DIN A4 Gedanke: Schreiben

Meterlänglich schlängelt sich eine Linie von links oben in Reihen und unzähligen Kleinkurven nach rechts unten. Schreibschrift! Auf dem selben Pfad sausen Linien wie Mikadostäbe zu Kleinkompositionen zusammen. Druckschrift! Kein so geschriebenes Wort ist so heiß, wie das moderne mit Licht geschriebene. Laserdruckerschrift! Alle haben die selbe Aufgabe, ein Nichts zu füllen! Ein inhaltliches und flächiges Nichts.

Laserschreibe braucht einundzwanzig mal neunundzwanzigkommasieben, Handschreibe okkupiert hingegen fast jedes Nichts. Dank schneller Schreibgeräteevolution auch auf dem Weg zu den Gestirnen und in den Untiefen der Meere. Hier dominiert die Dokumentation, das Aufschreiben. Einfach so mit dem Bleistift, ohne Zwang auf irgendein Nichts geschrieben. Das ist Schreiben.

Schreiben kann die Welt beschreibend neu erfinden. Jeder für sich. Einer für alle. Wer nicht zum Mond kann, schreibt sich hoch. Wer nicht tief taucht, schreibt sich runter. Mit bekannten Worten entstehen unbekannte Welten. Es müssen Bekannte Schreiber sein, weil sonst die Beschreibung des Unbekannten unbekannt bliebe. Durch Kombination von Sinnigem und Unsinnigem Unbekanntes entstehen zu lassen, das ist Schreiben. Es verliebt, bekriegt, revolutioniert, trennt, verbindet, langweilt. Therapiert Empfänger und Sender.

Zwei Sender unterscheiden sich. Der Verbalfetischist, der den Sinn aus dem mikroskopischen Inszenieren von Schreibe zieht und dem Sendungsfetischisten, der die makroskopische Nachricht, die Metabotschaft über die Linien-, Mikadostab- und Hitzespuren stellt.

Aufschreiben macht immer Sinn. Schreiben hingegen selten. Nur wenn der verbale Fetischist auf den Schwamm trifft, der seine fließenden Gedanken saugen kann, fließen die Inszenierten Bilder nicht achtlos vorbei. Nur wenn der Sendungssüchtige in die intellektuelle Petrischale eines Hirns schreibt, wird diese dankbar die Botschaft aufnehmen und dienstbar weitergeben. Das ist Chance und Gefahr zugleich – einer für alle.

Man muss das Schreiben bei so viel Dagegen lieben und jedem Tal der Nichtbeachtung mit der Brücke Leidenschaft begegnen und diese überschreiben. Überschrift: Schreiben.

(DIN A4 Gedanken sind Wortübungen rund um ein Wort, eine Beobachtung, einen flüchtigen Gedanken, eine erlebte Zumutung oder ein überragendes Ereigniss. Manchmal auch nur Ventil für ein zu reges Gehirn. Nie real. Und wenn doch, dann dramatisch überhöht. Bei 12 Punkt Schriftgröße und einem 1.5-fachen Zeilenabstand maximal eine DIN A4 Seite lang. Sinnlos. Und das ist der Sinn.)

Post to Twitter Post to Facebook

Uns interessiert, wie Sie darüber denken!

Kommentar(e)

This entry was posted in Konsorten denken DIN A4 Gedanken and tagged , , . Bookmark the permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>