Welch eine Revolution. Aus Kaffee mit Milch wurde Milchkaffee. So hört man sie spotten, die kulturell Unausgeprägten. Die an Geschmacksknospen Verarmten, die Sparsamen und die Traditionalisten.
Doch zuerst die faktische Korrektur. Der Bohnenkaffee hatte seinen Namen nie verdient. Nie hat er eine Bohne gesehen. Pulverkaffee hätte er heißen müssen. Lieblos bekam er Büchsenmilch, Dosenmilch, Kondensmilch zugeführt, nachdem er durch Filtern endlos sickernd und tropfend versauert war. Alles im Verborgenen der einfallslosesten Kaffeemaschinen. Kaffee mit Milch. Kam Zucker hinzu, war der schwarze Sud selten exakt gesüßt, eine Feindosierung, gar große Korrektur, war gänzlich ausgeschlossen. Der Zucker durchbricht die Oberfläche und verschwindet, sich direkt lösend, zum Tassenboden.
Wie klingt dagegen das Hohelied des Milchkaffees! Wie eine pompös inszenierte Oper, wie ein Chor gegen eine dünne Stimme. Tasse für Tasse werden die Bohnen zwischen Metall tosend gebrochen, ihnen das Aroma zu entringen. Das Wasser darf nur in einem Handstreich das dicht gedrängte Pulver durchschießen, um nur die willigen Aromen mitzunehmen. Die Verborgeneren bleiben dies auch. Am Ende steht ein schäumendes Aromat, das man nicht treiben, sondern bändigen muss. Versiegelt wird es deshalb.
Stiemend aufgebrachte Milch wird hingebungsvoll, Löffel für Löffel und in fein dosierten Rinnsalen auf das Schwarz gelegt, damit es sich beruhige und nichts sich verflüchtigen kann. Jetzt hat der Kaffee, was dem Kaffee ist. Eine Krone. Milchkaffee. In das sich theatralisch vermischende Weiß gibt der Kenner von oben auf die Crema, wie sie wissentlich weiblich, anmutig genannt wird, die Zuckersüße. Gleichmäßig auf das schaumige Weiß gestreut kann man jetzt Weiße und Süße sensibelst dosieren. Mit dem obligatorischen Löffel durch den Schaum stechend, nimmt man fast zählbar, Zuckerkristalle mit zum Grund. Ein paar verbleiben zum Knirschen auf dem Schaum. So könnte es gut sein.
Perfekt. Milchkaffee!
(DIN A4 Gedanken sind Wortübungen rund um ein Wort, eine Beobachtung, einen flüchtigen Gedanken, eine erlebte Zumutung oder ein überragendes Ereigniss. Manchmal auch nur Ventil für ein zu reges Gehirn. Nie real. Und wenn doch, dann dramatisch überhöht. Bei 12 Punkt Schriftgröße und einem 1.5-fachen Zeilenabstand maximal eine DIN A4 Seite lang. Sinnlos. Und das ist der Sinn.)
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