Muzak – das Tempotaschentuch für Fahrstühle

Wie oft haben wir schon Musik zu Fahrstuhlmusik abgestempelt? Abwertend. Wenn uns Musik zu seicht erschien, kam sie gedanklich in den Fahrstuhl. Höher entwickelte Formen dieser Musik schafften es auch bis zur Begrifflichkeit Kaufhausmusik oder sogar Hotelmusik.

Diese Musikform hatte über viele Jahrzehnte eine Namen. So wie Papiertaschentücher bei uns Tempo heißen, heißt diese Musik Muzak. Benannt nach der amerikanischen Firma Muzak, die 1934 gegründet, im Februar 2009 Konkurs angemeldet hat.

Der Gründer war begeistert von der Firma Kodak und Verband das Wort Musik mit Kodak und schuf so einen Namen für eine Musikgattung – Muzak.

General a.D. George Owen Squier war aus dem ersten Weltkrieg gekommen und von den Möglichkeiten fasziniert, die Radio und Telefon der Welt eröffneten. Er schuf professionellen Inhalt für das neue Medium Radio – funktionelle Musik. Musik, die vom Zuhörer nicht bewusst wahrgenommen wird, demnach gar keine Zuhörer hat, aber den nicht Zuhörenden in eine bestimmte Stimmung versetzt. Muzak entwickelte aber auch zu ganz bewusst steuernder Musik, die alles andere war als seicht, denn sie hatte ein Wirkungsziel und erreichte dies auch – geplant.

Muzak professionalisierte diese Musikgattung und dominierte sie lange Zeit. Das Tempotaschentuch für Fahrstühle ist jetzt Geschichte. Gerade jetzt, wo wir die Wirkung nicht nur kennen, sondern auch noch wissen, wo genau Musik wirkt – und warum. In Zeiten von Neuroökonomik und Neuromarketing als einer der Pioniere subtiler Manipulation unterzugehen ist bitter.

Aber es wäre nicht Amerika, wenn der Fahrstuhl nach einer Abwärtsfahrt nicht auch wieder noch oben fahren würde. Muzak ist wieder da. Mit internet based Music und 2,6 Millionen Songs aus eigenem Bestand, den man mit einer kleinen Box abrufen kann. Irgendwelche Musik, spezielle Musik, individuelle Musik – Funktionsmusik für Hintergrund und Vordergrund, für Fahrstühle, Kaufhäuser, Hotels, Arbeitsplätze. Die Vertriebskosten sind damit gegen null geschrumpft. Content matters.

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