Konsortenwort zum Montag: Neurolachs

Bildgebende Analysemethoden haben der Hirnforschung einen gigantischen Schub gegeben, weil man Forschung plötzlich mit Bildern abbilden konnte. Mit leicht verständlichen Bildern, mit Bildern, die die Kommunikations-Währung der Neuzeit sind.

Das bildgebende Verfahren heißt f-MRT, funktionelle Magnetresonanztomographie und macht sich zu Nutze, dass sauerstoffreiches Blut andere magnetische Eigenschaften hat als sauerstoffarmes. Reagiert eine Hirnregion verstärkt, steigt der Stoffwechsel dort an, Sauerstoffwerte verändern sich und dies ist mit f-MRT abbildbar. Gut, bunt und plakativ.

Bei so eindeutig sichtbaren Ergebnissen, die sogar einem Laien verständlich werden können, muss man natürlich doppelt korrekt in der Wissenschaft arbeiten, um nicht zu schnell falsche Ergebnisse zu gut zu kommunizieren.

Das die Wissenschaft mit den entstehenden Bildern nicht zu schluderig umgehen darf, hat ein Wissenschaftler auf eindrucksvolle Weise deutlich gemacht. Er hat einen Fisch im Supermarkt gekauft, einen toten Fisch, hat diesem alle Erklärungen vorgelesen und auch die Vorgespräche mit dem toten Fisch geführt, die man mit einem Menschen in diesem Falle führt und den Fisch dann in den funktionellen-Magnetresonanztomographen geschoben. Dort einer Versuchsreihe ausgesetzt, wie man sie sonst bei Menschen einsetzt, hat das Hirn des Fisches bunte Bilder entstehen lassen. Das tote Hirn des Supermarktfisches.

Die Erklärung, warum das sein kann und warum das menschliche Hirn auch nicht immer eindeutige Bilder liefert, spare ich mir und Ihnen hier. Wichtig ist nur, dass wir Werber, wenn wir mit der Wissenschaft buhlen und uns mit deren Instrumenten und Ergebnissen bewaffnen, um den Kampf für unser Kunden zu gewinnen, nicht zu schnell von zu leicht verständlichen Bildern blenden lassen und sensibel bleiben. Denn jede ideologische Betrachtung und Anwendung führt immer irgendwann zu falschen Ergebnissen. Wir, die Werber, dürfen deshalb nicht zu euphorisch mit dem Schwert Neuromarketing ins Feld ziehen. Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass es nicht schon vieles Erkenntnisse gibt, die wir unbedingt berücksichtigen müssen. Denn sorgfältige Forschung in diesem Bereich hat schon viele alte Zöpfe abgeschnitten, mit denen manche Werber sich auch heute noch schmücken.

Die Forscher haben den toten Fisch nach der Versuchsreihe zusammen verspeist.

Das Rezept wurde nicht überliefert. Allerdings wird die Versuchsreihe jetzt in wissenschaftlichen Fachmagazinen veröffentlicht und heftig diskutiert. Die Reaktionen sind natürlich extrem. Eine ganze Branche von Wissenschaftlern fühlt sich nun verunglimpft, die Neuroideologen verstehen den Ansatz des Wissenschaftlers erst gar nicht, weil sie eben schon zu stark ideologisiert sind.

Kremer und Konsorten bedanken sich herzlich für das notwendige Zeichen zur richtigen Zeit und erwägen heute, obwohl nicht Freitag, am Abend Fisch zu essen.

Montage können so schön sein!

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Kommentar(e)

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2 Responses to Konsortenwort zum Montag: Neurolachs

  1. Jörg Kremer says:

    Ohlala, da plätschere ich so leicht über die neurologische Oberfläche und habe diese Dimension des Themas in diesem Moment gar nicht bedacht. Da möchte man hoffen, dass der, den wir hier Gott nennen, uns nicht aus den Supermärkten des Todes holt und mit seinen Helfern und Helfershelfern verspeist. Wir könnten ja, wie der Neurolachs, der Protagonist in der beschriebenen Wissenschaftsstory, noch bunte Bilder produzieren. Allerdings nicht, wenn wir schon gebraten auf Gottes Speiseporzellan liegen. Jetzt im Ernst: Danke für die zusätzliche Sicht auf das Unsichtbare.

  2. michler says:

    ich meine ,der Tod ist kein Umknipsen eines Schalters, sondern ein Dahingleiten , ein Prozess..wie es im Gehirn dabei aussieht werden wir vielleicht gerade so erfahren…
    und ich würde die Versuchsreihe erstmal nicht unbedingt ganz eng sehen ,solange einige andere nicht ähnliche Ergebnisse liefern …und weiter an der Macht des Unbewussten glauben…

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