Teil drei der Trilogie “Kommunikationsphantasie in drei Sätzen”

Jörg Kremer am 8. Februar 2010

Sie haben Teil eins und zwei der Trilogie verpasst? Kein Problem. Lesen Sie hier Teil eins!

Technisch getriebene, menschliche Hochgeschwindigkeitsevolution wird die Langsamen zu Rückwärtsläufern machen!

Reichte es den Marken früher, Träume zu inszenieren, werden es in Zukunft immer öfter Räume sein, die Marken für Menschen errichten müssen, um ihnen das Andocken an die Marke zu ermöglichen, mit der die Menschen nur noch mobil kommunizieren.

Was wir heute als Monolabelstores schon haben, wird in der Zukunft nicht mehr ausreichen. Markenräume werden das zweite Zuhause werden. Und die Marken werden dem archaisch reagierenden, mobilen Menschen überall intelligente Zückerchen auslegen, damit seine Wege die richtige Richtung nehmen.

Wie diese Markenräume aussehen werden, definieren die Menschen in ihren sozialen Gruppen. Die Kunst der Marken wird es sein, das richtige Thema für die Räume zu finden, damit überhaupt jemand kommt und die Wünsche der Menschen um Markenbotschaften anzureichern, um immer wieder zu überraschen.

Mobil werden Versprechen gegeben, die im direkten Kontakt der Marke übertroffen werden müssen. Dieses Erlebnis muss so einzigartig sein, dass man die Produkte der Marken kauft, bis man sich den nächsten Aufenthalt in einem Markenraum leisten kann. Produkte werden zu Devotionalien, die neben einer spirituellen (nicht religiösen) Dimension, die möglichst kreativ inspirierend sein sollte, auch eine körperliche Dimension haben müssen, indem sie Gesundheit erzeugen oder diese zur Schau stellen, bis hin zur Gesundheitssimulation.

Wie findet die Kommunikation rund um diese Markenräume und Wohnwelten der Menschen statt? Am Menschen. Für den Menschen. Mit dem Menschen.

Mit immer mehr verfügbarer Information, war es schon vor Jahren klar, dass die das Internet, damit die Kommunikation und somit die Wirtschaft der Zukunft dominieren werden, die Information leicht und mobil zugänglich und beherrschbar machen.

Es entstehen virtuelle Markenräume, die den Menschen zuhause aufnehmen und durch die Markenräume begleiten, sie lenken und orientieren, um sie wieder sicher und glücklich zuhause abzusetzen. So kann der Mensch sich auf das Leben und erleben konzentrieren, kann sich hingeben, ohne alles andere zu vergessen und den Versuchungen und Notwendigkeiten einer sehr mobilen Welt in jeder Sekunde gerecht werden.

Genau in dieser Sekunde, historisch gesehen, kommt das iPad.

Man hat mit der nächsten Generation iPad, leider muss auch Apple seine Investitionen mit Gerätegenerationen refinanzieren, nur noch ein Gadget, das den Menschen komplett mit allen Informationen, allen Freunden und auch Geschäftspartnern vernetzt, über den Tag begleitet. Der Mensch muss noch nicht mal mehr wissen, wie man einen Computer aus oder einschaltet – das ist nur noch ein Streicheln. Der Mensch muss keine Informationen mehr suchen und vernetzen, das machen die Apps. Der Mensch hat nur noch einen Wunsch, eine Anforderung und eine Adresse, bei der er alle Antworten, Lösungen und Erleichterungen findet.

Und die Marken finden die Menschen. Ebenfalls auf einem verlässlichen Standard, der es erlaubt, großzügig inszenieren zu können. Sound, Vibration, Film, Bild, Farbe, Form. Wort, Musik. Alles vom Menschen mit den Fingern berührbar, erstreichelbar, anfassbar.

