
Quentin Tarantino inszeniert sogar seine Legasthenie mit dem Filmtitel “Inglourious Basterds” zur persönlichen Stärke. Wer in seiner Schwäche groß ist, muss übergroß in seinen Stärken sein. Ist er auch.
Der Plot ist intensiv, schnell, springt in den Erzählsträngen meisterhaft vor und zurück, nach links und rechts, verharrt tarantinoesk langsam in irr- und witzigen Dialogen. Christoph Waltz gerät als SS Standartenführer Hans Landa zur schauspielerischen Überfigur, der immer wieder in der Vorstellung mit Szenenapplaus Achtung gezollt wird. Zu Recht. Wissend, dass dieser Film 100% Fiktion ist, ertappt man sich doch bei dem Gedanken, dass alle Seiten in diesem irrwitzigen Krieg auch diese Art von sportlichem Lustgefühl haben mussten, das Tarantino in grandios psychopathischen Bildern inszeniert, um sich der Erbärmlichkeit des eigenen Handelns immer wieder entziehen zu können. Eigentlich muss man nach diesem Film keinen Nazi-Film mehr drehen. Denn historisch korrekte gibt es schon zur Genüge und einen frei interpretierenden Film gibt es jetzt auch. Wer will diesem Geniestreich die Stirn bieten wollen? Er würde Gefahr laufen Narben zu erleiden.
In Kritiken werden am Ende immer seichte Symbole für die Qualität eines Films vergeben. Sterne, Filmrollen und andere Belanglosigkeiten. Wir haben Derartiges nicht zu vergeben, aber unseren Respekt. Respekt Herr Tarantino!
Wer für den Streifen alles sein Gesäß hat hinhalten müssen, bleibt ungeklärt. Es sind auf jeden Fall zahlreiche.
Man sollte mit Quentin mal sprechen! Wenn nur noch das Blut die Röte zeigt und dabei der notwendige Faden farblos verblasst, ist es an der Zeit mehr als nur drei Bilder für einen Film in neurotischer Überlänge in seinem Kopf zu haben. Darf man unterstellen, dass dieser Streifen einem Stiefeltritt in Cruise Gesäß´ gleich kam? Wer weiß, der weiß.