
Marketing und Kommunikation gibt es so lange wie es den Menschen gibt. Die Worte dafür haben sich geändert – sicher auch die Techniken – aber das Zentrum um das sich alles in ständig wechselnden Laufbahnen und Geschwindigkeiten dreht, ist “Hope”. Hoffnung umgangssprachlich verstanden, weil dort die Sehnsucht eingemeindet ist.
Hoffnung als Zentrum, das bedeutet, alle schauen auf ihren professionellen Umlaufbahnen von aussen auf die Hoffnung, denken sie zu kennen, schmerzlich oder lüstern aus eigener Erfahrung – auf jeden Fall aber von jeder Seite.
So begann auch die 5th European Consumer Trend Conference des Gottfried Duttweiler Institute gestern in Zürich Rüschlikon. Die Referenten kreisten mehr oder weniger wild und die eigenen Bilder, die man durch den Blick auf Hope hatte, wurden zumeist sehr sinnvoll durch neue ergänzt.
Vor dem letzten Auftritt begannen schon die Fazitworte in den Kopf zu sprudeln. Durchweg positiv – auch wenn sie nicht superlativ waren.
Aber dann. Norbert Golz, Professor für Medienwissenschaft an der technischen Universität Berlin. Er riss die ca. 100 Konferenzbesucher aus der Bahn, fesselte sie gedanklich an die zentrale Hoffnung und gab allen einen gänzlich neuen Blick aus der anderen Richtung. Er nennt es “gegen den Strich denken” und hält dies für eine Grundvorraussetzung für einen professoralen Akademiker, wenn er mehr sehen und sagen möchte – was er sollte.
Aber ist es nicht auch genau dies, was wir in Marketing und Werbung auch jeden Tag, jede Stunde machen. Machen sollten. Wäre es nicht genau das gewesen, was alle anderen Referenten vorher auch hätten leisten müssen? Vor dem Professor.
Oder braucht man alle Vorredner, um Herrn Professor Bolz am Ende in seiner Position noch besser abgrenzen zu können? Ich denke schon. Hätte er begonnen, hätten wir einen guten und viele nicht so gute Vorträge gehabt. So hatten wir viele gute und einen herausragenden.
Vor dem Vortrag von Herrn Bolz waren die zahlreichen Wasserflaschen auf den Tischen halbleer. Am Ende waren sie halbvoll! Und “Hope” hatte alle Hoffnungen der Teilnehmer erfüllt. Hoffentlich.
Die Erkenntnis, die wir für Kremer und Konsorten gewonnen haben? Wirklich gewinnen kann nur der, der nicht nur mitdenkt – das können die Kunden meist selbst sehr gut – sondern der, der umdenkt.
Wenn uns wieder mal ein Kunde sagen sollte, wir wären kompliziert, weil wir die Dinge selten als gegeben hinnehmen, sondern immer wieder hinterfragen, dann werden wir dies mit großem Stolz hinnehmen. Ein schöneres Kompliment kann man in unserer Branche kaum bekommen. Man muss das Potenzial nur schätzen und nutzen – als Kunde.
Dann ist man im Zentrum, beobachtet, wie die anderen sich auf den Umlaufbahnen um die Hoffnung mühen und genießt die Alleinstellung, die Hoffnung zu sein. Der Rest ist dann nur noch Handwerk…
Uns interessiert, wie Sie darüber denken!