Der Mensch wird den “Computer” nicht mehr als Maschine, sondern als Begleiter verstehen lernen. Der Computer wird nicht mehr komplexe Technik, sondern leichte Hilfe sein. Der Computer wird kein Computer mehr sein. Er ist das Vorkino zum Kino, er ist Kino selbst. Er wird Stereoanlage sein, wo sonst nie eine war. Er ist die Buchhandlung, wo nie Platz war für Bücher. So oder so! Er organisiert den Tag, stimmt diesen, wenn man möchte, mit Wetter, Strassenbedingungen, einer persönlichen Stimmung, oder mit den Terminen der Familie oder Freunde ab. Er bringt die Mensch hin oder weg. Er ist Museum, wo sonst nur Betonwände waren. Er wird das Denken und Handeln weiter verändern.

Und “er” ist das iPad. Das iPad an und für sich, oder ein Substitut dieses Meilensteines menschlicher Kurzzeitevolution.

In Seniorenheimen werden die ipads von alten Händen liebevoll in die Vergangenheit gestreichelt, um darin schwelgen zu können. In Kindergärten kitzeln kleine Händchen die große Welt vor große Kinderaugen. In Schulen fallen Lehrer aber keine Stunden aus, weil die von iPad-Lehrern zentral ersetzt werden. Man liest auf dem Sofa die Zeitung, die man lesen möchte und nicht die, die man gerade hat und zum 4. mal lesen muss. Leser werden über Bücher entscheiden, nicht Verlage. Produkte werden per iPad gekauft, die erst dann produziert werden. Markenräume warten, manchmal als Vereinsheime der Neuzeit verkleidet, manchmal ehrliches Vereinsheim, oft Traumwelten, öfter reale Räume, in denen Menschen Leben, Glück, Gesundheit und Kreativität suchen und finden, auf die menschen, wissen schon von Ihrem kommen, sind vorbereitet, besser als jeder Freund.

Das ist ja alles Zukunftsmusik. Genau. Und im Swiss Bordmagazin wird letzte Woche das Mobiltelefon in einer ganz normalen Uhr integriert, für 150 Euro angeboten. In Google Earth drehe ich das iPhone ins Querfromat, sehe in realen Bildern die Straßen und Häuser vor mir und wer oder was mich wo in seinen Markenräumen erwartet. Alles Zukunftsmusik, wenn in 18 Monaten 3 Milliarden Apps geladen werden, Tendenz deutlich steigend. Alles Zukunftsmusik ohne jeden Realitätsbezug. Medien, vornehmlich die Holzmedien, warten auf das iPad wie auf den Messias. Es soll einer ganzen Branche beim Überleben helfen. Alles Zukunftsmusik. Werbung wird im iPad beginnen und enden, zwischendurch nur noch noch Markenräume schmücken. Alles Zukunftsmusik.

Sie können sich das nicht vorstellen? So ist das mit wirklich neuen Dingen. Man kann sie sich nicht gut vorstellen. Sie brauchen das auch nicht! Wie wollen Sie das wissen, wenn Sie es sich nicht vorstellen können. Dafür haben Sie ja uns. Die Konsorten. Ihre Konsorten.

Lassen Sie das Thema mit reichlich Pathos in Ihrer Erinnerung an diesen Text überleben. Mit dem dritten Satz zur Kommunikationsphantasie:

Technisch getriebene, menschliche Hochgeschwindigkeitsevolution wird die Langsamen zu Rückwärtsläufern machen!

Hier geht es zu den Teilen eins und zwei der Trilogie:

-> Teil 1

-> Teil 2

Post to Twitter Tweet This Post

Abgelegt unter Konsorten Rat, Konsorten Wissen, Konsorten denken frei, Konsorten über Konsorten | Ein Kommentar

Ein Kommentar zu “Teil drei der Trilogie “Kommunikationsphantasie in drei Sätzen””

  1. [...] Teil drei der Trilogie “Kommunikationsphantasie in drei Sätzen” lesen Sie hier. [...]

Trackback URI | Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben