Jörg Kremer am 25. Mai 2009
Die Weltwitschaftskrise entwickelt sich zunehmend zum Amargeddon der Printwelt. Wie in der Offenbarung des Johannes wird dieses Amargeddon Ort einer endzeitlich anmutenden Entscheidungsschlacht im Blätterwald, diesen zu lichten und neu aufforsten zu können.
Was passiert? Die Systeme, die Print produzieren, werden konzentriert, man dünnt die kreativen Reihen aus, verlässt damit den Weg der Qualität und stürzt sich beinahe suizid in den Kampf mit den elektronischen Systemen, allen voran das Internet, um weiterhin DER Massenverteiler aktueller Information sein zu können. Doch diese Zeiten sind vorbei. Anspruch und Realität haben sich überholt.
Das Amargeddon der Printbranche wird nicht auf dem großen Schlachtfeld mit möglichst großen “Truppen” ausgetragen. Es ist ein Partisanenszenario, das den größten Erfolg verspricht. Kleine Einheiten, die klare Meinungen haben und diese auch gekonnt führen können. Print ist der Informationsluxus für die Zeit nach dem Print-Amargeddon.
Täglich, stündlich, minütlich bestens durch das Internet versorgt, wird man nach qualifizierter Meinung zu den Informationen suchen, möchte die großen Zusammenhänge dargestellt bekommen und das am liebsten im eigenen und für den eigenen Lifestyle aufbereitet. Papiermedien müssen mit Lust gemacht und ebenso angeboten werden. Papiermedien müssen optisch und haptisch weit mehr leisten, als einfach nur gut handhabbar zu sein. Sie müssen den Luxus der elitären Information vor dem Inhalt und nach dem Inhalt sichtbar zu Schau tragen.
War das Internet mal das Informationsmedium einer Infoelite, ist es jetzt das demokratische Info-Medium aller. Was wird die Infoelite machen, um weiterhin sichtbar zu bleiben? Sie wird sich neben das Mobiltelefon, die Quelle jeglicher Information, eine entsprechende Zeitung oder ein Magazin klemmen. Selbstdarstellung, Identifkation, “ich kann mir diese Art der Information leisten” und ein Ausdruck eines besonderen Lifestyles – das ist Print von morgen.
Diskontinuierliche Innovation ist gefragt, um Amargeddon erfolgreich verlassen zu können. Doch wie soll diskontinuierlich innoviert werden, wenn immer die selben Verdächtigen, die nur auf Verbesserung getrimmten Köpfe, komplette Veränderung liefern oder bewerten sollen. Die Systeme stehen sich dabei selbst mit den über Jahrzehnte nur kontinuierlich verbesserten Systemen im Weg. Und zu allem Überfluss entlassen die Systeme auch noch die kreativen Potenziale, die Diskontinuität provozieren oder füllen könnten, gäbe es sie.
Natürlich kann man die agierenden Verlage und Printtitel nicht auf einen Schlag komplett ändern. Dazu ist die Trägheit der Masse einfach zu hoch. Aber systematisch Freiräume für kleine Einheiten schaffen, dort Diskontinuität in Reinform leben und lernen und die Erkenntnisse in die großen Strukturen einspielen – das wäre eine Lösung, die auch in rezessiven Zeiten viele Anhänger finden könnte.
Konsorten sind bekennende Anhänger des Luxusmediums Print. Gute Konsorten, wenn Sie diskontinuierlich innovieren möchten. Oder müssen!
Die Amerikaner sehen in Amargeddon den nahenden, endzeitlichen Kampf zwischen Gut und Böse. Wir Deutsche, auch wenn wir Konsorten sind, sind da etwas sachlicher. Dieses Amargeddon ist Schauplatz des Endkampfs zwischen Gut und Schlecht!
Mögen die wirklich Besseren gewinnen. Sie haben die Wahl, ob Sie zu den Besseren gehören –oder nicht!
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