Monatsarchiv für September 2009

Jörg Kremer versucht den scoop

Jörg Kremer am 30. September 2009

Der Axel Springer Verlag schreibt seinen Ideenwettbewerb scoop* erneut aus. Journalistische Projekte sind gefragt, die alles sein müssen, nur nicht zwingend ökonomisch erfolgreich. Für eine Zeit von zwei Jahren stellt der Axel Springer Verlag bis zu 500.000 Euro für den Gewinner und sein Projekt zur Verfügung. Eine schöne Gelegenheit für Jörg Kremer, mediale Ideen in den Ring zu werfen, um deren Juroren- und Markttauglichkeit zu prüfen.

*Scoop nennt man in der Medienwelt Informationen, die man exklusiv veröffentlicht und auf der Basis eigener Recherchen entstanden sind.

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Fehr fand fair

Jörg Kremer am 30. September 2009

Der Verhaltensökonom Ernst Fehr fand heraus, dass der Mensch unfair geboren wird und erst mit den Jahren fairer wird. Egoismus ist nicht die wichtigste menschliche Maxime, Gerechtigkeit ist dem Menschen viel wichtiger.

Gerechtigkeit ist aber, genau wie übertriebener Egoismus, Quell ökonomischen Übels. Zu viel Gerechtigkeitsempfinden führt zum Beispiel zu größerer Arbeitslosigkeit. So Fehr. Da hätte doch jeder eher den Egoismus als Treiber vermutet.

Fehr war lange Zeit Aussenseiter mit seinen Theorien, wurde mit der Zeit und mit weiteren Erkenntnissen Teil des Meinungsmainstreams seiner Kollegen. Dort angekommen, setze er sich direkt wieder ab. Er taucht in die Neuroökonomik ein, widmet sich der Hirnforschung und will jetzt wissen, was im Menschen passiert und nicht nur die sichtbaren Ergebnisse menschlichen Handelns abwarten, um sie dann bewerten zu können. Er selbst und viele andere warten nun auf die Erkenntnisse seines Denkens und Forschens in dieser neuen Dimension.

Fehr selbst räumt ein, dass die Ergebnisse am Ende in anderen Forschungsdisziplinen hilfreich sein könnten, nur nicht in seiner eigenen. Aber das hält den zur Zeit sicher renommiertesten Verhaltensökonomen der Welt nicht davon ab seinen 5 Millionen teuren Hirnscanner Unmengen an Daten produzieren zu lassen, deren Lektüre und Bewertung sein stets rebellisches Hirn aufs Äußerste fordern.

Wir werden berichten, wenn es Neues von Fehr aus Zürich zu berichten gibt. Und wir werden wesentliches Wissen wieder in unsere Beratungsarbeit einfließen lassen.

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Konsortenwort zum Montag: Neurolachs

Jörg Kremer am 28. September 2009

Bildgebende Analysemethoden haben der Hirnforschung einen gigantischen Schub gegeben, weil man Forschung plötzlich mit Bildern abbilden konnte. Mit leicht verständlichen Bildern, mit Bildern, die die Kommunikations-Währung der Neuzeit sind.

Das bildgebende Verfahren heißt f-MRT, funktionelle Magnetresonanztomographie und macht sich zu Nutze, dass sauerstoffreiches Blut andere magnetische Eigenschaften hat als sauerstoffarmes. Reagiert eine Hirnregion verstärkt, steigt der Stoffwechsel dort an, Sauerstoffwerte verändern sich und dies ist mit f-MRT abbildbar. Gut, bunt und plakativ.

Bei so eindeutig sichtbaren Ergebnissen, die sogar einem Laien verständlich werden können, muss man natürlich doppelt korrekt in der Wissenschaft arbeiten, um nicht zu schnell falsche Ergebnisse zu gut zu kommunizieren.

Das die Wissenschaft mit den entstehenden Bildern nicht zu schluderig umgehen darf, hat ein Wissenschaftler auf eindrucksvolle Weise deutlich gemacht. Er hat einen Fisch im Supermarkt gekauft, einen toten Fisch, hat diesem alle Erklärungen vorgelesen und auch die Vorgespräche mit dem toten Fisch geführt, die man mit einem Menschen in diesem Falle führt und den Fisch dann in den funktionellen-Magnetresonanztomographen geschoben. Dort einer Versuchsreihe ausgesetzt, wie man sie sonst bei Menschen einsetzt, hat das Hirn des Fisches bunte Bilder entstehen lassen. Das tote Hirn des Supermarktfisches.

Die Erklärung, warum das sein kann und warum das menschliche Hirn auch nicht immer eindeutige Bilder liefert, spare ich mir und Ihnen hier. Wichtig ist nur, dass wir Werber, wenn wir mit der Wissenschaft buhlen und uns mit deren Instrumenten und Ergebnissen bewaffnen, um den Kampf für unser Kunden zu gewinnen, nicht zu schnell von zu leicht verständlichen Bildern blenden lassen und sensibel bleiben. Denn jede ideologische Betrachtung und Anwendung führt immer irgendwann zu falschen Ergebnissen. Wir, die Werber, dürfen deshalb nicht zu euphorisch mit dem Schwert Neuromarketing ins Feld ziehen. Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass es nicht schon vieles Erkenntnisse gibt, die wir unbedingt berücksichtigen müssen. Denn sorgfältige Forschung in diesem Bereich hat schon viele alte Zöpfe abgeschnitten, mit denen manche Werber sich auch heute noch schmücken.

Die Forscher haben den toten Fisch nach der Versuchsreihe zusammen verspeist.

Das Rezept wurde nicht überliefert. Allerdings wird die Versuchsreihe jetzt in wissenschaftlichen Fachmagazinen veröffentlicht und heftig diskutiert. Die Reaktionen sind natürlich extrem. Eine ganze Branche von Wissenschaftlern fühlt sich nun verunglimpft, die Neuroideologen verstehen den Ansatz des Wissenschaftlers erst gar nicht, weil sie eben schon zu stark ideologisiert sind.

Kremer und Konsorten bedanken sich herzlich für das notwendige Zeichen zur richtigen Zeit und erwägen heute, obwohl nicht Freitag, am Abend Fisch zu essen.

Montage können so schön sein!

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dmexco - eine Branche wird fett

Jörg Kremer am 23. September 2009

Der Habitus der dmexco ist der, der etablierter Branchen und Messen. Es fehlt an digitalem Lifestyle! Die Preise für die Messestände sind explodiert, dass fast nur noch Große sich einen Auftritt leisten können. Subkulturelle Intelligenz und Ideen neben dem digitalen Mainstream haben da kaum eine Chance! Fazit: Kann man haben, muss man aber nicht!

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Romantik in pornografischer Klarheit

Jörg Kremer am 22. September 2009

Langsamkeit als ultimativer Luxus und die zeitlupenartige Aufnahme des Lichtes im fallenden Wassertropfen haben diesem Mono(b)log in den letzten Tagen eine fast pornografische Romantik gegeben. Man konnte alles sehen, jedes Detail, nichts blieb dem Blick verborgen. Alles war klar ausgeleuchtet, jede Regung wurde in Großaufnahme gezeigt. Manchmal war es haarig, manchmal eher glatt. Es war oft hart – vor lauter Romantik.

Okay, ganz so wild war es nicht. Aber die letzten Zeilen ließen sich einfach extrem gut schreiben.

Die Woche hat noch ein paar Businessfrüchte, die den Mono(b)log aus dieser Romantik ziehen werden, aber noch nicht reif genug sind, gepflückt und in den Mono(b)log gelegt zu werden. Es wird aber definitiv wieder geschäftlicher.

Genießen Sie deshalb noch die romantische Spätsommerstimmung hier und bauen Sie noch ein paar Rosamunde Pilcher-Szenen in das Drama Ihres Tagesgeschäfts ein – wer weiß wie lange das noch so gut geht.

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