Weihnachtsgeschichte in Powerpoint?

Alle Phänomene dieser Welt, die wirklichen und die nur zur Lösung durch Powerpoint erzeugten, gibt es in Powerpoint. Denn Powerpoint ist ein Immanenz erzeugender Raum, in dem jeder Satz, jedes Bild, per Medium etwas Ultimatives verliehen bekommt.

Die freie Rede und der freie Text sterben langsam aus.

Aber es gibt noch Hoffnung. Die Verbreitung der Computertechnik hat zu einem ungeheuren Anwachsen des geschriebenen Wortes geführt. Auch wenn das nicht immer auf literarischem Niveau stattfindet. Werden wir in Zukunft mit unserem Computer sprechen können, wird die freie Rede wieder an Wichtigkeit gewinnen. Alle werden dann den Untergang des geschriebenen Wortes beklagen. Aber sind wir doch mal ehrlich, so manches Wort sollte auch besser untergehen.

Es soll Unternehmen geben, die mittlerweile Powerpoint als Präsentationsmedium verbieten und auf ausgefeilte Texte Wert legen. Ganz ohne Inszenierung. Eine sympathische Idee.

Gibt es die Weihnachtsgeschichte eigentlich in Powerpoint?

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Kommentar(e)

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9 Responses to Weihnachtsgeschichte in Powerpoint?

  1. Jörg Kremer says:

    Nach so vielen ;-) und ;) sollten wir uns etwas Entspannung bei einem neuen Thema gönnen: http://www.kremerundkonsorten.de/wp-admin/post.php?action=edit&post=2640

  2. Stephan Frühwirt says:

    Ist natürlich alles Strictly Condifdential, Diskretion ist in der Branche oberstes Gebot – aber was erzähle ich Ihnen da.

    Abgesehen davon gelingen mir jeden Tag so viele Schaubilder, dass ich gar nicht wüsste, welches genau das Beste ist… ;)

  3. Jörg Kremer says:

    Die zweite Lebenshälfte hat mich überrascht. Schön.

    “Darf ich ein klein wenig umformulieren? Nur mit rhetorisch geschulten Rednern und charismatischen Charakteren lässt sich PowerPoint so verwenden, dass es in der Präsentation möglichst effizient (= ohne Bulletlisten und ausformulierte Texte, allein zur Visualisierung von Datenmengen) eingesetzt werden kann UND überzeugend ist.”

    Ich bleibe dabei. Mit dem Rollator Powerpoint traut sich heute manch einer den Weg zum Rednerpult zu, der diesen Weg früher noch nicht mal gefunden hätte. Um die wären wir alle erleichtert. Sonst gebe ich Ihnen gerne Recht.

    Was ist denn Ihre gelungenste, eigene Powerpointseite. Darf ich die mal sehen?

  4. Stephan Frühwirt says:

    “Mein Job ist es, die Dinge zu vereinfachen, um Reaktionen zu provozieren. Ihr ‘Job’ ist es, extrem wichtig heute, den Dingen das Einfache zu nehmen. Auch wieder eine Vereinfachung.”

    I completely disagree. Selbst, wenn die Wissenschaft ausschließlich an Komplexität und nicht etwa primär an Erklärungspotenzial interessiert wäre, wäre das nur eine Hälfte meines Lebens. Als Grafiker bei einer großen amerikanischen Unternehmensberatung habe ich in der anderen Hälfte eben mit diesen Fragen zu tun, die weiter oben aufgekommen sind. ;)

    “Und man würde noch eines provozieren, wenn Powerpoint eingedämmt werden würde. Es kämen nur noch die Menschen vor andere Menschen, die diese Aufgabe auch ausfüllen können. Man würde wieder viel mehr charismatische Charaktere dort antreffen, wo man diese benötigt.”

