Erst haben die Printmedien das Internet belächelt. Jetzt werden sie vom Internet angegrinst. Und die heutigen Internetplayer lassen sich viel Schmerzensgeld von denen zahlen, die gestern lächelten und heute hecheln.
Man fragt sich, warum die Verlage sich nicht auf das konzentrieren, was sie am besten können? Journalistisch hochwertig arbeiten und das in ebensolchen Produkten in den Markt bringen. Mittelmäßigkeit kann man heute nicht mehr verkaufen, denn die gibt es kostenlos in unübersehbaren Mengen im Internet.
Und wann immer Verlage ins Internet drängen, Trends versuchen abzugreifen, müssen sie derartig tief in die Tasche greifen, dass am Ende der Kostendruck zu Einsparungen an den Stellen führt, an denen sie ihre Kernkompetenz schwächen. Wenn man aber im Kern schlechter wird, kann man in der Zweit- oder Drittverwertung nicht Besserung erhoffen.
Sind wir nicht alle der Banalitäten der Internetinformation langsam überdrüssig? Sehnen wir uns nicht alle mal wieder nach einer Information, die unser Denken und Handeln beeinflusst und nicht nur die oberflächliche Schaulust versucht zu bedienen? Wollen wir nicht alle mal wieder Aha-Erlebnisse und Denkanstöße bekommen und nicht nur diese dramaturgisch überhöhten Schläge in die Bauchgrube oder den Infoelekroschocker, den man uns multimedial auf das Herz drückt, verkraften müssen?
Es gibt Beispiele des Erfolges. Lernt aus denen und reagiert nicht nur ängstlich auf Misserfolge.
Liebe Verlage, verlasst doch mal den Mainstream und gebt einen Trend vor, anstatt allen Trends und Trendchen hinterher zu laufen, die ihr entdecken könnt.
Denkt über das Medium nach, welche Mitglieder der Gesellschaft gehen jetzt in großer Zahl in welchen Lebensabschnitt und was brauchen die? Denkt über die Form, die Haptik, die Momente nach, in denen man liest, reagiert auf die gegenläufige Kraft, die jedem Trend anhaftet, kultiviert diese, macht sie groß und wenn das Ergebnis strahlend vor Euch steht, dann tragt es, weil es gar nicht anders sein darf und kann, ins Internet. Es könnte ein Nebeneinander von Leitmedium und Leitdenkern werden.
Das Papier ist tot, es lebe das Papier!
Uns interessiert, wie Sie darüber denken!