DIN A4 Gedanken: Neues Denken

Denken ist stummes Reden in potenzierter Geschwindigkeit. Nichts muss den komplizierten Weg aus der stürmischen Enge des Hirns in die Leere des Mundes nehmen. Kein Wort muss für andere mechanisch wohl geformt werden. Jedes kann als Gedanke allein, als Bruchteil einer Millisekunde, auf Inhalt reduziert, sich rasend an andere reihen, Sätze zu vollenden. Sätze, nicht im grammatikalischen, sondern in des Sinnes Sinn. Nur dem Ziel des Gedankens und nichts sonst verpflichtet. Ja, es existiert ein Ziel, dem alles entgegen zu denken hat. Präzise oder vage, es existiert. Bekanntes wird bedacht, um dem bekannten Ziel nahe zu kommen, es bestenfalls zu erreichen. Es wundert nicht, dass Viele wünschen anders denken zu können. Anders denken heißt, mit Bekanntem Neues zu erdenken, oder mit Neuem sich bekanntem Ziel zu nähern. Auch hier ist ein Ende schnell in Sicht. Beschränkung. Grenze.

Neues Denken ist die hohe Schule synaptischer Artistik. Nicht zu kennen, womit man denkt, nicht zu wissen, wohin man denkt. Den Gedanken allen Raum zu geben, zu beobachten, wie sie sich in ästhetischen Bewegungen hart treffen, verfehlen, zart berühren und daraus neue Muster, Zusammengehörigkeit, Zuneigung, Ablehnung, Rhythmus entstehen. Die Kunst des freien, des neuen Denkens liegt in der Fähigkeit Raum zu geben und der Begabung in diesem Raum zu sehen, zu spüren, zu ahnen, was die Gedanken für potenziale im Zusammenspiel entwickeln. Wer ein Muster meint erkannt zu haben, der darf es nicht halten. Es ist nicht das Ziel. Man muss es markieren und wieder in den Raum schicken, sich zu bewegen und sich mit Anderen weiter zu komponieren. Kompositionen treffen auf einzelne Gedanken, treffen auf Kompositionen und erheben sich von mal zu mal.

Der ständige Abgleich mit dem, was einen beschäftigt, mit dem was man real erlebt und an ruhendem Denken in sich trägt, bestimmt den Zeitpunkt, an dem man den Status neuen Denkens erstarren lassen muss. Zu früh und man erreicht keine Größe. Zu spät und man erreicht den Wahnsinn. Genau auf den Punkt beschleunigen und bremsen zu können. Zu erkennen, wann beide Welten sich berühren, um die eine phantasievoller und die andere realistischer werden zu lassen, das macht den Neudenker aus.

Sie kennen keinen Neudenker? Doch!

(DIN A4 Gedanken sind Wortübungen rund um ein Wort, eine Beobachtung, einen flüchtigen Gedanken, eine erlebte Zumutung oder ein überragendes Ereigniss. Manchmal auch nur Ventil für ein zu reges Gehirn. Nie real. Und wenn doch, dann dramatisch überhöht. Bei 12 Punkt Schriftgröße und einem 1.5-fachen Zeilenabstand maximal eine DIN A4 Seite lang. Sinnlos. Und das ist der Sinn.)

Post to Twitter Post to Facebook

Uns interessiert, wie Sie darüber denken!

Kommentar(e)

This entry was posted in Konsorten denken DIN A4 Gedanken and tagged , , , , . Bookmark the permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>