    Darf ich ein klein wenig umformulieren? Nur mit rhetorisch geschulten Rednern und charismatischen Charakteren lässt sich PowerPoint so verwenden, dass es in der Präsentation möglichst effizient (= ohne Bulletlisten und ausformulierte Texte, allein zur Visualisierung von Datenmengen) eingesetzt werden kann UND überzeugend ist.

    Ich glaube in der Tat, dass die interaktionsgebundene Situation einer Präsentation vor Publikum – medienwissenschaftlich gesehen – ein Phänomen ist, das von anderen Kommunikationsformen getrennt werden muss. Und dies trifft insbesondere auf das Beratungsgewerbe zu. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich mit dieser Einsicht offenbar (leider) noch zu einer Minderheit zähle ;)

  5. Jörg Kremer says:

    Mein Job ist es, die Dinge zu vereinfachen, um Reaktionen zu provozieren. Ihr “Job” ist es, extrem wichtig heute, den Dingen das Einfache zu nehmen. Auch wieder eine Vereinfachung.

    Sie werden, wie ich, diese endlose Anzahl völlig uninspirierter Powerpoint-Präsentationen kennen, die leider mehr als 90% aller Präsentationen ausmachen. Natürlich ist Powerpoint nicht Schuld daran. Aber Systeme fördern ja bestimmte Entwicklungen. Und das Powerpoint Einfluss auf Präsentations- und sogar Argumentationstechniken genommen hat, sogar Unternehmenskulturen beeinflusst, darüber streitet wohl niemand.

    Würden Texte ausformuliert werden müssen, eben keine Erklärungsspielräume zwischen Bulletpoints bewusst offen gelassen werden können, um auf den Gesichtsausdruck des Gegenübers schnell noch reagieren zu können, wäre manches Meeting kürzer und präziser. Obwohl man genau das Gegenteil ständig propagiert bekommt.

    Der ausformulierte, geschriebene oder gesprochene Text würde viel eher als Luftblasenmaschine erkannt und verbannt werden können. Man müsste sich wieder festlegen. Genau das, was Sie als Vorteil definieren, reagieren zu können, macht im Business den größten Nachteil aus.

    Und man würde noch eines provozieren, wenn Powerpoint eingedämmt werden würde. Es kämen nur noch die Menschen vor andere Menschen, die diese Aufgabe auch ausfüllen können. Man würde wieder viel mehr charismatische Charaktere dort antreffen, wo man diese benötigt.

    Wenn ich jetzt noch mal die Diskussion Revue passieren lasse, ist mir dieser Gedanke eigentlich der liebste darin.

    Sie müssen im Übrigen Powerpoint nicht verteidigen. Es gibt zahllose Anlässe, wo man unter Gleichgesinnten regelrechte Begeisterungsstürme weiterhin wird lostreten können. Und sei es nur beim Powerpoint-Karaoke.

    Wo setzen Sie Powerpoint ein? Und warum?

    Wir nutzen das Pendant von Apple – Keynote. Keine Spur besser in der Wirkung. Ästhetischer, einfacher und deshalb etwas besser als Powerpoint. Wir formulieren darin aus oder nutzen Keynote als “Bilderrahmen” für Visualisierungen.

  6. Stephan Frühwirt says:

    Wenn ich Sie richtig verstehe, dann lösen Sie gedanklich das Interaktionssystem auf, in dem heutige Präsentationen meist noch stattfinden. Zugegeben, diese Präsentationsform (etwa im Modus von Videokonferenzen) wird auf Grund der Unabhängigkeit vom Raum und den daraus sich ergebenden Kostenhebeln sicherlich zunehmende Bedeutung erlangen.

    Nun hätte ich dazu allerdings zwei Einwände: Zum einen wird der, in freier Rede ungeübte Vortragende in solchen Fällen dennoch aus einer schriftlich ausgearbeiteten und vor ihm liegenden Präsentation einen für ihn notwendigen Rückhalt ziehen. Und wenn die Konferenz nicht synchron verläuft, wird man dies erst recht erwarten dürfen (vgl. Youtube – die wenigsten erfolgreichen Videobeiträge sind frei vorgetragen.)

