klingen. Doch gibt es Fälle, in denen Gucci vorteilhafter wäre. Als Allah zum Beispiel, weil Gucci Luxus und Lebensfreude postuliert, was allemal besser ist als Sharia, ideologisierter Hass, religiös asketische Armut, paradiesisch endende Selbstzerstörungen und Gottes Kriege. Religion durch Freudenspender scheint da schon faszinierender.

Der Freundenspender könnte auch, um dem Opium nahe zu bleiben, Koks sein. Koks wird die Religion für das Volk. Mit einem Atemzug und vielen weiteren, wäre Religion szenig, wäre der Gang von der Mittelschifftür zum Altar ein hyperaktiv durchmessener Catwalk, wäre die Kanzel mit Bunte gelabelt, den neoreligiösen Sound lieferte Apple per iTunes in die Orgel-App, der Wein würde von der Winzermarketinggesellschaft Nordwürttemberg-Nordbaden gesponsert und man schnupfte die Weisheit in Reihen von Vitra. Die letzte Ölung würde unterstützt von Bertolli. Zur Kirche ginge man mit einem Röhrchen, das bei einem Kommunionsäquivalent vergeben würde. Die “Kommunionsgeschenke” mäße man in Gramm.

Gläubige könnte man leicht an trockenen Schleimhäuten erkennen, an Agilität, sie wären chemisch nachweisbar. Nicht mehr an den weichen Faktoren des geistigen, körperlichen oder seelischen Siechtums, oder dem religiös abgefederten Baumeln im Lebensraum.

Sie hielten das ebenso für den Untergang des Abendlandes? Ich auch. Wir müssen uns entscheiden, wie wir untergehen wollen? In einem Sumpf aus weißem Staub, oder in den Tränen der Opfer der klebrigen Vertretern der “Onkel hat hier was Süßes für den Jungen”-Fraktion. Purple Rain. Amen? Ja, amen!

(DIN A4 Gedanken sind Wortübungen rund um ein Wort, eine Beobachtung, einen flüchtigen Gedanken, eine erlebte Zumutung oder ein überragendes Ereigniss. Manchmal auch nur Ventil für ein zu reges Gehirn. Nie real. Und wenn doch, dann dramatisch überhöht. Bei 12 Punkt Schriftgröße und einem 1.5-fachen Zeilenabstand maximal eine DIN A4 Seite lang. Sinnlos. Und das ist der Sinn.)

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