    Zum anderen ginge damit ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit verloren, das sich in der klassischen Präsentation gerade aus der Anwesenheit des Vortragenden und seinem Habitus ergibt. Insbesondere bei Themen, die nicht unmittelbar, d.h. nicht ohne zusätzliche Erklärung plausibel sind – und welche Themen sind das schon -, ist es bezüglich des Impacts des Inhalts meines Erachtens nach absolut entscheidend, dass der Vortrag als Interaktionssystem stattfindet. Ein Ausweichmanöver über das “Notizenfeld” stellt in diesem Zusammenhang keinen adäquaten Ersatz dar.

    Kurzum: die Fähigkeien der freien, überzeugenden Rede werden sich, auch in Zukunft, kaum von selbst ergeben – insbesondere dann nicht, wenn es tatsächlich zu einer Auflösung der Interaktionssysteme kommen würde, in denen Präsentationen heute noch hauptsächlich gehalten werden. Zugleich werden sie aber ein erfolgskritisches Moment für Präsentationen bleiben, dessen Vernachlässigung zweifelsohne negative Folgen für die Überzeugungskraft von Themen haben wird.

    Im Übrigen halte ich die Gesamtverdammung von PowerPoint für ebenso uninspiriert, wie unsinnig: Insbesondere, wenn es um die Visualisierung von Zahlenmengen geht, ist PowerPoint äußerst nützlich. Wenn sich die Verwendung des Programms allein auf diese Anwendung beschränkt, ist es eine sehr konstruktive Zutat für den gelungenen Vortrag. Auf die Notwendigkeit dieser Trennung weist Thomas Steinfeld zu Recht hin. (Vgl. dazu auch http://www.edwardtufte.com/tufte/)

    Zu Ihrer anderen Frage:
    “Der Computer als Verbreitungsmedium. Die Überirritation der Gesellschaft durch unendlich viele Bewusstseinssysteme.”
    So lautet der Arbeitstitel meiner Dissertation im Fachbereich Medienwissenschaften/Medienberatung, die ich momentan verfasse. Öffentlich zugänglich wird der Text erst nach dem Rigorosum sein. Ich rechne mit weiteren 2 Jahren bis dahin.

  7. Jörg Kremer says:

    Powerpoint pointiert komplexere Gedankengänge und filettiert diese zu einzelnen Statements. Wer lange und oft damit arbeitet, gleicht sich im Vorbereiten und Aufbereiten von Gedanken oft sehr stark dieser Arbeits- und Präsentationsweise an. Eine faszinierende Beobachtung, die ich schon seit vielen Jahren in meinem beruflichen Umfeld mache. Grundlage ist immer das geschriebene Wort.

    Jetzt folgendes Szenario: Man sitzt vor seinem Apple und spricht einen Vortrag oder eine Präsentation vor der Kamera frei. Keine Bullet Points, kein Fettdruck, kein Wusch und Wisch, keine visuellen Effekte im Sprachteil. Niemand würde so sprechen, wie er Powerpointvorlagen erstellt. Wer sagt, dass man in Zukunft noch Textcharts versendet? Eventuell eine Summary dazu, die nur den Kerngedanken des Vortrags transportiert.

    Der Oil Peak wurde, wie man soeben erfährt, eventuell schon 2005 überschritten, Ressourcen gehen rapide zurück, Reisen wird zu teuer, Skype-Konferenzen nehmen deutlich zu, freie Rede wird wieder wichtiger – und wenn nicht alle in Echtzeit teilnehmen können, weil der Bohemien anders tickt als der aufstrebende Jungakademiker und man in Amerika zu anderen Zeiten schläft als in Deutschland – dann greift mein Beispiel von oben.

    Wenn ich von Spracheingabe schreibe, dann nicht auf dem Status der heutigen Technik. Dazu bedarf es noch eines technischen Quantensprungs. Als ich ganz zu Beginn der Internetära, die erste Internetseite für Kunden habe bauen lassen, konnte sich auch niemand vorstellen, dass man irgendwann mal Filme und Musik live würde streamen können.

    Ihrem Fazit gebe ich absolut Recht. Am Ende entscheidet nicht die Technik über die Qualität, sondern der Mensch, der sie bedient. Darauf lässt sich – noch – jede Technik reduzieren. Und das ist gut so. Ihr leidenschaftliches Plädoyer für die Lehre der freien Rede teile ich deshalb absolut.

    Habe dies über Sie gefunden: “Der Computer als Verbreitungsmedium. Die Überirritation der Gesellschaft durch unendlich viele Bewusstseinssysteme.” Ist das schon “öffentlich”? Würde mich sehr interessieren.

  8. Jörg Kremer says:

    Danke für den sehr ausführlichen Beitrag. Ich schaue mir den Artikel in der Süddeutschen heute Abend noch an und werde am Morgen sehr gerne antworten.

  9. Stephan Frühwirt says:

    Ich kann nicht sehen, wie die Tatsache der verbalen Steuerung des Computers dazu führen könnte, dass die “freie” Rede in Bezug auf PowerPoint wieder an Bedeutung gewinnt. Die freie Rede zu einem inhaltlichen Thema ist ja nicht deshalb heute weniger häufig beobachtbar, weil der Computer etwa hauptsächlich auf Schriftlichkeit abstellt.
    Es scheint stattdessen im Wesentlichen darum zu gehen, welche rhethorischen Fähigkeiten ein Präsentierender prinzipiell hat, wie gut er vorbereitet ist und wie viel Zeit er sich zur Ausarbeitung der Präsentation genommen hat und nehmen konnte. Letztlich ist der mündliche Vortrag immer ein größeres “Risiko” und der Rückhalt auf einem PowerPoint-Slide wird als Sicherheit empfunden.

    Dieser Zusammenhang wird sich kaum ändern, (wie etwa Thomas Steinfeld in der Süddeutschen Zeitung unter dem Titel “Ist PowerPoint gefährlich?” am 30.11.2009 in der Süddeutschen Zeitung meint) wenn es (bisher kaum realistisch) irgendwann möglich sein wird, den Computer auch verbal zu bedienen. Die Möglichkeit Befehle an eine Maschine zu geben oder Texte zu diktieren, ist durch zwei Merkmale gekennzeichnet, die der mündliche PowerPoint-Vortrag entbehrt: Erstens werden die Termini, die der Computer als Befehle verstehen kann, quantitativ und qualitativ beschränkt sein und ihre Verwendung damit keine rhethorischen Fähigkeiten schulen. Und zweitens findet eine Diktion von Texten und ihre Verarbeitung durch Spracherkennungssoftware außerhalb eines Interaktionssystems Präsentation statt, das allein das Höchstmaß an Spontanität erfordert.

    Im Übrigen sind jene überzeugenden rhethorischen Fähigkeiten, die den mündlichen Vortrag erfolgreich machen, bereits seit der Einführung der Literalität verkümmert. Es war mit Entwicklung der Schrift ganz einfach nicht mehr zwingend notwendig, alle Gedächtnisinhalte durch rhethorische Hilfsmittel zu stabilisieren. Deshalb ist die freie Rede für uns kein obligatorisches Lernziel in der biografischen Entwicklung mehr. Die freie Rede muss also auf keine Rote Liste sondern höchstens auf den eigenen Lernplan. Es ist nämlich keinesfalls unmöglich, eben diese Fähigkeiten zu trainieren. Und tatsächlich lässt sich beobachten, dass diejenigen Redner, die – und sei es rudimentär – auf dem Gebiet der Rhethorik geübt sind, ihren Konkurrenten mit Leichtigkeit die Show stehlen.

    Fazit also: PowerPoint ist nicht das Problem, die kritische Größe sind vielmehr die Fähigkeiten desjenigen, der es für einen Vortrag nutzt.

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